Alpen: Wo Feuerwehr nah bei den Menschen ist

Alpen: Wo Feuerwehr nah bei den Menschen ist

Das CDU-Podium musste wegen des Gewitters kurzfristig ins alte Gerätehaus umziehen. Dr. Jan Heinisch skizzierte die Rahmenbedingungen zur Nachwuchssicherung der Freiwilligen Feuerwehr. Er warnte vor falscher Bescheidenheit.

Heimat ist ein gutes Gefühl. Das war die zentrale Botschaft von Dr. Jan Heinisch, Vorsitzender des Feuerwehrverbandes NRW, beim Besuch des CDU-Podiums bei der Freiwilligen Feuerwehr in Alpen. Das sollte eigentlich auf der Baustelle an der von-Dornik-Straße diskutieren. Aber Blitz und Donner zwangen zum Ortswechsel.

Foto: bp

Der Neubau verfügt noch nicht über ausreichenden Schutz gegen Blitzeins chläge. So ging's an den Noch-Standort am Willy-Brand-Platz. Da war gerade sowieso Platz, weil alle Fahrzeuge zum Einsatz in Veen waren, wo am Halfmannsweg der Keller der "Villa" brannte. Nach einem Blitzeinschlag.

Während die aktiven Wehrleute ihren Job machten, lauschten rund 50 Leute dem Vortrag des Gastes aus Heiligenhaus, Staatssekretär im Ministerium für Bauen, Kommunales und Heimat. Der bezeichnete den Begriff Heimat, mit dem nicht nur CDU-Parteichef Sascha van Beek fremdelt und den es in vielen anderen Sprachen gar nicht gibt, als "etwas sehr Lokales".

Dieses Gefühl "im Nahraum" der Menschen sei ein guter Nährboden, auf der auch Engagement in Freiwilligen Feuerwehr gedeihe und letztlich Sicherheit für viele Menschen garantiere. 73 Prozent aller Wehrleute im Lande seien Ehrenamtler.

Die Feuerwehr habe überall da die geringsten Probleme ihren Kräftebedarf zu decken, wo sie unmittelbar vor Ort verankert sei - wenn sie "räumlich und personell lokale Angelegenheit ist". Dienst am Nächsten sei nicht als Pflicht zu verordnen, sondern entspringe schon immer einem "Bürgersinn". "Dahinter steht ein Geist." Als Beleg las er das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus dem Lukas-Evangelium.

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Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, so Heinisch. Ein Gerätehaus sei nicht alles, aber bedeutsam. Da war er vor Ort. Er ermutigte dazu, beim Neubau nicht auf "08/15-Architektur" zu setzen, sondern auf ein Haus, "das gut aussieht und etwas ausstrahlt". Feuerwehr im Ort habe keinen Grund, sich zu verstecken, "auch wenn's ein bisschen was kostet". Es müsse Freude machen, dabei zu sein.

Damit sprach der Feuerwehrmann Architektin Bettina Kempen aus dem Herzen. Jede Architektur habe eine Sprache. Ihre Botschaft beim Entwurf fürs neue Haus der Wehr in Alpen laute "Wertschätzung" für die Männer und Frauen, die sich für ihre Mitmenschen auch in Gefahr begeben.

Den Ball nahm der Feuerwehr-Lobbyist gern auf, ermunterte dazu, auch den Übungsturm, der noch als nackter Betonpfeiler emporragt, später zu beleuchten, um Selbstbewusstsein zu zeigen: "Dunkel ist es schon überall anderswo." Bürgermeister Thomas Ahls ist überzeugt, dass es schön wird. Er freue sich auf die Einweihung. Auch wenn die Preise am Bau galoppieren und unterm Strich mehr als sechs Millionen Euro stehen werden.

Das "Hybrishaus", das unterschiedliche Konstruktionsweisen vereint, werde für die heutige Jugend später zum Bild von Heimat gehören und auch die Sicherheit für die ganze Gemeinde deutlich erhöhen. Wehrleiter Michael Hartjes ist zuversichtlich, dass sich die deutlich verbesserten Möglichkeiten für die Jugendfeuerwehr die erforderliche personelle Stärke langfristig sichern helfen. Schon heute kommen 70 Prozent der Freiwilligen Feuerwehrmänner und -frauen aus der eigen Jugend.

Ein eindrucksvoller Beleg für die These, dass Ehrenamt etwas sehr Lokales und damit ein wichtiges Stück Heimat ist. Ein gutes Gefühl eben.

(bp)
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