Alpen Wilde alte Wiever und närrische Blagen

Alpen · In Menzelen rissen die Möhnen mit einem Tag Verspätung die Macht an sich - in Sonsbeck waren die Kinder los.

 Herrlich hübsch-hässlich: Die Möhnen in Menzelen hatten gestern alles fest im Griff. Es wurde gesungen, gelacht und geschunkelt.

Herrlich hübsch-hässlich: Die Möhnen in Menzelen hatten gestern alles fest im Griff. Es wurde gesungen, gelacht und geschunkelt.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Die Möhnen haben netzwerkartig ihre Machtzentren ausgebaut. Während sie in Rheinberg Alpen und Xanten traditionell am Altweiber-Donnerstag die Rathäuser eroberten haben, waren gestern die Randgebiete Ziel ihrer Begierde. So auch Menzelen-Ost, das im Handumdrehen von den "jecken Wievern" eingenommen wurde. Akribisch hatten die Möhnen die Machtübernahme an zwei Standorten vorbereitet. Die örtlichen Geldinstitute hatten sie für ihren Überfall im Visier.

In Scharen stärken sie sich zunächst mit Kaffee und Kuchen in der Gaststätte "Zur deutschen Eiche", stimmen sich mit flotten Liedern ein, um dann mit geballter Frauenpower alles paletti zu machen. Angefeuert vom Obermöhnen-Dreigestirn Iris-Karmann-Engels, Annette Karmann und Marina Buchholz gibt es für die 115 feierwütigen Weiber bald kein Halten mehr. "Wir haben noch drei tolle Tage in der fünften Jahreszeit vor uns. Da müssen wird uns ranhalten", erklärt Möhne Angela. Atemlos durch Menzelen lautet das Motto für die jecken Wiever. Verkleidet mit Masken, Hüten, Kitteln, langen Kleidern und dicken Strümpfen macht mit Mut zur Hässlichkeit. "Unsere Schönheit tragen wir im Herzen. Das Beste ist bei uns die Gemeinschaft von Alt und Jung", erklärt Sonja Böhme, designierte Präsidentin der KVG Hand in Hand.

 Sonsbecker Kinder waren gestern bei ihrer Sitzung im Kastell außer Rand und Band. Eltern mussten draußen bleiben.

Sonsbecker Kinder waren gestern bei ihrer Sitzung im Kastell außer Rand und Band. Eltern mussten draußen bleiben.

Foto: Olaf Ostermann

Nach einem Männerwitze-Contest und einem Vortrag über Männerkrankheiten wie Gemüse-Intoleranz und Todesschnupfen - Frauen sind immun dagegen - schreiten die Möhnen zur Tat. Ab sofort ist nichts mehr sicher und schon gar nicht heilig. Die Möhnen nehmen Aufstellung. Unterstützt werden sie vom Musikverein, Tambourcorps, Feuerwehr und DRK sowie der Polizei. Die beiden Banken in Menzelen werden in null Komma nichts geentert.

Die Möhnen machen mit ihren Scheren reiche Beute, Schlipse sind ihre Trophäen. Sich zu wehren, ist völlig zwecklos, das wissen die Banker aus leidvoller Erfahrung.

Auch Prinz Ulf mit Gefolge erwartet den Zug der Möhnen. Er lässt sich in den Adlersaal führen. Dort steppt der Bär. Zwischen Adlersaal und Wynen wird über Stunden gependelt. "Ist doch klasse, wie wir Karneval feiern", sagt Möhne Angela. Klar, dass Narrenhochburgen wie Düsseldorf oder Köln bei ihr keine Schnitte haben.

Ortswechsel: Eltern mussten draußen bleiben bei der Kinderkarnevalssitzung im Sonsbecker Kastell. Die kleinen Jecken übernahmen das Narrenzepter. Mit kurzweilige Sketchen, schwungvollen Partytänzen und Mitsingliedern sorgten sie unter dem rustikalen Motto "Die große Bauernhofparty" für Stimmung. Seit 13 Jahren wird der bunte Nachmittag nicht nur für Kinder, sondern auch von Kindern gemacht. "Kinder wissen selbst am besten, was sie sehen und erleben wollen", sagt Gabriela Peters vom Organisationsteam: "Jeder darf sich aussuchen, was er auf der Bühne zeigen will. Viele üben ihre Nummer zu Hause ein, andere in der Ganztagsschule."

53 Akteure zwischen sechs und zwölf Jahren stehen auf der Bühne. Als alter Hase im Geschäft führte Kindermoderator Niklas Wolkow durchs Programm. Der Fünftklässler hat bereits in den Vorjahren mit Sketchen und Witzen für Lacher gesorgt. Auch als Verstärkung für Moderator Markus Janßen weiß Niklas, die närrische Meute anzuheizen. "Ich möchte von euch allen ein lautes 'SoLaHa Helau' hören", fordert der Junge nach jeder Nummer. Und schon tönt der anerkennende Schlachtruf (SoLaHa für Sonsbeck, Labbbeck, Hamb) ohrenbetäubend durch die Reihen.

Ganz vorn mit dabei: Maja Schumacher und Marjen Lackmann. Die beiden Zehnjährigen haben einen riesigen Spaß. "Es ist einfach toll hier. Man kennt viele Kinder, auch die auf der Bühne. Und es gibt keine Eltern, die einen nerven", sagt Maja verschmitzt. "Es ist cool, dass die Eltern draußen bleiben müssen", findet ihre Freundin Marjen: "Die Sketche sind total lustig."

Nicht zuletzt der Sketch "Das Examen" mit Professorin Tamara Schiriac (11), bei der Studentin Lina Bolz (10) nicht gerade glänzen kann. "Mein Kopf ist eine Wüste", klagt die nervöse Schülerin. "Normalerweise gibt es aber dort Oasen", entgegnet die Professorin trocken. Applaus für die Mädels.

Insgesamt 18 Nummern bringen die Narren-Kinder aufs Parkett. Jede ist ein voller Erfolg. Das ausgelassene Finale mit dem "Gummibären-Tanz" dürfen dann auch Eltern miterleben.

(RP)
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