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Timo Wopp in Rheinberg: Wortakkrobat und meisterhafter Jongleur

Kultur in der Rheinberger Stadthalle : Ein Jongleur mit Worten und Bällen

„Nicht in die Affenfalle tappen“: Timo Wopp begeistert sein Publikum im Rheinberger Stadthaus mit einem Feuerwerk an Ratschlägen für ein geglücktes Leben.

Endlich wieder Kabarett in Rheinberg. Comedian Timo Wopp ist auf Abstand wieder auf der Bühne zu erleben. Und sein Publikum im Stadthaus genießt einen locker-leichten Abend mit Tiefgang und intellektuellem Anspruch. Es beginnt mit einer Plauderei über Corona. Der Wahl-Berliner ist im Homeoffice und mit ganzheitlicher Medienerziehung seiner Kinder lebenserprobt, während seine Frau einem systemrelevanten Beruf nachgeht. Ganz nach dem Motto: „Das Jahr ist jung, Omikron geht rum.“

Der Start in die Kabarettsaison ist für ihn „wie Weihnachtsferien am Stück“, erklärt er. Er sei so froh, keine Gute-Nacht-Geschichten über ‚Bobo Siebenschläfer‘ mehr vorlesen zu müssen. Er lästert ein wenig ab über das Lachen unter Niveau, den rhetorischen Glanz der Dummheit. Auf der Bühne platziert er eine Kokosnuss. „Affenfalle“ für die einen, für andere das „Symbol für Loslassen“, erklärt Timo Wopp seinem Publikum. Er ist verbal in Überschallgeschwindigkeit unterwegs, „weil ich dann weniger CO2-Ausstoß habe“, sagt er.

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Wopp hat Pläne, will als Bio-Bauer nach Brandenburg ziehen oder in die Uckermark. Kokain-Bauer auf Bio-Basis, das wär‘s. Thematisch ist er nach harter Arbeit vom Konsens-Kabarett und unausgereifter Obst-Comedie beim Querdenkertum angelangt. „Gibt es zur Meinungsfreiheit auch eine Meinungspflicht? Und was kommt nach Feindbildern wie Flüchtling, Merkel und Virologe?“ Timo Wopp bleibt keine Antwort schuldig.

Auf seiner Jubiläumstour ‚Ultimo‘ kombiniert er Ausschnitte aus seinen bisherigen Programmen. Er überzeugt als erfahrener Jongleur. Schließlich ist er schon im Cirque du Soleil aufgetreten. Die Bälle fliegen hoch, die Bowlingkugeln sind zu schwer. Timo Wopp packt es. Ihm geht es nicht um Content, sondern um Inhalte. „Jonglieren ist das Curling der Kleinkunst und nichts anderes als eine haptische Power-Point-Präsentation“, so der Ex- BWLer und Unternehmensberater.

Er schlägt den Bogen zur Affenfalle: Man kümmert sich um zu viel. Er rät, Ballast abzuwerfen, „nicht wie der Affe in die Nuss zu greifen“, immer auf der Suche nach mehr. Er schlüpft in die Rolle des Mentalcoaches an Orte, „wo die Gesichter lang und die Gedanken kurz sind“, und rät: „Denkt weiter, als ihr kommen könnt.“ Das Publikum geht mit. Es wird sich später an die „asoziale Kompetenz“ von Zeitgenossen erinnern, die beim Betreten des Supermarktes gleich die Öffnung einer weiteren Kasse verlangen. Oder an Jonglage-Highlights. Wopp wirft eine Zigarette hoch, fängt sie mit dem Mund auf, zündet sie am Streichholz an, das er ebenfalls mit dem Mund aufgefangen hat.

(sabi)