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Trendsport in Alpen: SPD-Politiker trainiert mit Schwarzen Fliegen

Trendsport in Alpen : Ein Roter spielt mit Schwarzen Fliegen

SPD-Politiker René Schneider hat auf seiner Sommertour versucht, „Boden gut zu machen“. Beim „Ultimate Frisbee“ ist er im Kampf mit den „Schwarzen Fliegen“ und der fliegenden Scheibe mächtig ins Schwitzen gekommen.

Im Rahmen seiner alljährlichen Sommertour wartete auf René Schneider diesmal eine äußerst schweißtreibende Aufgabe. Der SPD-Landtagsabgeordnete hatte mit vier seiner Mitarbeiter das Alpener Frisbee-Team „Black Flies Niederrhein“ zu einem Match herausgefordert. Ziemlich mutig.

Dass die schwarzen Fliegen auf eigenem Platz die Jagd nach der fliegenden Scheibe – als einer von nur wenigen Vereinen im Land – organisiert und nach festgelegten Regeln im harten Liga-Betrieb betreiben, ist Schneider durchaus bekannt: „Ein Neffe meiner Frau und einige Verwandte und Freunde spielen dort mit. Auf diese Weise ist auch der Kontakt zustande gekommen.“

Auf der Sportanlage des BSV Bönninghardt erklärt Henrik Baumgärtner zunächst die grundsätzlichen Regeln: „Das Spielfeld ist 90 Meter lang und 37 Meter breit. An beiden Längsseiten gibt es so genannte Endzonen. Bis dahin müssen die Spieler die Scheibe bringen. Wenn sie dort von einem Mitspieler gefangen wird, gibt es einen Punkt.“ So weit so gut.

Nicht besonders schwer also, wäre da nicht der Haken, dass sich ein Spieler im Besitz der Frisbee-Scheibe bis auf einen leichten Ausfallschritt nicht von der Stelle bewegen darf. Beim Spiel fünf gegen fünf geht es also um geschicktes Stellungsspiel, taktische Finesse und – ähnlich wie beim American Football – darum, möglichst viel Boden gut zu machen. „Boden gut machen, wollen wir in der Politik auch. Das passt gut“, findet René Schneider.

Er ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie laufintensiv diese Sportart ist. Entscheidend ist auf dem Platz. „Man muss sich ständig frei laufen und bei gegnerischen Angriffen die Laufwege mitgehen. Der Handler, ein erfahrener Spieler mit guter Übersicht, verteilt die Scheiben. Zwei Receiver oder Cutter rennen in den freien Raum und nehmen sie an. Ultimate Frisbee erfordert also eine sehr gute Kondition“, erläutert Maren Bald.

„Ultimate Frisbee“ besteht aus ständigen Stopps und anschließenden Vollgas-Sprints. Denn es gilt die Regel, die man aus der modernen Fußball-Taktik kennt: Jeder muss mit verteidigen. Das belastet Gelenke und Bänder. Ein umfangreiches Aufwärmprogramm ist daher unabdingbar. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Spiel durchstehe“, sagt Schneider nach dem ausgedehnten Warm-Up, schwer atmend.

Das oberste Gebot bei diesem trendigen Sport lautet Fairness. Schiedsrichter werden nicht benötigt. Fouls oder gar Grätschen kommen nicht vor. Strittige Entscheidungen werden sofort auf dem Feld ausdiskutiert. Der Fairness-Gedanke treibt dabei Blüten, die im oft rauen Alltag manch anderer Mannschaftssportart undenkbar wären – ja Slapstick-Potenzial hätten. „Wenn der Gegner einen besonders tollen Spielzug hingelegt hat, applaudieren wir und klatschen uns gegenseitig ab“, sagt Marius Borgmann.

Passend dazu gibt es in jeder Mannschaft neben dem „Teamcaptain“ einen „Spiritcaptain“. Maren Bald erklärt die Ämter: „Nach 90 Minuten geben sich die Teams gegenseitig ein Feedback. Aufgabe des Spiritcaptain ist es, dem Gegner zu sagen, was richtig gut war und was eher nicht.“

Trotz aller Fairness, Beifallsbekundungen für den Gegner und einvernehmlicher Regelauslegung verweist Maren Bald auf den durchaus vorhandenen Wettbewerbscharakter: „Das ist kein Heiteitei-Sport. Jeder, der auf dem Platz steht, möchte auch gewinnen.“ Das muss auch das Team von René Schneider erfahren. Die nicht ganz ernst gemeinte Einschätzung des Politikers vor dem ungleichen Wettkampf – „Übung brauchen wir nicht, wir sind Naturtalente“ – sollte sich rasch als Trugschluss herausstellen. Ultimativ.