Rheinberg: Schreiner-Semantik und Dachdecker-Duktus

Rheinberg: Schreiner-Semantik und Dachdecker-Duktus

Patrick Salmen und Quichotte gastierten mit Poetry-Slam im Rheinberger Kulturzentrum "Artlon". Mit Wortspiel und Musik rissen die beiden die Zuschauer beim ersten MAP-Budenzauber mit.

Am Samstagabend verwandelte sich das "Artlon" an der Kaiserstege in eine Schaubühne. Patrick Salmen und Quichotte gastierten als "Der Schreiner und der Dachdecker" in der einstigen Mucki-Bude. Die Premiere des MAP-Budenzaubers gelang. 100 Zuschauer trainierten ihre Lachmuskeln.

Sie waren begeistert von den beiden Slam-Poeten, die von sich behaupteten, nur Schreinersemantik und Dachdeckerduktus zu beherrschen. Das entsprach dem Selbstverständnis der Zwei, die gerne mit dem Image der Künstler aus der "Subkultur" kokettierten. "Subkultur ist, wenn die Ansage länger dauert als das eigentliche Stück", sagte Patrick Salmen. Bei ihnen dauerte die Ansage nicht selten genauso lange wie das Stück.

Aber meinten sie diese Aussage überhaupt ernst? Vielleicht genauso ernst wie: "Der ganze deutsch Rap ist ein Dreck." Schließlich rappten sie mit Herz und Seele, wobei sie nicht selten die Zuschauer einbanden und sie beispielsweise den Refrain mitsingen ließen: "Du bist mein Pokemon-Trainer".

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Die beiden lieben es, mit Worten zu spielen. Davon zeugten ihre gemeinsamen Bücher: "Die ersten werden die letzten sein. Es sei denn, sie sind zu langsam." Oder: "Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig." Darin hatten die Leser - oder Zuhörer - Wortlücken im Text sinngetreu mit Namen prominenter Künstler sowie geographischen Begriffen zu füllen. Ein Beispiel: "Tja", sagt der blutrünstige Übeltäter. "Gebacken schmeckt mir das nicht. Ein echter Kannibale ... ... ." Ein Zuschauer wusste die Lösung: "MagQs frisch" = Max Frisch.

Anderes Beispiel gefällig? Was sagt jemand, dem ein Marder die Elektrik unter der Motorhaube zerlegt hat auf bayerisch? "Nager, sag' I'" = Nagasaki. Patrick Salmen und Quichotte spielten sich die Bälle zu. "Wie im Tennis", so Ersterer. "Nur anders, absurder." Der 29-Jährige, der 2010 die deutsche Poetry-Slam-Meisterschaft gewonnen hat, hat als einstiger Germanistikstudent auch eine literarische Ader. Die zeigte er in seinem Buch "Ich habe eine Axt - Urlaub in den Misantropen". Aus diesem trug er am Samstagabend mehrere Geschichten vor, zum Beispiel "Euphorie, Euphorie", die immer wieder zu einem Bild vom Pariser Eiffelturm zurückkehrt. Dabei entblößte er mit staubtrockenem Humor die Absurditäten des Menschseins.

Quichotte, der zwei Jahr älter als sein Bühnenpartner ist, mit dem er seit fünf Jahren zusammen auftritt, kommt stärker vom Rap. Er sang von "Blumen aus dem Teer" oder verband in Stand-Up-Manier Worte, die von den Zuschauern in der Pause auf Zettel geschrieben wurden, aber nichts miteinander zu tun hatten. "Das ist eine hochkulturelle Sache", behauptete er im Finale sehr zur Freude der Zuschauer, von denen die meisten im Alter der beiden Slampoeten waren. Sie freuten sich schon auf den nächsten "Act" im Artlon, selbst wenn noch keiner vor dem MAP-Festival Mitte August feststeht.

(got)
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