Rheinberg: Solvay und Rheinberg trauern um Werkleiter Rösler

Rheinberg: Solvay und Rheinberg trauern um Werkleiter Rösler

Seit zehn Jahren war Dr. Richard Rösler Leiter des Rheinberger Solvay-Werks. Von Beginn an fühlte sich der Chemiker als Teil der Gesellschaft, pflegte einen guten Kontakt mit Stadtverwaltung und Politik, aber auch mit Vereinen, war beim Prinzentreffen des Ossenberger Karnevalsvereins in der Remise von Schloss Ossenberg ebenso als gern gesehener Gast anzutreffen wie beim Neujahrsempfang im Stadthaus. Immer nach der Devise: Solvay gehört zu Rheinberg, viele Mitarbeiter leben mit ihren Familien in der Stadt, also muss sich Solvay auch über die berufliche Bindung hinaus für sie einsetzen. Viele bürgerschaftliche Projekte und Initiativen hat Solvay nicht zuletzt durch das Engagement von Rösler finanziell unterstützt.

Dabei war Richard Rösler gar keiner "von hier". Er wuchs in Wolfsburg auf, studierte und promovierte in Braunschweig. Der verheiratete Vater von vier Kindern lebte in Linz am Rhein. "Unter der Woche" hatte er eine Wohnung in Moers. Weil er den Niederrheinern aber mit seiner unverstellten, freundlichen und ruhigen Art entgegentrat, war er akzeptiert, wurde geschätzt, war beliebt. Fragt man die Menschen nach einer Einschätzung seiner Person, hört man ehrenwerte Attribute wie "aufrichtig", "gradlinig" oder "verlässlich". So war er. Als Werkleiter hat er sich stets vor seine Mitarbeiter gestellt, hat immer für den Erhalt des Standortes Rheinberg gekämpft. Die einschneidendste Veränderung in seiner Amtszeit dürfte neben der Projektierung des BMW-Ersatzteillagers im Solvay-Industriepark die Zweiteilung des Werks gewesen sein. 2015 besiegelten Solvay und Ineos nach kartellrechtlicher Prüfung durch die EU-Kommission ein Joint-Venture. Der frühere Werksteil West wurde zu Inovyn, 400 der 800 Mitarbeiter wechseln in das neue Unternehmen.

1985 kam Dr. Rösler zu Solvay, arbeitete zunächst als Laborleiter in Bad Hönningen. Nach sieben Jahren in der Konzernzentrale in Brüssel leitete er acht Jahre das Werk in Bad Hönningen, bevor er nach Rheinberg wechselte. Offenbar hätte er sein Berufsleben gerne in Rheinberg ausklingen lassen. Am Sonntag ist Rösler, wie erst gestern bekannt wurde, völlig überraschend in seinem Haus in Linz gestorben. Er wurde 61 Jahre alt.

(up)