Rheinberg: SPD-Mann "Kuki" geht - eine Lücke bleibt

Rheinberg: SPD-Mann "Kuki" geht - eine Lücke bleibt

Michael Kuklinski zieht aus gesundheitlichen Gründen nach Uerdingen. Am Dienstag ist seine letzte Ratssitzung.

Das große Haus an der Kirchstraße 100 in Ossenberg steht leer. Der Umzugswagen war schon da. 33 Jahre lang haben Michael Kuklinski und seine Frau Monika dort gelebt. Zuvor waren sie fünf Jahre am Innenwall zu Hause. Tochter und Sohn sind längst erwachsen, sie leben in Düsseldorf und Krefeld. Die Kuklinskis folgen ihnen, ziehen nach Uerdingen. "Das Haus ist verkauft, uns hält hier nichts mehr", sagt Kuklinksi. Dann fügt er an. "Unsere Nachbarschaft werden wir doch vermissen."

Das Alter, insbesondere aber Michael Kuklinskis Gesundheit haben den Ausschlag für den Neuanfang gegeben. "Kuki", 69 Jahre alt, ist schon länger nicht mehr der Alte. Er ist schmal geworden, wirkt angeschlagen, hat kräftezehrende Klinikaufenthalte und Behandlungen hinter sich. Aufgegeben hat er nicht. Er ist der alte Kämpfer geblieben.

In Rheinberg kennt man ihn als Politiker. Den aufrechten, überzeugten Sozialdemokraten. Ratsherr seit 1994, zuvor zehn Jahre lang Sachkundiger Bürger. Am Dienstag hat er seine letzte Ratssitzung. Dann ist das Kapitel Rheinberg für ihn beendet. Wenn er noch mal hierher komme, dann, um eine Veranstaltung in der Stadthalle zu besuchen oder mit den Enkelkindern an den Rhein oder zum Heesenhof nach Budberg zu fahren.

Kuki ist ein Original. Groß von Statur, schlaksig der Gang, Haare und Bart immer etwas zu lang. Und immer einen Spruch auf den Lippen. Ein Mann voller Leidenschaft. Für Schalke 04 und die Politik. Was bei ihm irgendwie zusammenpasst. Für manche ist er ein politischer Hooligan. Weil er austeilen kann, weil er sich nie scheut, seine Meinung zu sagen, weil er auch mal in laufender Sitzung Mitglieder aus der eigenen Fraktion anpflaumt. Ein Polit-Rambo, der auch einstecken kann. "Kuki nervt wieder" - kein Rheinberger Politiker, der das nicht mindestens mal gedacht hat. Die gleichen Leute sagen jetzt aber auch: "Wir werden dich vermissen." Naja, die meisten jedenfalls.

Erst als Erwachsener habe er in die Rolle des Wadenbeißers gefunden, erzählt der gebürtige Weseler. "Als Kind und Jugendlicher war ich eher still, unauffällig. Kein Wortführer." Aufgewachsen in Wesel. Ein Bruder, Ratsherr für die Weseler Linken, Vater beim RWE, gestandener Sozialdemokrat. Mutter aus einer sehr konservativen Kaufmannsfamilie.

Nach der Schule Schlosserlehre bei Siemens, später kommen eine kaufmännische und eine Ausbildung zum Chemikanten hinzu. Bundeswehrzeit als Feldjäger. Bis zur Pensionierung arbeitete er für BP. Lange in Dormagen. Heute gehört das Werk an der A 57 zu Ineos. Er war freigestellter Betriebsrat und bis 2002 ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht.

In den 70ern lebte Kuki acht Jahre lang in den Niederlanden, in Huissen bei Arnheim. Die Liebe hatte ihn dorthin verschlagen. "Da bin ich zum ersten Mal mit Politik in Verbindung gekommen, obwohl ich keiner Partei angehörte", sagt er. Politisches Bewusstsein habe er aber immer gehabt.

1978 kommt er nach Rheinberg. In die SPD tritt er erst 1981 ein - mit Anfang 30. "Ruth und Kurt Sper, beide damals für die SPD im Rat, haben sich sehr um mich gekümmert." Bei den Jusos mischt er anfangs mit, auch als Vorsitzender. Ab 1984 ist er als Sachkundiger Bürger tätig. Parallel dazu wirkt er in der "Bärenstarken Bühne". Der Kulturverein organisierte eine Menge Konzerte, auch in der Stadthalle.

Sehr prägend und lehrreich sei die Ratsarbeit unter dem langjährigen Fraktionsvorsitzenden Siegfried Zilske gewesen. Gleiches gelte für die Zeit mit Thomas Ohl und Klaus Lang als Chefs im SPD-Ring. Und auch für Klaus Bechstein. "Da habe ich eine Menge gelernt", sinniert Skat-Fan Kuklinski. Da habe die Ratsarbeit eine enorme Qualität gehabt. Das vermisse er heute ein wenig. So wie ihm die Mitarbeit in der Euregio fehlen wird.

Kuki setzte für sich politische Schwerpunkte. Bauen, Stadtplanung und immer wieder Haushalt, Haushalt, Haushalt. Wenn es ums städtische Geld ging, legte er seine Finger gnadenlos in jede Wunde. "Wenn man sich mit dem Haushalt befasst, muss man sich zwangsläufig auch mit vielen anderen Dingen beschäftigen", sagt er.

Seine größten politischen Erfolge? "Dass ich zusammen mit Wolfgang Fillers den Erhalt der Kleinschwimmhalle in Borth durchgesetzt habe." Auch das Neubaugebiet in Ossenberg rechnet er dazu. Und die schmerzvollsten Niederlagen? Die "völlig unnötige" Schließung der Ossenberger Grundschule.

Und auch, dass es immer noch nicht gelungen sei, das Kirchturmdenken zu überwinden. Da müsse man bei den Orteingangsschildern beginnen. Da gehöre groß "Rheinberg" drauf und "Ossenberg" oder "Orsoy" kleiner unten drunter. Und nicht andersrum, findet Michael Kuklinski.

In Rheinberg fehle es an innovativen Ideen. Da wünsche er sich mehr Mut und Risikobereitschaft. Das Bäderkonzept sei ein Ansatz, der ihm gefalle. Das Quartiersmanagement auch. In touristischer Hinsicht könne Rheinberg mehr aus sich herausholen. Orsoy habe Potenzial. Warum nicht irgendwann die Wälle fluten, wie Gerardus Aaldering es mal vorgeschlagen habe?

Nun verabschiedet sich dieses Urgestein der SPD. Zu schnell aufbrausend und zu gutgläubig - das seien seine größten Schwächen. Auf der anderen Seite könne er sich intensiv in Themen einarbeiten, bis er zum Kern der Sache vordringe. Auch künftig will er viel Musik hören. Am liebsten harte Sachen. Er steht auf "Rammstein". Von 1850 seiner 2000 Bücher hat er sich vorm Umzug verabschiedet. Das Wissen und die Erfahrung, die er aus ihnen gezogen hat, nimmt er mit in sein neue Leben. Wie immer man auch zu Michael Kuklinski steht: In der Politik wird er eine Lücke hinterlassen.

(up)