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Rheinberg: Wenn der Bauer die Gülle ausbringt . . .

Rheinberg : Wenn der Bauer die Gülle ausbringt . . .

Wird heute intensiver gedüngt als früher? Landwirte müssen sich mit Beschwerden von Anwohnern auseinandersetzen.

Er sei kein Feind der Landwirtschaft, versichert Werner K. (Name geändert). "Aber es fällt mir schwer die Abläufe nachzuvollziehen", so der Budberger. "Wenn ich sehe, welche hohen Auflagen Hauseigentümern gemacht werden. Gleichzeitig sehe ich beim Blick aus meinem Fenster einen Lohnunternehmer, der in kurzer Zeit 50 Kubikmeter Gülle auf dem Acker ausbringt — so viel, dass sie gar nicht in den Boden eindringen kann. Da frage ich mich: Passt das zusammen?"

Gerrit Korte, Bezirks- und Kreisgeschäftsführer der Kreisbauernschaft Wesel, hat Verständnis für solche Bedenken, sagt aber: "Es gibt eine Düngeverordnung, an die sich die Landwirte zu halten haben." Die besagt zum Beispiel, dass Dünger — etwa Gülle — ab dem 1. Februar bis zum Herbst pflanzenbedarfsgerecht ausgebracht werden darf. Galt früher die zulässige Höchstgrenze von 90 Milligramm Nitrat-Belastung pro Liter Grundwasser, so sei diese inzwischen auf 50 Milligramm pro Liter herabgesetzt worden. Lagen die durchschnittlichen Nitratwerte einst mitunter bei 120 Milligramm pro Liter, so pegelten sie sich um den Grenzwert ein. Korte: "In Wasserschutzgebieten liegen sie sogar erheblich darunter."

Tatsächlich könne es sein, dass die Gülle bei ungewöhnlicher Trockenheit wie in den vergangenen Wochen nicht in den Boden eindringt. "Das passiert erst dann, wenn es regnet", so der Geschäftsführer. Abstandsgrenzen etwa zu angrenzenden Wohnhäusern müssten die Landwirte nicht einhalten.

Stephan Hufer ist Landwirt und düngt auch seine Äcker. Er führt in Bönninghardt einen landwirtschaftlichen Betrieb. "Ohne Dünger wächst nicht viel, deswegen müssen auch Biobauern düngen", erklärt er. Die Zeiten, in denen gedüngt werden dürfe, regele die Düngeverordnung. Hufer: "Jetzt macht es Sinn zu düngen, weil jetzt die steigenden Temperaturen und die Feuchtigkeit im Boden optimale Bedingungen für das Wachstum der Pflanzen bieten." Deshalb müsse der Boden mit Nährstoffen angereichert werden. Beschwerden von Anwohnern — beispielsweise wegen der zeitweiligen Geruchsbelästigung — erlebe er selten. "Die Menschen akzeptieren das in der Regel. Ihnen sind die Zusammenhänge in der Landwirtschaft gut bekannt", so der Bönninghardter, der auch Vorsitzender der Ortsbauernschaft Bönninghardt ist und vor wenigen Tagen in den geschäftsführenden Vorstand der Kreisbauernschaft Wesel gewählt wurde. "Wir Landwirte legen Wert darauf, dass der Dünger schnell in den Boden eingearbeitet wird." In den meisten Fällen geschehe das noch am gleichen Tag.

Kein Landwirt könne düngen wie er wolle, unterstreicht Hufer: "Wir müssen eine Bilanz darüber erstellen, was ausgebracht worden ist." Zudem sind stichpunktartige Kontrollen möglich.

(RP)