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Weihnachten 2020 in Alpen: Heiligabend unter besonderen Vorzeichen

Weihnachtsgottesdienst in Alpen : Heiligabend unter besonderem Stern

In Alpen wurde Heiligabend Gottesdienst gefeiert und dann „Stille Nacht“ gesungen.

„Was für eine heilige Nacht? Seit Jahrhunderten zum ersten Mal nicht in der warmen Kirche mit all dem Vertrauten und Geborgenen“, sagte Pfarrer Hartmut Becks während des Gottesdienstes, den so schnell keiner der Anwesenden vergessen wird. Um ein Ansteckungsrisiko nahezu auszuschließen, waren nur 70 Besucher zugelassen. Die Abstände wurden noch einmal deutlich vergrößert, Mundschutz während der gesamten Veranstaltung war Pflicht, und aufs Singen wurde verzichtet. Eine Absage kam für Becks und das Presbyterium nicht infrage: „Wir können als Kirche nicht schweigen. Das würde die Katastrophenstimmung nur weiter erhöhen.“

 Becks zog Parallelen zur Geburt Jesu: „Könnte es sein, dass wir ausgerechnet am Heiligen Abend der Krippe näher sind denn je? In all der Verworrenheit, dem Ausgeliefertsein und der Unverfügbarkeit unserer Existenz? Maria und Josef hätten sicher auch lieber etwas Anderes erlebt in dieser Nacht. Aber auch sie mussten sich der Realität stellen und im Rahmen der Anordnungen des Staates ihren Ausweg finden.“

Der Pfarrer warnte vor Streitereien über das richtige Vorgehen in der Pandemie. Die Debatten seien moralisch aufgeladen. „Es ist lächerlich, sich kleingeistig an den Kragen zu gehen, wo wir doch alle in Wahrheit vor einem viel größeren Thema stehen: dem Klimawandel. Das ist die Krippe, über die wir heute Nacht reden und vor der wir stehen.“ Die Trauer, das Abschlusslied „Oh du fröhliche“ nur leise mitsummen zu dürfen, war allen anzusehen.

Um 21 Uhr, als die Glocken der evangelischen und katholischen Kirchen läuteten, kam Weihnachtsstimmung auf. Auf Straßen und Balkonen, in Parks und Gärten stimmten Menschen den Klassiker „Stille Nacht“ an. „Wunderschön, die Berkastraße in Ossenberg singt mit. Mir ist ganz warm ums Herz“, freute sich Carsten Kämmerer. Es war vor allem die Vielfalt, mit der die Menschen ihre Sehnsucht nach einem gemeinschaftlichen Weihnachtserlebnis Ausdruck verliehen. Menschen öffneten ihre Fenster, bliesen Trompete auf dem Balkon oder spielten Gitarre auf dem Bürgersteig, Nachbarschaften verwandelten sich auf Abstand in vielstimmige Chöre. Viele dachten: Das machen wir nächstes Jahr wieder.