Unsere Woche: Niag und Hafen-Anwohner müssen im Gespräch bleiben

Unsere Woche : Niag und Hafen-Anwohner müssen im Gespräch bleiben

Niag als Betreiberin des Orsoyer Kohlehafens und die in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossenen Anwohner nähern sich an und bauen Vertrauen auf.

Vertrauen ist ein zartes Pflänzchen. Für viele Orsoyer war es im vergangenen Jahr schon fast verdörrt. Zumindest empfanden das jene so, die in der Nähe des Niag-Hafens wohnen. Sie hatten den Papp auf, ärgerten sich über den Kohlestaub, der alles bedeckte: Fenster, Häuserwände, Autos, Gartenmöbel, alles. Der Sommer 2018 war extrem heiß und trocken und der Kohlestaub breitete sich überall aus.

Als Reaktion auf die Verärgerung schlossen sich die Betroffenen zu einer Interessengemeinschaft zusammen und traten an die Niag als Hafen-Betreiberin heran. Sie wollten, dass sich etwas ändert, wollten entschädigt werden und verlangten mehr Transparenz. Die Niag wiegelte anfangs ab und versteckte sich hinter Anwälten und technisch-bürokratischen Argumenten. Die Stimmung war im Keller.

Das ist Vergangenheit. Jetzt, ein Jahr später, ist zwar längst nicht alles eitel Sonnenschein zwischen Kaimauer und Hafendamm. Aber man ist auf einem guten Weg. Man tauscht sich aus, ist im Gespräch. Alle zwei, drei Monate setzen sich Interessengemeinschaft, Niag, Stadt und Kreis zusammen und besprechen und fragen das, was zu besprechen und zu fragen ist.

Die Niag hat selbstkritisch erkannt, dass ihr Auftreten arrogant und überzogen war. Das Unternehmen lässt sich jetzt von einer Medienagentur beraten. Und die Niag hat bereits gehandelt. Zusätzliche stationäre Beregnungsanlagen sind im Hafen installiert worden, ein Tankfahrzeug wurde in Betrieb genommen, ein neuer Brunnen ist beantragt. Und ein Ombudsmann als Vermittler ist eingesetzt. Das ist ein guter Anfang, der von gutem Willen zeugt. Aber die Anwohner sagen ganz deutlich: Das reicht uns noch nicht. Denn es gibt andere Themen. So kommen immer wieder mal Gerüchte auf, der für Schüttgüter ausgelegte Hafen solle in einen Container-Hafen umgewandelt werden, was Niag-Chef Peter Giesen entschieden zurückweist. Zum Glück: Container-Betrieb würde im kleinen Orsoy deutlich mehr Lkw-Verkehr bedeuten und das Städtchen vermutlich lahmlegen. Auch das Gespenst „Hafenerweiterung“, das bei der Vorstellung des Regionalplan-Entwurfs aus der Flasche geströmt war, schwirrt nach wie vor in den Köpfen herum und beschäftigt die Orsoyer.

So gibt es noch viel zu tun. Wichtig ist, dass die Beteiligten im Gespräch bleiben. Das Beispiel der Bürgerinitiative Niag-Bahnlinie hat gezeigt, dass ein sachlicher, konstruktiver Umgang miteinander zum Erfolg führen kann. Durch Kompromissbereitschaft war es möglich, die Lebensbedingungen an der Güterbahnlinie erträglicher zu gestalten, weil Bahnübergänge modernisiert werden.

In diesem Sinne: ein hoffentlich nicht ganz so heißes Wochenende!

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