Veert: Thomas Baumgärtel ist wieder in der Heimat.

Ausstellung: Bananen-Kunst kommt heim

Für die Ausstellung „Back to the Banana Roots“ kehrt Künstler Thomas Baumgärtel in seine Heimat zurück. Dabei zeigt der Rheinberger einen Überblick seines Schaffens und die Anfänge seiner Bananen-Kunst.

Für einen Monat ist es Schwarz-Gelb in der Galerie PR8 an der Schulstraße in Veert, denn seit 29. Juni bis zum 29. Juli stellt Bananensprayer Thomas Baumgärtel seine vielseitigen Symbolfrüchte aus. Ob nun verspiegelt oder in zahlreichen popkulturellen Verfremdungen, die Ausstellung zeigt alle Stationen seines Schaffens.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Baumgärtel sich 1986 ganz auf dieses Obst fokussiert hat? „Während meines Zivildiensts war ich in einem katholischen Krankenhaus“, erinnerte sich der Künstler, als er bereits vorab einmal durch die im Aufbau befindliche Ausstellung führte. „Über jedem Krankenbett hing ein Kreuz mit Jesus dran. Eines war heruntergefallen und der Jesus abgegangen. Da hatte ich die ganz spontane Idee, meine Frühstücksbanane ans Kreuz zu hängen. Dort hängt sie heute noch“, meinte er und zeigte auf die verschrumpelten Überreste der Schale, die in einem hinteren Winkel der Galerie am Kreuz hängen.

Thomas BaumgŠrtel Back to the Banana Roots Foto: Evers, Gottfried (eve)

Thomas Baumgärtel entwickelte, inspiriert von „Banksy“, Harald Naegeli und anderen Street-Art-Pionieren, eine Spray-Vorlage, um so an den verschiedensten Orten seine Banane zu hinterlassen. Mal als ironische Bemerkung und Hinweis auf seine Anwesenheit, andere Male als Wertschätzung für Galerien. Seine erste Spray-Schablone kann man ebenfalls in der Ausstellung bewundern.

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Wo hat der in Rheinberg aufgewachsene Künstler eigentlich seine am weitesten entfernte, schwarz-gelbe Visitenkarte hinterlassen? „Das kann man ja nicht nur in Entfernung messen, denn am weitesten weg von der Welt, die ich kannte, war ich 1995 in Moskau. Das war die aufregendste Banane in meinem Leben. Ich werde im Nachhinein noch ganz nervös, wenn ich darüber nachdenke, wie man im Moskau mit Leuten wie etwa ‚Pussy Riot‘ umgegangen ist. Hätte ich das damals realisiert, hätte ich meine Banane vielleicht nicht an einer Plattform direkt am Roten Platz gesprayt.“ Die Frucht kann man dort nicht mehr sehen. „Sie wurde entfernt, da dort wenig später ein historischer Film gedreht wurde und man deshalb die ganzen Graffiti entfernt hat.“

Nachdem Thomas Baumgärtel die ersten fünf Jahre seines Schaffens anonym agiert hatte, wurde er immer bekannter. Seine Bananen-Kunst kann man überall in Deutschland, Europa und auch in New York finden. Zuletzt hatte er eine Kontroverse ausgelöst, als er ein Bild des türkischen Politikers Erdogan malte und ihm seine schwarz-gelbe Visitenkarte in den Allerwertesten steckte. „Ich war ganz überrascht, dass deswegen  Proteste entstanden“, erklärte Baumgärtel, der Kunst und Psychologie in Köln studiert hat. Dank der Ausstellung, „Thomas Baumgärtel – Back to the Banana Roots“ kann nun jeder Kunst-Freund einmal selber die Welt von Baumgärtels Lieblingsfrucht erforschen. Bei eingehender Betrachtung verliert dabei das Obst immer mehr seine ursprüngliche Bedeutung und kann durch den forschenden Blick des Zuschauers erneut mit Sinn und Werten gefüllt werden. Eine auf abgerissenen Plakatwänden gemalte Brücken-Landschaft, bei der leicht eine Banane durch den abgerissenen Hintergrund zu sehen ist, erwartet den Kunstfreund genauso wie eine neue Ära von Baumgärtels Lieblingsobst.

Thomas Baumgärtel Back to the Banana Roots Foto: Evers, Gottfried (eve)

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