1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Niederrhein: Terra-Zoo sieht neues Gesetz mit Sorge

Niederrhein : Terra-Zoo sieht neues Gesetz mit Sorge

Uwe Ringelhan nimmt in seinem Reptilien-Zoo in NRW als einziger Gefahrentiere auf. Darunter auch Hybridzüchtungen, für die es kein Gegengift gibt. Er fürchtet, dass noch mehr Reptilien ausgesetzt werden, wenn ein Halteverbot kommt.

Reptilien erregen bei den meisten Menschen wohl kein Mitleid. Doch Uwe Ringelhan, Leiter des Terra-Zoos in Rheinberg, hat Mitleid mit den Tieren, die bei ihm in der Auffangstation in Quarantäne sind. Da ist ein Blauzungenskink, den seine Halterin sechs Jahre lang mit Katzenfutter gefüttert hat. Das Tier frisst normalerweise nur kalorienarme Salatblätter. Durch den Eiweißüberschuss hat der Skink Verformungen am Körper, etwa einen Buckel, und eine Fettleber bekommen. "Quasimodo" nennt ihn Michael Wingers, Leiter der Quarantäne-Station. Außerdem beherbergt die Station eine Teppichpython, die nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt ist. Ein Tierarzt hat sie mit einer Betäubungspistole beschossen. "Die kam halb tot bei uns an", sagt Ringelhan. Auch die Puffotter, die das Ordnungsamt vor einigen Wochen nach einem Bissunfall in Kerken beschlagnahmte, landete in der Quarantäne. Sie ist abgemagert, das Rückgrat steht hoch, sie ist von Parasiten befallen und hat eine Mundfäule. Jeden Tag muss sie medizinisch behandelt werden. Im Außenbereich des Zoos wohnen außerdem Landschildkröten mit deformierten Panzern, die von ihren Haltern falsch ernährt wurden.

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Neben gequälten und entstellten Tieren finden aber auch regelrechte Untiere ihren Weg in den Terra- Zoo. Sie stammen von privaten Züchtern und sind Hybride, die so in der Natur nicht vorkommen - wie eine Taipan-Kreuzung. Taipane sind Giftschlangen, deren Biss einen Menschen innerhalb weniger Stunden töten kann. Gegen das Gift des Taipanhybriden aus dem Terra-Zoo gibt es kein Gegengift. "Das ist Wahnsinn", sagt Ringelhan. "Ich kann eigentlich keinen Mitarbeiter mit diesem Tier arbeiten lassen. Fehler passieren, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier auch mal etwas passiert."

Uwe Ringelhan mit der Albino-Kobra, deren Rassel verstümmelt ist. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Einen Käfig weiter hockt eine Albino-Klapperschlange auf einem Stück Zeitungspapier. Die Klapperschlange hat keine Schuppen. Ihre Haut ist weiß und transparent, wie Butterbrotpapier. Ihre Rassel ist verstümmelt. Terra-Zoo-Mitarbeiter Wingers schiebt die Glastür auf und stupst die Schlange mit einem Haken an. Die Schwanzspitze richtet sich auf und schlägt hin und her, doch die Rassel klappert nicht. "Wir müssen die Schlange auf Papier halten, weil ihre Haut so empfindlich ist", erklärt Wingers. Der Grund für solche Züchtungen sei Geld. Eine Kobra kann man auf einschlägigen Reptililen-Portalen im Internet für 60 Euro haben, eine Albino-Kobra kostet annähernd das Zehnfache.

"Das ist erst der Anfang", sagt Ringelhan. Denn im Herbst wird das nordrhein-westfälische Umweltministerium einen Gesetzentwurf in den Landtag einbringen, um die Haltung von besonders gefährlichen Tieren zu verbieten. Neben dem Verbot von Tieren, deren Gift tödlich wirkt, sieht der Entwurf des Gefahrentier-Gesetzes vor, für die Haltung von anderen gefährlichen Tieren wie Riesenschlangen eine Anzeigepflicht einzuführen. Halter müssen dann Auflagen erfüllen und zum Beispiel ihre Sachkunde im Umgang mit den Tieren nachweisen, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums. Für Details sei es aber noch zu früh. Auch auf die Frage, was mit den gefährlichen Tieren passieren soll, sobald das Gesetz verabschiedet ist und in Kraft tritt, gibt es noch keine Antwort.

Genau das hat Ringelhan befürchtet. Er glaubt, dass viele Halter, ihre Tiere dann loswerden wollen und sie zu ihm in den Terra-Zoo bringen werden. Seine Auffangstation ist die einzige in NRW, die gefährliche Reptilien aufnimmt. Schon jetzt ist die Quarantäne mit 131 Tieren fast vollständig belegt. Der Terra-Zoo versucht, die Tiere an Zoos zu vermitteln. In den Handel kommen sie nicht mehr. Der Rest bleibt - für immer.

"Ich mache das ehrenamtlich", sagt Ringelhan. Der Zoo koste im Jahr 532 000 Euro. Ringelhan beschäftigt 14 Mitarbeiter. Die Kosten deckt er durch die Besucher-Einnahmen und Schulungen im Umgang mit gefährlichen Reptilien, die er für Behörden anbietet. Seit drei Jahren betreibt Ringelhan den Zoo. Er führt nebenher noch eine Werbeagentur. Mittlerweile hat er einen mehrfach fünfstelligen Betrag seines Privatvermögens in den Betrieb gesteckt. Öffentliche Zuschüsse erhält er weder vom Land noch von der Stadt, obwohl der Terra-Zoo als Tierheim geführt wird.

Auch sein 24-Stunden-Giftnotruf für Behörden oder seine Gutachtertätigkeit bei Bissunfällen wie kürzlich in Kerken werden nicht honoriert. Als nächstes möchte er die Quarantänestation ausbauen. Auch dafür gibt es keine Zuschüsse. Bleibt die Frage, warum ein Mensch sich so engagiert: "Ich mache das für die Tiere", lautet die schlichte Antwort.

(RP)