Wochenkommentar: Klimawandel – die Not am Niederrhein nimmt zu

Unsere Woche : Klimawandel – die Not am Niederrhein nimmt zu

Die Argumente, den Klimawandel nicht ernst zu nehmen, schwinden. Ein Spaziergang im Wald öffnet die Augen. Die Diagnose der Fachleute klingt dramatisch.

Wer Augen hat, ... Klimawandel ist längst keine theoretische Vokabel mehr von notorischen Schwarzsehern, die in apokalyptischen Szenarien genüsslich baden. Weltuntergangsstimmung hilft nicht. Der Klimawandel ist am Niederrhein angekommen. Das ist nicht mehr zu leugnen. Die Sommer neigen zu Extremen. Massive Regenfälle überfluteten vor drei Jahren die Keller. Viele Sonsbecker werden sich schmerzlich daran erinnern. Zu Beginn des vorigen Jahres fegte Sturmtief Friederike über die Region hinweg und zog eine Spur der Verwüstung. Im folgenden Dürresommer rückten die Feuerwehren regelmäßig aus, um brennende Getreidefelder so löschen und drohende Waldbrände im Keim zu ersticken. Fluss- und Bachläufe lagen trocken, Fische verendeten.

Nun geht’s dem Wald an den Kragen. Der Borkenkäfer findet am Niederrhein inzwischen optimale Bedingungen. Lange Wärmeperioden, ausgelaugte Bäume, die natürlichen Feinde übersättigt. Und immer noch kein Landregen, den auch die Landwirte so dringend brauchen, die bewässern, was das Zeug hält, um nicht weitere Einbußen zu erleiden. Das natürliche Gleichgewicht gerät aus den Fugen. Wenn Förster mit landesweitem Fokus bekennen, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, und Ödnisse vorhersagen, wo einst Wald gestanden hat, ist das mehr als ein Alarmzeichen. Man muss nur in Gärten schauen, wo einst immergrüne Hecken in tiefem Braun verenden, einst stolze Nadelbäume nur noch als ausgemergelte Gerippe in der Reihe stehen, Laubbäume schon Anfang August farblich auf Herbst schalten.

Man muss nicht zwangsläufig in den Chor derer einstimmen, die plakativ den „Klimanotstand“ ausrufen. Fürs erste würd’s helfen, sich einzugestehen, dass er auch hier real ist. Dem etwas entgegenzusetzen wird zum Fokus der Politik. Auch in Rathäusern am Niederrhein. Hier wird man nicht die Welt retten. Aber mitzuhelfen ist ohne Alternative. Beispielhafte Ansätze gibt’s: die energetische Sanierung des Schulzentrums Alpen oder das Holzkraftwerk bei Solvay. Und: Jeder einzelne ist gefordert.

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