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Alpen: Totenzettel erzählen Dorf-Geschichte(n)

Alpen : Totenzettel erzählen Dorf-Geschichte(n)

Förderverein "Unsere Veener Geschichte" hat drei Ordner mit Totenzetteln angelegt - eine wertvolle Quelle.

Die Bestattungskultur ist im Wandel. Auch am Niederrhein, auch auf dem Lande, wo Tradition etwas gilt und gepflegt wird. Das gilt nicht nur für die Art des Begräbnisses, bei denen Urnen dem Sarg allmählich den Rang ablaufen. Ablesbar werden die Veränderungen auch in den Totenzetteln. Das macht jetzt ein neues, hoch interessantes Angebot im Haus der Veener Geschichte deutlich. Der Förderverein hat drei Ordner mit Totenzetteln von Veener Familien zusammengestellt, die die Entwicklung bis heute säuberlich dokumentieren - eine durchaus spannende und vor allem lohnende Lektüre, bei der man viel über die Menschen und das Leben im Dorf erfährt.

Der Anstoß kam von Dieter Buchheim. Er übergab dem Förderverein Haus der Geschichte eine Kiste, in der von der Familie mehr als 300 Totenzettel aufbewahrt worden waren. Von Mitte des 19. Jahrhunderts - das älteste Exemplar ist von 1830 - bis in die Jetztzeit. Die hatten seine Mutter und zuvor seine Oma gesammelt, und er wollte sie nicht einfach entsorgen. Ein guter Gedanke.

Alpen: Totenzettel erzählen Dorf-Geschichte(n)
Foto: ARFI
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Das hat Willi Brammen (64) ganz schnell festgestellt. Er hat sich der mühevollen Aufgabe angenommen, Ordnung in die große Sammlung zu bringen, die zwischenzeitlich auf 600 Totenzettel angewachsen war. Ein fast unerschöpflicher Fundus und ein Puzzle, das sich im Laufe der Zeit immer mehr zum Bild fügte, wie Brammen erzählt. Zunächst sei das Alphabet das einzige Ordnungskriterium gewesen, bald kamen Familienbande zum Vorschein, und die Beziehungen im Dorf wurden dem 64-Jährigen immer klarer. Als Zugezogener hat er sich so seine zweite Heimat ein gutes Stück erschlossen. Und er hat Veener Familien -und Hofgeschichten vor dem Vergessen bewahrt. "Man erfährt beim Blättern in den Ordnern auch, welche Veener im II. Weltkrieg gefallen sind", sagt Willi Jansen.

Schließlich haben die Totenzettel viel über die Verstorbenen erzählt. Früher jedenfalls. Auf zwei kleinen Seiten finden sich ganze Porträts, die in der Regel der Pastor verfasst hat - "mit zwei Fingern auf der Schreibmaschine". "Da stehen das Geburtsdatum und das Datum des Todes, und dazwischen findet sich das Leben", sagt Willi Jansen - Vorfahren, Kindheit, Jugend, Beruf, Eheschließung, Zahl der Kinder . . . Das sei heute grundlegend anders geworden, so der Vorsitzende des Fördervereins "Unsere Veener Geschichte". Moderne Totenbriefe seien deutlich "sparsamer" mit Informationen. Glaubens- und Sinnsprüche und Bilder des Toten ersetzen die Biografie. Besonders Pastor Wilhelm van Oyen, bis 1992 der am längsten an St. Nikolaus wirkende Pfarrer, habe viel Wert auf die Totenzettel gelegt, die er immer in der Kirche ausgelegt hat. Seine Sammlung ist auch mit erfasst.

Willi Brammen ist bei seiner Arbeit seiner Kindheit in Winnekendonk-Achterhoek begegnet. Plötzlich hielt er den Totenzettel von August Wormland in Händen, seinerzeit Dompropst in St. Viktor Xanten, der Anfang der 60er Jahre im Altrhein ertrunken ist. Er sei in der Nachbarschaft aufgewachsen und ein guter Bekannter seines Vaters gewesen, so Brammen. Auch Museumsleiter Anton Gietmann hat einen persönlichen Bezug zur Sammlung. Ein Brief erinnert an seinen Schwiegeropa - den Küster und Organisten Heinrich Werner. Über ihn liest man, dass Frau und Kinder 1926 an seinem Sterbebett knieten, als er an Christi Himmelfahrt, 64-jährig "seine Seele zurück in die Hände seines Schöpfers gab".

Kontakt: Wer noch Totenzettel besitzt, kann sich an Willi Brammen unter Tel. 02802 6661 wenden.

(RP)