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Umweltausschuss in Rheinberg: Niag-Busflotte fährt weiterhin mit Diesel

Umweltausschuss in Rheinberg : Niag-Busflotte fährt weiterhin mit Diesel

Peter Giesen, Chef der Verkehrsbetriebe, weiß noch nicht, wie die Busflotte modernisiert werden soll. „Wir brauchen einen Auftrag und Finanzierungssicherheit“, sagte er im Rheinberger Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt.

Wir wissen, dass sich etwas ändern muss, wir wollen auch etwas ändern – wir wissen nur noch nicht was und wie und wann und wir tragen auch keine Schuld daran, dass die Dinge so sind wie sie sind: So etwa lässt sich zusammenfassen, was Niag-Chef Peter Giesen im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt ausführte. Giesen und sein Kollege Stephan Kreth waren nach Rheinberg gekommen, um darüber zu berichten, wie die Verkehrsbetriebe ihre Busflotte modernisieren könnte. „Antriebstechniken im Wandel – Herausforderungen für den ÖPNV“ war das Referat überschrieben.

„Ein sehr komplexes Thema“ , beschrieb Giesen. Es lasse sich nicht auf die Formel verkürzen: Elektromotor mit Batterie einbauen – moderner, umweltfreundlicher Bus fertig. „So einfach ist das nicht“, konstatierte der Vorstand. Ob Mietwagenanbieter wie Uber, selbstfahrende Google-Autos, Carsharing oder Elektroautos – das Geschäft mit der Mobilität sei eine zunehmende Herausforderung. Giesen: „Auch aus politischen und rechtlichen Forderungen heraus gibt es neue Anforderungen. Außerdem muss man die Rahmenbedingungen für den ÖPNV sehen.“

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Ob Hybridantriebe, Gas, Wasser- oder Brennstoff – er könne nicht sagen, ob und was davon für die Busflotte infrage komme. Denn: „Alle diese Antriebe haben keine Praxistauglichkeit. Unsere Busse müssen einsatzbereit sein. Mit solchen Antrieben müssten wir deutlich mehr Einsatzfahrzeuge haben, die einsatzbereit sind.“ Zu bedenken sei auch der Streckenverlauf im ländlichen Bereich. Die Niag-Busse legten pro Tag etwa 280 Kilometer zurück, folglich seien für einen Umlauf drei Busse mit modernem Antrieb nötig.

Giesen verwies darauf, dass die Niag die Vorgaben erfülle, die im Nahverkehrsplan des Kreises Wesel verlangt werden. „Ich will hier nicht rumjammern“, versicherte er. „Wir müssen und wollen uns den Herausforderungen stellen. Wir stehen dem Umstellungsprozess offen gegenüber. Aber das alles muss bezahlt werden. Wir brauchen einen Auftrag und Finanzierungssicherheit.“ Ein Elektrobus koste so viel wie zwei herkömmliche Busse. Und dabei bleibe es nicht, weil die Umstellung der Antriebe auch Auswirkungen auf Tankstellennetz, Flottenmanagement und Werkstätten habe. Die Politik kommentierte das Gehörte überwiegend kritisch. Karin Winkel (SPD) zeigte ins Ruhrgebiet, wo seit Dienstag zwischen Bottrop und Oberhausen Elektrobusse pendelten: „Da könnten Sie doch mal nachfragen.“ Erich Weisser (CDU) empfahl mehr Tempo bei der Umrüstung der Dieselbusse von Euro-Norm 3 auf 6. Peter Tullius (SPD) meinte, die Niag solle sich mehr mit Hybrid-Fahrzeugen befassen. Und Ralf Winstroth (Grüne) beklage, dass die Niag auf ihrer Internetseite nichts über ihre Flotte verrate. Rainer Mull (FDP) hält Wasserstoff für sinnvoller als Elektrotechnik. Und Josef Devers (CDU) wollte Zahlen und Fakten sehen: Was kann die Niag in den nächsten drei Jahren konkret tun? Was kostet überhaupt eine Umstellung? Grundsätzlich, so unterstrich er, mache die Niag aber einen guten Job.

Niag-Mann Stephan Kreth erläuterte, dass bei einem Durchschnittsalter der Dieselbusse von zwölf Jahren der Punkt erreicht sei, an dem eine Neuanschaffung günstiger sei als Geld in Reparaturen zu stecken. Wenn ein Bus in Rente geschickt werde, habe er in aller Regel zwischen 850.000 und einer Million Kilometer auf dem Tacho.