Die neuen Alten: Wolfram Reutlinger vereint Menschen

Die neuen Alten : Wolfram Reutlinger vereint Menschen

Der Moerser Stadtteil Meerbeck ist dem 70-jährigen Mann ans Herz gewachsen. Er liebt die verschiedenen Kulturen und will sie zusammenführen. Dafür rief er in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte ins Leben, die Menschen verbinden sollen.

Die Fotoausstellung "Meerbecker Kulurfrühling" zeigt die bunte Vielfalt des Moerser Stadtteils Meerbeck: Türkische Teestuben, Alleen und einen quirligen Markt. Aber auch der Schutzpolizist des Stadtteils, ein Kiosk oder der Tierarzt vor Ort sind auf den Informationstafeln im ersten Stock der Barbaraschule zu sehen. Zur Eröffnung Anfang Mai kamen rund 70 Gäste und spendeten dem Initiator, Wolfram Reutlinger, lang anhaltenden Applaus. "Wir haben hier Menschen vor Ort in Meerbeck fotografiert", sagt Reutlinger. "Das Ziel ist es,dem Betrachter der Bilder zu zeigen, wie die Menschen in der Kolonie-Siedlung leben, arbeiten und vor allem, dass sie sich hier auch wohlfühlen", sagt der 70-Jährige, der seit 2008 im Ruhestand ist. Die Fotoausstellung ist nur eines von vielen Projekten, die Reutlinger zugunsten der Meerbecker in den vergangenen Jahren initiiert und begleitet hat.

Reutlinger ist in Diez an der Lahn geboren, studierte in Heidelberg und Berlin Jura, obwohl er eigentlich lieber Städteplaner geworden wäre. "Aber es war nie mein Ziel, viel Geld zu verdienen. Viel lieber wollte ich die Welt lebenswert gestalten." In Duisburg war er einst 16 Jahr lang Zoodirektor. In seiner Zeit schaffte er es, die Besucherzahlen zu verdoppeln und den Zoo wirtschaftlich zu sanieren. Zudem war er Mitarbeiter bei den Duisburger Verkehrs- und Versorgungsbetrieben. Aber: "Es gab nie Zeit für die Menschen, sie blieben in der Zeit immer auf der Strecke", sagt Reutlinger. Das wollte er nach seinem Umzug in die Stadt Moers ab 1973 ändern. Hier engagierte er sich politisch und war einer derjenigen, die dafür sorgten, dass die alte Zechensiedlung Meerbeck nicht abgerissen wurde, sondern erhalten blieb.

Die aktive Arbeit mit den Menschen vor Ort begann aber erst in seinem Ruhestand vor fünf Jahren in der evangelischen Gemeinde Meerbeck. ",Aktiv im Alter' hieß die Bewegung, und ich dachte: ,Da mache ich mit'". Er meldete sich als ehrenamtlicher Projektbegleiter für das "Nachbarschaftsnetzwerk." Das wollte er aber nicht "von oben", wie er sagt, dirigieren, sondern aus der Mitte. "Ohne Titel, ohne Status wollte ich unmittelbar mit den Menschen arbeiten - jeder ist gleichberechtigt und kann sich einbringen." So begleitet er mit seiner Frau Anja die Computergruppe der Gemeinde, den Lesekreis und das interkulturelle Kochen. Zudem rief er den "Meerbecker Kulturfrühling" und die Kulturinitiative WiM (Wir in Meerbeck) ins Leben und organisiert die Meerbecker Kinderakademie.

Einen Verein zu gründen kam für Reutlinger aber nicht infrage, "da hätte man wieder einen Vorsitzenden, einen Schriftführer und so weiter", sagt er. Die Leute sollen eigene Ideen kreieren, sie zusammen umsetzen und somit miteinander zu tun haben. "Diese Freude, die die Menschen dabei haben, sich kennenzulernen und Freundschaften bilden - das macht mich glücklich. Und dieses Glück kann man nicht mit Geld bezahlen."

(RP)