Frischer Wind im alten "Berka"

Das Rheinberg von heute ist erst gut 30 Jahre alt. Und hat doch eine über tausendjährige Geschichte - begründet in der Zeit, als die 1975 zum heutigen Rheinberg vereinten Orte Rheinberg, Orsoy, Budberg und Borth noch selbstständig waren.

Trotzdem sind historische Bauten erhalten: Reste des kurfürstlichen Schlosses beispielsweise, das alte Rathaus (1449), die St.-Peter-Pfarrkirche. Ähnlich erging es dem Städtchen Orsoy, das rund 50 Jahre nach dem nördlich gelegenen Rheinberg die Stadtrechte bekam - als südlichster Zollpunkt der Grafen von Kleve, ausgebaut zur modernen Festung. Erst als Ludwig XIV. hier wie überall am Rhein die Festungsanlagen zerstören ließ, verschaffte das Orsoy einige Jahrzehnte relativer Ruhe. Gleiches galt für Rheinberg, dessen Festungsmauern 30 Jahre später abgetragen wurden. Die beginnende Industriealisierung - sie brachte für die kleinen Städchen des Niederrheins keine wirklichen Impulse. Für Rheinberg wohl auch deshalb, weil sich der Rhein im 17. Jahrhundert ein neues Bett gesucht hatte und nun den Ort nicht mehr berührte.

 Die katholische Pfarrkirche Sankt Peter.
Die katholische Pfarrkirche Sankt Peter. Foto: Stadt Rheinberg

Einige Jahre war Rheinberg wichtiger Textilstandort. Doch der hier ansässige größte Hersteller von Heimtextilien, Herbert Reichel, überlebte die Branchenkrise in den 70-er Jahren nicht; das Werk wurde vorübergenend Standort der US-Armee. Heute nutzt die Messe Niederrhein einige Hallen. Andere Bereiche wurden abgerissen und für Wohnhäuser frei gemacht.

  • Fotos : So vielfältig ist Rheinberg
  • Rheinberg : Neue Pfarrer für die Gemeinden Budberg und Orsoy
  • Rheinberg : Budberg hofft auf neuen Pfarrer

Ein Kanal aus der Spanierzeit

Was früher die Menschen in den südlichen Ortsteilen erlebten, betrifft heute die Annaberger, aber auch die Bewohner von Alpsray, von Millingen und bis in den historischen Stadtkern hinein: Sie leiden unter den Folgen des Steinkohlebergbaus. Beschädigte Häuser und Straßen, kaputte Kanäle, das Wasser der "Fossa Eugeniana" - ein Kanal aus der Spanierzeit - muss nun für alle Zeiten mit Pumpenhilfe aus der Senke gehievt werden, die der Kohleabbau schafft.

Mit der "Stadtflucht" der letzten Jahrzehnte, als tausende aus den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr an den Niederrhein zogen, nahm die Einwohnerzahl Rheinbergs rasant zu. Die nagelneue Autobahn 57 wurde zur Achse zwischen den Arbeitsplätzen an Rhein und Ruhr und den Häuschen, die rund um Rheinberg aus dem Boden schossen. In der Stadt, wo heute fast 33.000 Menschen leben. Trotzdem bewahrte Rheinberg seine sympathischen Besonderheiten: Große Grünflächen bis in den Ort hinein. Historische Gebäude, die bei Stadtführungen von Experten des Heimatvereins vorgestellt werden.