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Rheinberg: "Wandfarbe ist kein Gift!"

Rheinberg : "Wandfarbe ist kein Gift!"

Das Schadstoffmobil der Firma Schönmackers Umweltdienste hat Station in Rheinberg gemacht. Nicht nur Lacke und Batterien, auch Medikamente und Haushaltsreiniger werden angenommen. Viel Aufklärungsbedarf.

Langsam muss Gefahrengutfahrer Klaus Bosheck nach Platz suchen. Allein an dem Standort Grundschule Grote Gert haben bisher schon über 30 Leute ihre Sonderabfälle zur mobilen Schadstoffsammelstelle der Firma Schönmackers Umweltdienste gebracht. "Das Schadstoffmobil wird in Rheinberg besonders gut angenommen", sagt auch Veronika Rönnau, die chemische Assistentin im Fahrzeug, "manchmal sind wir da ganz schön gefordert."

Viel Aufklärungsbedarf

Schließlich nehmen die Fachleute den Sondermüll nicht einfach nur an. Oft ist auch Aufklärungsarbeit gefragt. Vor allem wenn wieder einmal jemand mit Wandfarbe zum Schadstoffmobil kommt. "Jeder zweite kommt mit Farbresten zu uns. Aber Wandfarbe ist kein Gift", erklärt Bosheck, "man kann die eingetrocknete Farbe einfach in den Hausmüll und den Eimer in den gelben Sack entsorgen." Außer natürlich, wenn die Farbe Giftstoffe enthält oder stark brennbar ist. "Man muss die Symbole auf den Behältern beachten. Ein Totenkopf oder eine Flamme bedeuten die Abfälle müssen zu uns", macht die Chemikerin deutlich, "einfache Wandfarbe ist aber ungefährlich." Doch wieder jemand mit Farbresten. Elisabeth Grotepass ist erst kürzlich nach Rheinberg gezogen. Nun ist ihr Wagen voll mit Überbleibseln der Renovierung.

Daneben bringt sie alte Weihnachtsketten, die den Geist aufgegeben haben, Batterien und Medikamente mit. Wieder gibt es Klärungsbedarf: "Medikamente dürfen seit letztem Jahr ebenfalls in den Hausmüll", bemerkt Rönnau, "man sollte sie nur im restlichen Müll untermischen oder gut verpacken, damit Kinder, die mal eine Tonne aufmachen, die Medikamente nicht zum Spielen nehmen." Zurücknehmen muss die junge Frau ihre Farbeimer dennoch nicht, weshalb es langsam eng im Container wird. "Ich bin nur froh, dass wir Ferien haben", sagt Bosheck schmunzelnd. Zum Glück wollen die meisten Leute kleinere Sachen abgeben. Hauptsächlich leere Batterien, alte Leuchtstoffröhren, Fieberthermometer, aggressive Haushaltsreiniger oder Pestizide. Doch auch Reste eines Chemiebaukastens und sogar ein Konservierungsmittel aus den 50er Jahren ist diesmal dabei.

Nicht die ungewöhnlichsten Fälle: "Einmal hat uns jemand einen Jutesack voll Stall-Entgasungsmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gebracht, auf dem sogar ein Hakenkreuz aufgezeichnet war", so die Chemikerin, "ein anderes Mal brachte ein Mann eine Granate mit, und zwar auf dem Fahrrad." Eine brenzlige Situation: "Wir haben dann mal das Kampfmittelräumungskommando gerufen", ergänzt Rönnau, "manchmal fragt man sich wirklich, woher die Leute die Sachen herholen. Oft sind es uralte Dinge."

Alte Tintenpatronen

Heidi Bartsch kann sich vorstellen, warum. Die kaputte Kaffeemaschine und die alten Tintenpatronen der Millingerin wurden ebenfalls über Monate gelagert. "Man wirft solche Sachen ja nicht irgendwohin, weiß aber oft auch nicht, wo man sie abgeben kann", erklärt sie, "oder man denkt überhaupt erst gar nicht daran, wenn die Dinge im Keller oder auf dem Dachboden einmal außer Sichtweite sind."

(beaw)