Rheinberg: „Wie Phoenix aus der Asche“

Rheinberg: „Wie Phoenix aus der Asche“

Die Weihe der neuen Kirche vor 25 Jahren stand im Mittelpunkt der Gemeindewoche auf dem Rheinberger Annaberg. Doch die Menschen dort blicken in diesem Jahr noch auf eine Reihe weiterer Jahrestage zurück.

25 Jahre neue St.-Anna-Kirche – um dieses Jubiläum dreht sich die Gemeindewoche auf dem Rheinberger Annaberg, die morgen mit dem Gemeindefrühstück (ab 9 Uhr im Pfarrheim), mit der Festmesse (ab 10.30 Uhr in der St.-Anna-Kirche) und mit Text und Musik unter dem Gedanken „Auf mein Herz mit Freuden“ (19.30 Uhr in St.-Peter) endet.

Die Weihe des neuen Gotteshauses vor einem Viertel Jahrhundert ist freilich nicht der einzige Jahrestag, dessen die Annaberger gerade gedenken: Vor 375 Jahren wurde die erste Annakapelle zerstört (der Neubau entstand vor 234 Jahren); vor 175 Jahren wurde der Friedhof an der Annakapelle errichtet; und 40 Jahre sind seit der ersten Kirchweih am Annaberg vergangen – der Weihe der „Notkirche“, die das Werden der neuen Pfarre St.-Anna auch nach außen hin sichtbar abbildete.

Die Gemeinde entsteht

Das Entstehen dieser Gemeinde hatte Heinrich Gooßens schon vor einiger Zeit in einer Chronik beleuchtet. Es ist ein Augenzeugen-Bericht, formuliert und ins Bild gesetzt von einem der vielleicht letzten, die in Ehrenämtern maßgeblich Akzente setzten. In fünf Monaten hatte er dazu private Unterlagen gesichtet, geordnet, ausgewertet – mit professionell geschultem Auge: Als Foto-Drogist war für Heinrich Gooßens der Blick durch den Kamera-Sucher etwas Alltägliches. Das half ihm, wichtige Augenblicke über den Tag hinaus festzuhalten. In seiner Chronik der St. Anna Gemeinde, die sich auf den Äckern des Annabergs wie „Phönix aus der Asche“ erhob.

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Heinrich Gooßens erinnert an Jahrhunderte alte Zeugnisse erster Siedlungen ebenso wie an die tiefe Verwurzelung der Kirche: Die Annakapelle wird erstmals 1555 erwähnt. Detailliert beschreibt er nach diesem Kapitel den Aufbau des Stadtteiles nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Abschnitt, der entscheidend von Aufstieg und Fall des Textilwerkes Reichel geprägt war. Mit viel Hintergrundwissen schildert Gooßens die Aufbauleistung des „Chefs“, wie die Mitarbeiter Reichel nannten; er zeigt den Plan eines Textilwerkes mit einer langen Hochhauszeile, für die der später gesprengte graue Klotz an der Römerstraße nur ein Anfang sein sollte. Und den der „Mann auf der Straße“ schon früh als einen Grund für das Ende des Textilwerkes ansah, wo später die Soldaten der US-Armee zu Nachbarn der Menschen am Annaberg wurden.

„St. Bonanza“

Eng verwoben mit der wirtschaftlichen Entwicklung war das Gedeihen des Wohnbereiches: Die Eröffnung der St.-Anna-Schule, die Siedlung an der Annastraße, die Entwicklung der eigenen Pfarre – in der skeptische Alt-Rheinberger zunächst die „Rebellen vom Annaberg“ wähnten. Doch es ging zügig bergauf: Die Notkirche wurde gebaut, die mit ihrer warmen Atmosphäre bestachund von vielen auch augenzwinkernd „St. Bonanza“ genannt, weil sie mit dem Kindergarten mitten auf einen leeren Acker gesetzt wurde – quasi auf die Prärie am Annaberg.

(RP)
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