Solvay plant Holzkraftwerk: Der Spagat muss gelingen

Solvay plant Holzkraftwerk : Der Spagat muss gelingen

Nachdem wir berichtet hatten, dass die Anträge für die Solvay-Altholzverbrennungsanlage zur Genehmigung bei der Bezirksregierung Düsseldorf liegen, schaltet sich auch die Politik ein. Es gibt Bedenken – zu Recht.

Schon mehrfach hat Solvay versucht, von der teurer werdenden Kohle wegzukommen und neue Wege bei der Energiebeschaffung zu gehen. Das Konzept eines Ersaztzbrennstoffheizkraftwerks war wenig überzeigend und wurde nie realisiert. Eine Biogasanlage, die mit Getreide gefüttert werden sollte, scheiterte unter anderem an der „Teller oder Tank“-Diskussion. Diesmal geht es nun um Altholz.

Die Bewertung dieser Anlage ist nicht ganz leicht. Solvay, ein wichtiger Arbeitgeber, will und muss liefern. Die Aussicht, beim Einsatz von Holz statt Kohle den CO2-Ausstoß um 25 Prozent zu senken, ist ein gutes Argument für eine Zustimmung. Doch es gibt auch andere Faktoren, die aufhorchen lassen sollten. So kritisiert die Umweltorganisation Bund, dass Solvay auch stark belastetes Holz verbrennen will (zumindest sind die Antragsunterlagen entsprechend angelegt) und fordert höhere Kesseltemperaturen als die beantragten 850 Grad. Erst bei 1100 Grad sei ausgeschlossen, dass Dioxine und Furane in die Luft gerieten und die Menschen in der Umgebung belastet werden. Ein anderer Punkt ist die Nähe zur Müllverbrennungsanlage Asdonkshof. Auch dort will man künftig Holz verbrennen und hat die Anträge eingereicht. Die MVA ist beim Bau vor mehr als 20 Jahren mit hochwertigen, höchst effizienten Filteranlagen ausgestattet worden. Sie ermöglichen, dass Holz verbrannt werden kann und dabei die erlaubten Grenzwerte nicht überschritten werden. Eine Konkurrenzsituation, die bei der Bewertung der Solvay-Anlage mit in die Waagschale geworfen werden sollte.

Rheinbergs Politik und Stadtverwaltung müssen nun einen Spagat hinbekommen. Sie müssen einerseits die berechtigten Interessen eines bedeutenden Industrieunternehmens, andererseits die der Menschen in der Stadt unter einen Hut bekommen. Die Solvay-Zentrale in Brüssel blickt bei der Genehmigung einer Holzverbrennungsanlage, deren Bau zig-Millionen kostet, in die Zukunft und will den Standort Rheinberg stärken. Die Bürger, vor allem die Ossenberger, möchten sicher sein können, dass sie nicht noch höheren Belastungen – Luftverschmutzung, Verkehr, Lärm – ausgesetzt werden.

Keine leichte Aufgabe also.

In diesem Sinne: Schönes Wochenende!

uwe.plien@rheinische-post.de

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