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Alpen: Taktstock-Wechsel an Himmelfahrt

Alpen : Taktstock-Wechsel an Himmelfahrt

Annegret Walbröhl aus Alpen hat Regionalkantor Willem Winschuh abgelöst, der in den Ruhestand geht. Sie leitete das Abschiedskonzert für den Vorgänger.

Am Ende des Konzerts hielt es die Besucher nicht mehr auf ihren Sitzen. Nach und nach erhoben sich die Gäste, um zu applaudieren. Für wen genau, das war dabei nicht ganz eindeutig. Natürlich für die Musiker unter Leitung von Annegret Walbröhl (37), aber genauso für Willem Winschuh (65). Der Regionalkantor, gleichzeitig auch Kirchenmusiker an der Kirche St. Mariä Himmelfahrt, verabschiedete sich nach fast 40 Jahren Dienst am Samstag endgültig in den Ruhestand. Dass seine Nachfolgerin Annegret Walbröhl das Konzert leitete, zeigte den harmonischen Wechsel ebenso wie die herzliche Umarmung der beiden Musiker in der Kirche, die für Winschuh so lange berufliche Heimat gewesen ist.

Als er 1979 seine Stelle antrat, war nicht abzusehen, dass es ihn sein berufliches Leben lang dort halten würde. Sehr schnell wurde er allerdings in Wesel heimisch. Eine zentrale Rolle habe der damalige Pfarrer Otto van de Locht gespielt: "In ihm habe ich einen väterlichen Freund gefunden."

Wie verbunden er der Stadt war und ist, zeigt auch sein unermüdlicher Einsatz für die Musik außerhalb der Kirche. "Kunst kann nie nur autonom für sich existieren", lautet seine tiefste Überzeugung, sie müsse auf die Gesellschaft reagieren, in ihr wirken. Seine Musik tat das ohne Frage, indem er zum Beispiel bei Konzerten zum Gedenken an den Holocaust "gegen das Vergessen" anspielte. "Musik hat hier eine besondere Kraft", sagt er, sie könne unterschiedliche Menschen zusammenbringen. Genau das tat er durch moderne Konzerte, die auch kirchenferne Zuhörer lockte oder den von ihm ins Leben gerufenen Chor, das Collegium vocale.

Diese Aufgaben übergibt er jetzt an Annegret Walbröhl, die beruflich aus Alpen über den Rhein wechselt. Winschuh wird der Musik treu bleiben. Konzerte sind in Planung, seine Aufgabe als Dozent an der Kirchenmusikschule Münster wird er bis zum Ende des Semesters ausfüllen. Über die Jahre hat er viele Musiker auf ihrem Weg begleitet, viele seiner Studierenden haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. "Auch ich habe dabei viel von ihnen gelernt." Sich auf Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen, das sei immer sein Anspruch gewesen.

(sb)