Alpen: Tiefe Trauer um Helmut Grauten

Alpen: Tiefe Trauer um Helmut Grauten

Der Pfarrer em. starb am Mittwoch in Alpen, nur drei Tage nach seinem 74. Geburtstag.

Noch an Silvester, als Helmut Grauten 74 Jahre alt geworden ist, habe man ihn aufgeräumt erlebt, sagen Menschen aus dem Umfeld von Helmut Grauten. Nur drei Tage später war der Pfarrer Emeritus, der fast drei Jahrzehnte lang in Alpen an St. Ulrich gewirkt hat, tot. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit habe nichts auf den nahenden Tod des Mannes hingedeutet, der in einer kleinen Wohnung im Pfarrheim lebte, heißt es. Helmut Grauten hat bis zuletzt die Samstagsmesse im Marienstift gelesen und bei Gottesdiensten in St. Ulrich ausgeholfen, wo er bis zu seinem Ausscheiden im Sommer 2011 Pastor war und, obwohl keineswegs konfliktscheu, bis heute von vielen sehr geschätzt wird.

Helmut Grauten wurde am 31. Dezember 1943 in Kleve geboren und wuchs mit drei Geschwistern auf. Die Entscheidung, nach dem Wehrdienst Theologie zu studieren, um Priester zu werden, reifte in seiner Pfarrgemeinde Christuskönig. Pastöre und Kapläne in seiner Heimatgemeinde seien Vorbild gewesen. Ein Impuls sei der plötzliche Tod eines Obermessdieners auf Ameland gewesen, hat Grauten 40 Jahre nach seiner Priesterweihe am 13. Februar 1971 im Paulus-Dom zu Münster der RP erzählt. Es folgten Kaplanstellen in Bocholt, Rheine und Walsum.

Helmut Grauten ist in einer Zeit groß geworden, als die Kirchen noch voll und der Glaube sinnstiftend für die meisten war. "Wer früher nicht in die Kirche ging, war Kommunist", lautet seine Erinnerung an seine Kindheit. Während des Studiums Mitte der 60er Jahre zeichnete sich in Kirche und Gesellschaft ein radikaler Wandel ab. Das Zweite Vatikanische Konzil reagierte darauf. Papst Johannes XXIII. riet dazu, "den Mief der Vergangenheit" abzustreifen. Nachhaltig geprägt haben den jungen Theologen die Begegnungen mit seinem Professor Joseph Ratzinger - viel später Papst Benedikt XIV. "Ein Fundus, von dem ich immer noch zehre", so Grauten vier Jahrzehnte später.

Den gesellschaftlichen Bedeutungsverlust der Volkskirche ließ ihn nicht gleichgültig: "Ich leide mit an der Glaubenslosigkeit." Der Mann, der Musik und Literatur liebte, resignierte nicht, machte Mut zum Glauben, in dem er sich von der Gemeinde mitgetragen sah, in der er 12.000 Messen gelesen und mehr als 2000 Menschen beerdigt hat: "Trotz alledem empfinde ich Hoffnung", sagte er, als er 25 Jahre Pastor von St. Ulrich war: "Die Gestalt von Glauben und Kirchlichkeit verändern sich, und doch bricht Neues an."

Neu waren vor allem die Zusammenschlüsse selbstständiger Kirchengemeiden. Grauten verwaltete von 1986 an auch St. Vinzenz Bönninghardt und St. Nikolaus Veen, wurde schließlich Pfarrer der Seelsorgeeinheit Alpen. Sein Credo: "Die kleinen Gemeinden dürfen nicht in einem großen Topf verschwinden." Die Fusion zur Kirchengemeinde St. Ulrich bereitete er vor, vollendet hat sie Dietmar Heshe. Der behält seinen Vorgänger als "bescheidenen, liebevollen Menschen, der tiefe Spuren hinterlassen hat", in guter Erinnerung. Grauten erhielt 2014 den Ehrenring der Gemeinde. Bürgermeister Ahls würdigte ihn als "Priester, wie er im Buche steht" und hatte das Lied "Ich hab' ne Meise unterm Hut" im Ohr, das der Herr Pastor in der Bütt so gern gesungen hat. Als Grauten 2011 St. Ulrich für ein Jahr verließ, wählte er für den Abschiedsgottesdienst das Gleichnis vom Sämann. Manchmal geht eine Saat unverhofft auf - "So habe ich meine Arbeit in Alpen erlebt."

Das Pontifikalrequiem beginnt am Mittwoch, 10. Januar, 10 Uhr, in St. Ulrich, danach ist die Beisetzung auf dem Friedhof Alpen. Dienstag, 19 Uhr, ist Totengebet in der Kirche. Ab Samstag liegt dort ein Kondolenzbuch aus.

(bp)