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Alpen: Wolf: Schafzüchter sind weiter in Sorge

Alpen : Wolf: Schafzüchter sind weiter in Sorge

Bei einem Infoabend zum Thema machten die Tierhalter deutlich, dass sie mit der Informationspolitik unzufrieden sind. Dass im Dezember ein Wolf mitten durch den Kreis Kleve spaziert sei, habe man erst im Januar erfahren.

Die Meldungen über gesichtete Wölfe am Niederrhein mehren sich, zuletzt spazierte am 19. Februar ein Einzeltier über den Deich bei Rees. Die Schafzüchter und -halter Niederrhein luden aus diesem Anlass ihre Mitglieder am Dienstag zu einer Bezirksversammlung in die Gaststätte Thiesen in Alpen ein.

Wenn ein Wolf ein Schaf reißt, ist vom Land eine Ausgleichszahlung an den Schäfer vorgesehen. Allerdings handelt es sich dabei um den Schlachtpreis des Tieres. "Wenn ich einen Zuchtbock verliere, habe ich einen Schaden von rund 1500 Euro und erhalte eine Entschädigung von 150 Euro", beklagt der Uedemer Martin Tiemann. Den Folgeverlust beziffert der Schäfer sogar noch viel höher: "Ein Wolf hat große Ähnlichkeit mit den Hütehunden. Das bedeutet, wenn ein Wolf durch meine Herde geht, kann ich zwei Jahre lang nicht mehr mit den Tieren arbeiten, weil das Vertrauen weg ist."

Ob eine Entschädigung gezahlt wird, ist auch in einem aktuellen Fall die Frage. In Kerken-Rahm waren am 23. Februar zwei Schafe gerissen worden. Die Fotos, die unserer Redaktion vorliegen, zeigen nicht druckreife Bilder von den Tieren mit schlimmen Verletzungen. Ein Hund könne dafür nicht verantwortlich sein, heißt es aus Expertenkreisen. Doch ob tatsächlich ein Wolf dafür verantwortlich ist, ist noch offen. Es wurden DNA-Proben genommen, die untersucht werden sollen.

"Bislang liegt das Ergebnis noch nicht vor", sagt Wilhelm Deitermann vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Momentan sei die Zeit, in der Wölfe viel wandern, dann gebe auch viele Funde und das Institut müsse zahlreiche Proben untersuchen. Bevor aber kein Ergebnis vorliege, sei es reine Spekulation, ob tatsächlich ein Wolf die Schafe gerissen habe, so Deitermann.

Dass der vor 150 Jahren in Deutschland ausgestorbene Wolf hierzulande überhaupt wieder Fuß fasst, ist laut Wolfsberater Georg Franken die Folge von politischen Entscheidungen: "Mit der Öffnung der Grenzen kamen auch die Wölfe." Der erste Wolf wurde 2001 wieder in NRW registriert. "Dazu kommen die Wölfe aus den Niederlanden, die in Grenznähe leben. Wenn man sich vor Augen führt, dass ein Wolf am Tag 40 bis 50 Kilometer zurücklegt, könnten durchaus schon bald mehr kommen."

Die oftmals geäußerte Ansicht, Wölfe seien scheue Tiere, widerlegte Tiemann mit Videos, die das Raubtier mitten in belebten Städten oder neben einem PKW herlaufend zeigen. Was bei den Schäfern auf völliges Unverständnis stößt, ist die Tatsache, dass die Wölfin "Naja" am 28. Dezember vergangenen Jahres mit einem Halsbandsender ausgestattet durch den Kreis Kleve streifte, ohne dass die Tierhalter darüber informiert wurden. Tiemann: "Erst am 19. Januar hat uns das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen darüber unterrichtet."

Katharina Stenglein, die für den Nabu das Projekt "Die Rückkehr des Wolfes nach NRW" begleitet, versuchte mit sachlichen Argumenten dagegen zu halten: "Unser Wildbestand ist auf einem historischen Höchststand, der Herdenschutz ist zudem erprobt und wird auch eingesetzt und es gibt eine finanzielle Unterstützung für Nutztierhalter." Um am Niederrhein wieder heimisch zu werden, braucht der Wolf laut Stenglein neben Nahrung nur Ruhezonen und genetische Vielfalt. "Was er absolut nicht braucht, ist Wildnis. Der Wolf ist sehr anpassungsfähig und kommt deshalb mit der veränderten Kulturlandschaft auch sehr gut zurecht", erklärte die Wolfsexpertin den rund 60 anwesenden Schäfern.

(RP)