Rheinberg: Strom aus dem Strom

Rheinberg: Strom aus dem Strom

Im Umweltausschuss stellten zwei Projektpartner am Mittwoch ihr Konzept für ein Strömungskraftwerk vor. Möglichst noch in diesem Jahr soll der erste von zwei Pontons am Orsoyer Rheinufer liegen.

Warum darauf bloß noch niemand gekommen war, wunderte sich gestern die Politik im Umweltausschuss: Strom aus der Wasserkraft des Rheines zu gewinnen — irgendwie liegt das doch auf der Hand. Und nun soll es bei Orsoy auch tatsächlich recht bald geschehen. Die Betreiber möchten möglichst noch in diesem Jahr an den Start gehen. Alle Fraktionen waren erkennbar beeindruckt.

Patent angemeldet

Drei Jahre ist es her, dass Udo Bonn dem Ausschuss zum ersten Mal seine Idee von einem Strömungskraftwerk vorgestellt hatte. Daran erinnerte der Orsoyer die Politiker gestern Abend und berichtete, seit 2009 sei viel Arbeit zu erledigen gewesen. So einfach, wie Laien meinen mögen, ist dem Rheinstrom die Kraft eben doch nicht zu entreißen. In dieser Zeit knüpfte Bonn einen wichtigen Kontakt, der nun das Projekt zum Laufen bringt: Gemeinsam mit Hartmut Ollendiek vom Unternehmen zukunftswerk wurden zwei Techniken zu einem durchführbaren Vorhaben zusammengefasst, das auf dem Rhein zwischen dem Steiger und dem NIAG-Hafen entstehen soll. Ollendiek: "Das wird der erste Standort überhaupt für diese neue Technik." Der Projektmanager schwärmte geradezu von der Wasserkraft mit einem "unglaublichen Potenzial, das relativ einfach zu nutzen sei".

Und so soll das Strömungskraftwerk arbeiten: In zwei Metern Tiefe wird Wasser in ein langes Rohr fließen, in eine Drallbewegung versetzt und beschleunigt; dann wird die Bewegungsenergie abgegriffen und über Generatoren in elektrische Energie umgesetzt. Das passiert auf zwei Pontons von 40 mal 20 Metern große, die jeweils vier Turbinenanlagen tragen. Hartmut Ollendiek: "Wir haben darauf ein Patent angemeldet".

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Mit maximal 2,5 Metern Höhe (im Bereich der Generatoren), ansonsten gerade einmal einem Meter werde keine klotzige Anlage entstehen. Ollendiek: "Das ist eine der wenigen Anlagen, die ,grundlastfähig' sind, also 24 Stunden Strom gewinnen können und ohne bauliche Anlagen auskommen." Der Strom soll am NIAG-Hafen ins öffentliche Mittelspannungsnetz eingespeist werden.

Am Hafen ins Stromnetz

Apropos NIAG: Die hat bereits dem Strömungskraftwerk zugestimmt; auch vom Wasser- und Schifffahrtsamt habe es keinen Widerspruch gegeben, so Hartmut Ollendiek. Und die Bezirksregierung Düsseldorf prüfe nur noch, nach welchem Verfahren die Genehmigung erteilt wird.

11,2 MW Strom wird die Anlage nach Berechnungen der Betreiber aus dem Rheinstrom ernten — ohne dass damit störender Lärm verbunden wäre. Auch das eine Prognose, die den Ausschuss staunen ließ. Ebenso der angepeilte Zeithorizont: Der erste Ponton soll möglichst zum Jahresende vor Orsoy liegen.

(RP/rl)
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