Rheinberg: Römerstraße wird zur Endlosschleife

Rheinberg: Römerstraße wird zur Endlosschleife

Das Ergebnis einer ewig langen Diskussion im Hauptausschuss: Jetzt soll der Rat entscheiden, wie es weitergeht.

Der Fall "Römerstraße" könnte sich zu einem Musterbeispiel dafür entwickeln, wie Bürokratie vernünftige Entwicklungen verhindern kann. Am Annaberg geht es seit Monaten darum, eine Lösung dafür zu finden, wie man die Straße insbesondere in Höhe der Apotheke und der Arztpraxen sicherer gestalten kann. Ganz normale Bürger fordern dies ein und haben erfolgreich Unterschriften für ihr Anliegen gesucht. Politiker unterstützen dieses Ansinnen und möchten, dass etwas geschieht. Auch die Stadtverwaltung hebt hervor, dass sie sich nicht querstellen will, kommt jedoch aus dem Dschungel der Verwaltungsvorschriften nicht heraus.

Ein Dilemma, das zur Farce zu werden droht, wie eine erneute Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss zeigte. Eine Diskussion, die sich über eine Stunde und 40 Minuten hinzog und mehr Frust als Lust erzeugte. Und die mit einem Ergebnis endete, das niemandem wirklich gefallen wollte. Nun darf sich am 24. April der Rat damit befassen.

Engagierte Anwohner wie Gerd Warbruck verließen kopfschüttelnd und fassungslos den Raum 249 des Stadthauses. Warbruck berichtete zuvor von mehreren Unfällen in letzter Zeit auf der Römerstraße. "Unfälle, die vermeidbar gewesen wären, wenn es eine Querungshilfe oder Tempo 30 gäbe", so Warbruck.

Klaus Wittmann (CDU) erinnerte noch einmal an den von der CDU gestellten Antrag. Unter anderem wurden darin zwei Querungshilfen gefordert. Er kam zu dem Schluss, dass die Verwaltung ihren Handlungsspielraum nicht ausnutze. Und Jürgen Bartsch (Grüne) wollte unbedingt, dass es endlich zu einer Entscheidung kommt. Seiner Ansicht nach sei es möglich, auf der Römerstraße Tempo 30 einzuführen und einen Zebrastreifen anzulegen, wenn die Verwaltung ihren Ermessensspielraum ausschöpfe. Schließlich bestehe auf der Römerstraße eine besondere Situation. Für Herbert Becker (FDP) unterdessen ist ein Zebrastreifen kein Allheilmittel, ihm reichte Tempo 30 zwischen Kreisverkehr und Sparkasse. Jürgen Madry ging noch einen Schritt weiter: "Von mir aus können wir die ganze Römerstraße von Kreisverkehr zu Kreisverkehr zu Tempo 30 machen", mahnte er.

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Alles schön und gut, aber so einfach sei das alles nicht, stellte Jonny Strey klar. Er ist als Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung die städtische Straßenverkehrsinstanz und sagte "njet". "Wir haben sehr wohl verstanden, dass hier eine sichere Querung gewünscht wird", meinte er. "Aber die Verwaltung kann nicht nach subjektiven Eindrücken gehen, sondern muss objektiv prüfen." Und die Prüfergebnisse sagen: Pro Tag fahren im Schnitt 6000 Fahrzeuge auf der Römerstraße, und die halten Tempo 50 ein. Für eine Verkehrsinsel reichen die Fußgänger, die durchschnittlich pro Stunde die Römerstraße queren, nicht aus. Auch nicht für einen Zebrastreifen. Im ersten Fall müssten es 100, im zweiten 50 sein. Und um Tempo 30 genehmigt zu bekommen, werden besondere Verhältnisse verlangt: Kindergarten, Schule, Altenheim, so was. Apotheke und Ärzte - das reiche nicht.

Da konnten die Ausschussmitglieder noch so sehr darauf pochen, mit gesundem Menschenverstand zu agieren und eine pragmatische Lösung zu beschließen, es half nichts. Bürgermeister Frank Tatzel riet davon ab, etwas gegen den Rat der Verwaltung zu beschließen, denn das zwinge ihn dazu, diesen Beschluss zu beanstanden. Als Beigeordnete Rosemarie Kaltenbach dann nach langer Diskusision darauf hinwies,. dass der Hauptausschuss gar nicht befugt sei, über die Aufstellung von Verkehrsschildern und Zebrastreifen zu beschließen, sondern nur für allgemeine Verkehrsangelegenheiten zuständig sei, platze die Blase der letzten Hoffnung endgültig.

Letztendlich wurde beschlossen, dass der Hauptausschuss dem Rat empfiehlt, eine Querungshilfe anzulegen und zudem prüfen zu lassen, ob aus Lärmschutzgründen eine Tempo-30-Regelung möglich sei. Übernächste Woche im Rat geht es also wieder von vorne los.

(up)
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