Alpen: Vom schönen Leben ohne Geld

Alpen: Vom schönen Leben ohne Geld

Heidemarie Schwermer, Autorin des Buches „Das Sterntaler-Experiment“, berichtete in Alpen von ihrem freiwilligen Verzicht auf Geld. Irgendwann, so prophezeite sie, würden alle Menschen so leben.

Sie hat begonnen, die Adventszeit. Doch anstatt wie jedes Jahr den Adventsbasar zu gestalten, hat sich die Evangelische Kirchengemeinde Alpen dazu entschlossen den „etwas anderen Advent“ einzuläuten. Der Basar wurde abgeschafft, dafür der Gedanke des Advents und die Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft in den Vordergrund gestellt. Das Pfarrer-Ehepaar Becks lud die Autorin des Buches „Das Sterntaler-Experiment – mein Leben ohne Geld“, Heidemarie Schwermer, ins Gemeindehaus ein. Doch das Wichtigste an diesem Tag war eine Tauschbörse. Viele brachten Sachen mit, um diese zu tauschen. Heidemarie Schwermer nennt dies das „Gib-und-nimm-Spiel“.

Die 66-Jährige strahlt eine innere Zufriedenheit aus. Ist sie eine mutige Visionärin oder ist sie eine clevere Schnorrerin mit Hang zur Selbstdarstellung? Wie ist es überhaupt möglich ohne Geld zu leben? Diese und viele andere Fragen gingen den interessierten Zuhörern von Heidemarie Schwermer durch den Kopf.

Aus sich heraus handeln

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Ursprünglich war ihr Experiment auf ein Jahr begrenzt, dass daraus eine neue Lebensform geworden ist, hätte sie nicht für möglich gehalten. „Wir sind so, weil uns das heutige System so werden lässt. Wir können uns alles kaufen was wir brauchen und wollen, doch wir brauchen viel weniger als uns bewusst ist“, sagte Schwermer. Es gehe um ein gesellschaftliches Umdenken. Über die Phase des Tauschhandels ist sie schon hinaus, jetzt geht es um die Gemeinschaft und das Teilen. Dabei geht es nicht darum, den Menschen eine Philosophie über zu stülpen, sondern sie anzuregen in sich zu gehen und aus sich selbst heraus zu handeln.

Einige kritische Stimmen verglichen die Gedanken von Heidemarie Schwermer mit dem Kommunismus, der ja schließlich gescheitert wäre. Doch die Autorin verwies darauf, das etwas entscheidendes im Kommunismus gefehlt hätte: Gott! „Jeder Mensch hat eine Aufgabe im Leben, die er zu erfüllen hat. Jeder muss sich fragen: Wer bin ich, wo ist mein Platz. Dazu muss man sich mit sich selber auseinander setzen.“ „Glauben Sie wirklich, dass diese Philosophie umsetzbar ist?“ fragte eine Zuhörerin. Ohne Zögern antwortete Schwermer: „Ja, das ist unsere Zukunft. Irgendwann werden wir alle ohne Geld leben, weil wir es gar nicht wirklich brauchen und weil es nur stört.“

(RP)
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