Schwimmverein in Alpen: Glückwunsch für die Retter des Bades

Schwimmverein in Alpen ist 25 Jahre alt : Glückwunsch für die Retter des Bades

Vor 25 Jahren war das Hallenbad in Alpen von der Schließung bedroht. Ein Verein übernahm den Sanierungsfall.

Die Not war groß damals. In der Kasse der kleinen Gemeinde herrschte absolute Ebbe. Alpen befand sich im „Ausgleichsstock“. So wurde die Haushaltssicherung damals Land auf, Land ab genannt. Und in der Not stehen alle freiwilligen Leistungen auf dem Prüfstand, damit wenigstens die Pflicht bezahlt werden kann. Der Kosten verschlingende Betrieb eines Hallenbades ist zwar kein Luxus, aber eben keine Pflicht. Dass es das Bad im Schul- und Sportzentrum heute immer noch gibt, ist das Verdienst – wie könnte es anders sein in Alpen – von mutigen, anpackenden Ehrenamtlern.

Die gründeten vor einem Vierteljahrhundert kurzerhand und fest entschlossen einen Schwimmverein. Der hat es tatsächlich geschafft, das für die Bevölkerung wichtige breiten- wie leistungssportliche Angebot zu retten. Davon profitiert die nicht mehr gar so Not leidende Gemeinde bis heute. Grund genug für Bürgermeister Thomas Ahls, den Gründervätern aus Anlass des 25-jährigen Vereinsjubiläums zu danken. Und ihm im Namen von Rat und Verwaltung zu gratulieren.

Die Rettung hat einen Namen. Werner Hübl, ein Mann aus Xanten, war’s, der damals die Initiative ergriff. Er war Mitte der 90er Jahre Technischer Geschäftsführer bei Norgren und zog nach Feierabend als Ausgleich zum beruflichen Stress im benachbarten Hallenbad regelmäßig seine Bahnen. Als er davon Wind bekam, dass das Bad auf der Kippe stand und in stürmischer finanzpolitischer Lage unterzugehen drohte, entschloss er sich, das Ruder rumzureißen. „Ich konnte und wollte es nicht zulassen, dass das Bad geschlossen wird“, sagt er im Rückblick. Unter der Dusche sprach er potenzielle Mitstreiter an: „Da konnte keiner weglaufen“, sagt er und lacht.

Hübl, inzwischen 77 Jahre alt, ging ins Rathaus und stellte Bürgermeister Willi Jansen seinen Plan für den ernsthaften Versuch vor, das bedrohte Bad von einem Verein weiterführen zu lassen. „Der Bürgermeister war durchaus angetan von der noch wenig verbreiteten Idee und forderte mich auf, ein Konzept vorzulegen“, erinnert sich Hübl. Da ging’s vornehmst um Kosten. Natürlich. „Solche Konzepte waren mein tägliches Brot“, so der ehemalige Norgren-Manager. In der Firma gewann er Unterstützer. Auch die DLRG und die Taucher, für die das Bad existenziell wichtig war, stiegen mit ins Rettungsboot.

Es ging zunächst darum, die Personalkosten, einer der großen Posten, in den Griff zu kriegen. Schwimmmeister Hans Deppe, kürzlich verstorben, sagte sofort zu, nach seiner Pensionierung weiter für die gute Sache zur Verfügung zu stehen. Gemeinsam mit einem Zivildienstleistenden und Rettungsschwimmern aus der DLRG sorgte er am Beckenrand für die unverzichtbare Aufsicht. Die Reinigung wurde über Minijobs sichergestellt. Die technische Wartung übernahmen Ehrenamtler, teilweise aus dem Hause Norgren.

Als Anschub überwies die Kämmerei in den ersten Jahren 200.000 D-Mark per anno. Davon konnte der Verein Rücklagen bilden, um das in die Jahre gekommene Bad später grundlegend zu sanieren und auch baulich zukunftsfest zu machen. Die Mitglieder haben nach Kräften und Können mitgeholfen. „Wir haben eines der schönsten kleinen Bäder am Niederrhein“, sagt Hübl mit Stolz. Jahr für Jahr sind immer wieder andere Dinge erneuert worden – zuletzt sämtliche Wärmeleitungen. Das Bad wird seit Kurzem von einem Blockheizkraftwerk (BHKW), das Wärme und Strom produziert, klimaschonend energetisch versorgt.

Inzwischen ist der kommunale Tropf auf jährlich 30.000 Euro gedrosselt worden. Trotzdem wird wegen des hohen Aufwandes auf Eintritt verzichtet. 2300 zahlende Mitglieder sorgen mit ihrem überschaubaren Jahresbeitrag von 56 Euro für das wirtschaftliche Fundament. Dass das Bad in all den Jahren auch in der Nachbarschaft zahlreiche Freunde gefunden hat, erstaunt kaum.

Dass regelmäßiges Schwimmen jung hält, belegt der älteste Aktivist im Becken: Karl-Heinz Lammel – „Der Häuptling“ – steigt Woche für Woche ins angenehm warme Wasser. Er ist 100 Jahre alt. Auch Vorsitzender Hübl hält sich drei Mal pro Woche auf der 25-Meter-Bahn fit. Auf Gesundheit legt der Verein, der zwei Halbtagskräfte beschäftigt und auf die ehrenamtlichen Dienste von zwei ehemaligen Schwimmmeistern und Rettungsschwimmern zurückgreifen kann, großen Wert: Die Wassergymnastik-Kurse boomen. Der Bedarf ist riesig.

Das Alpener Selbsthilfe-Modell jedenfalls hat Schule gemacht. Auch in anderen Kommunen haben Vereine öffentliche Bäder in Eigenregie übernommen und leisten so einen wichtigen Beitrag für die Lebensqualität vor Ort. Und dafür, dass die Kämmerer keine Not leiden und finanziell absaufen.

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