Veener Dialog geht weiter: Nachdenken über die Perspektiven des Dorfes

Leben auf dem Lande am Niederrhein : Veen bittet zum Dorfgespräch, Teil II

Die Neuauflage des Netzwerktreffens für bekennende Dörfler steigt am 7. November. Illustre Gäste versprechen einen unterhaltsamen Abend.

Den Auftakt hat im vorigen Jahr „Dorfpapst“ Gerhard Henken von der Uni Essen gemacht. Zur Neuauflage der Veener Dorfgespräche kommt am Donnerstag, 7. November, der Bischof von Xanten. Rolf Lohmann war von der Idee, in einen breit angelegten Dialog über Zukunftschancen des Dorfes zu treten und ein Netzwerk zu knüpfen, angetan. Obwohl er an der Premiere nicht teilnehmen konnte, hat er den Initiatoren gratuliert. Die wiederum haben den Kirchenmann gleich zu den Dorfgesprächen, Teil II, eingeladen. Und der Weihbischof hat zugesagt. Er wird auf dem Podium, das mit den Stichworten „Kirche, Camping, Festival“ überschrieben ist, Rede und Antwort stehen. Das Netz der Dörfler wird größer.

Der Auftakt hat gezeigt, dass das Veener Trio Sascha van Beek, Irmgard Höpfner und Ortsvorsteher Michael van Beek mit der Idee, am dörflich geprägten Niederrhein über die Perspektiven des ländlichen Raums ins Gespräch zu kommen, einen Nerv getroffen hatte. Rund 250 Leute aus der Region – vom Westfalenland rechts des Rheins bis an die niederländische Grenze im Klever Land – füllten den Saal des Spargelhofes Schippers. Den meisten hat’s gefallen, auch wenn das Impulsreferat des „Dorfpapstes“ mehr Informations- als Unterhaltungswert hatte.

Es haben sich bereits zahlreiche Gäste für den 7. November angemeldet. Die PR-Maschinerie in den sozialen Medien läuft auf Touren. Das „Krähendorf“ Veen, 1800 Einwohner stark, ist längst im digitalen Zeitalter angekommen. Dorf 2.0. Doch Ortsvorsteher Michael van Beek behält Bodenhaftung: „Wenn 200 Leute kommen, sind wir zufrieden.“ Das Programm hat Potenzial für weit größeres Interesse. Die Neuauflage setzt vom Ansatz her deutlich weniger akademisch an. Es soll lockerer zugehen, dennoch nicht unernst. Ein Doppel macht den Aufschlag. Blogger Tim Hartmann und Mario Hecker, Bürgermeister von Kalletal in Ostwestfalen-Lippe, spielen sich als Apologeten des Dörflichen die Bälle zu. Sie präsentieren Tausend Gründe, die dafür sprechen, die Kirche im Dorf zu lassen. Flotter Arbeitstitel „Dorf statt Stadt“.

Irmgard Höpfner, wie ihre beiden Mitstreiter für die CDU im Rat, erläutert den Ansatz: „Die Zeit der Tränen über die Verluste im Dorf wollen wir hinter uns lassen“, sagt sie. Es gehe beim Blick nach vorne um die Frage, was aktiv getan werden kann, damit Dörfer lebendig bleiben. Da sei jeder gefordert. „Wenn wir’s nicht selbst machen, macht’s keiner“, so Höpfner, unter anderem Vorsitzende des Akkordeonorchesters Veen. Sie lebt Ehrenamt. Unverzichtbar.

Das Podium versteht sich als Ideenbörse, wie Dörfer aus dem Dornröschenschlaf aufbrechen, neue Identitäten entwickeln können. Kalletal, ein kommunaler Zusammenschluss unterschiedlicher Dörfer, sei schon ein gutes Stück vorangekommen auf dem Weg, Dorf neu zu denken, so die Veener. Dafür sitzt auch Birgit Ingenlath auf dem Podium, die Labbeck mit ihrem Campingplatz Kerstgenshof ganz neue Impulse verliehen habe.

Spannende Erfahrungen kann sicher auch Bernd Dicks beisteuern, Erfinder des Festivals Parookaville in Weeze, das Jahr für Jahr Tausende Freaks aufs Land lockt, wo dann bei Elektro-Musik alle dörflichen Grenzen gesprengt werden. Selbst heiraten kann man in der tanzenden Community. „Hier stellt sich doch die Frage, warum hat Parookaville so großen Zulauf, während sich Kirche ungemein schwerer tut?“ Die Frage geht an Bischof Lohmann.