Alpen: Rund 60 Trauerbriefe sind spurlos verschwunden

Alpen: Rund 60 Trauerbriefe sind spurlos verschwunden

Josef Bergmann aus Menzelen-Ost trauert um seine Mutter. Sie ist im Kreis der Angehörigen am zurückliegenden Freitag beigesetzt worden. In die Trauer der Familie mischt sich eine gehörige Portion Ärger. Denn die rund 60 Trauerbriefe mit Einladungskarten zur Beerdigung sowie zum Gottesdienst in der Kirche St. Walburgis und anschließendem Kaffeetrinken sind verschwunden.

"Die Einladungen waren bis gestern noch nicht angekommen", berichtet Josef Bergmann. Er habe Trauergäste gebeten, ihn zu informieren, falls die vermisste Sendung eintreffe. "Bislang habe nichts gehört", sagt er.

Seine Mutter sei am Montag verstorben. Einen Tag später habe er mit weiteren Angehörigen die Briefe vorbereitet. "Alle waren ausreichend frankiert und beschriftet", beteuert der Mann aus Menzelen. Dann habe er die Sendung in den Briefkasten an der Ringstraße vor der Sparkassen-Filiale eingeworfen. Das könne bezeugt werden.

Bis zum Tag der Beisetzung, drei Tage später, sei noch kein einziger Brief zugestellt worden. Das habe er nur erfahren, weil einzelne Trauergäste ihn darauf angesprochen hätten. Einzelne seien gar nicht erst gekommen, weil sie nichts von dem Todesfall wussten, wie Nachfragen ergeben hätten. Damit sich alle, die im Trauergottesdienst waren, zum Beerdigungskaffee eingeladen fühlten, habe er Pastor Georg Zglinnicki gebeten, so Bergmann, die Einladung von der Kanzel aus auszusprechen. Für den Pastor sei das Versäumnis der Post offenbar wenig überraschende gewesen.

Josef Bergmanns Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Post-Dienstleistung ist nachhaltig erschüttert. Die Zusage "95 Prozent aller Briefe erreichen ihr Ziel am nächsten Tag", mit der die Post werbe, klingt für ihn wie Hohn. Bergmann spricht von "seelischer Grausamkeit". Er frage sich ernsthaft, "ob der Briefkasten in Menzelen überhaupt noch geleert wird oder die Briefe aufgrund von Mitarbeitermangel einfach liegenbleiben". Er habe die zuständigen Dienststellen angeschrieben und erwarte zeitnah Erklärungen.

Die Pressestelle der Post konnte gestern kein Licht ins Dunkel bringen. "Nach unseren Erkenntnissen", so Sprecherin Britta Töllner, "ist der Briefkasten an der Ringstraße in der vergangenen Woche täglich vom verlässlichen Stammzusteller geleert worden." Das sei durch Scan-Belege dokumentiert. Auch in den Verteilzentren seien keine Rückstände aufgelaufen. "Wir können uns nur für den nachvollziehbaren Ärger entschuldigen, wenn er durch uns entstanden ist. Aber erklären können wir das Ausbleiben der Briefe nicht", so Töllner.

(bp)