Rheinnberg: Bilgenur Zaman istLotsin auf dem Weg zur Integration

Flüchtlingsberatung des Awo-Kreisverbandes Wesel : Eine Lotsin auf dem Weg zur Integration

Sozialarbeiterin Bilgenur Zaman betreut für den Awo-Kreisverband Flüchtlinge in Rheinberg. Im Sozialausschuss schilderte sie ihren Alltag anhand eines Beispiels. Sie begleitet unter anderem eine junge Syrerin mit drei Kindern.

Dem Ausschuss für Soziales, Familien und Senioren lag der „Tätigkeitsbericht über soziale Betreuung von Geflüchteten in Rheinberg 2018“ des Awo-Kreisverbandes vor. Eine elf Seiten starke, detaillierte Ausarbeitung. Bilgenur Zaman, die sich als Sozialarbeiterin um Flüchtlinge kümmert, wählte diesmal einen anderen Weg, ihren Arbeitsalltag nahezubringen. Anstatt die trockenen Zahlen zu erläutern, erzählte sie die Geschichte einer Familie. In einer unter die Haut gehenden Beschreibung schilderte sie, was es bedeutet, aus einem Kriegs-Land nach Deutschland zu kommen und sich hier einzuleben.

Bilgenur Zaman erzählte von einer 30-jährigen Frau aus Syrien. Im Mai vergangenen Jahres sei sie aus Köln nach Rheinberg in die städtische Flüchtlingsunterkunft am Melkweg gekommen. Mit drei Kindern, die inzwischen acht, sieben und drei Jahre alt sind. In Köln habe sie ungefähr zwei Monate gelebt, so die Sozialarbeiterin. Inzwischen hat die junge Frau, die ihr viertes Kind erwartet, eine Wohnung in der Reichelsiedlung bezogen.

Der Mann der Syrerin und Vater der Kinder lebe seit Jahren als Flüchtling in Spanien und will dort offenbar auch bleiben. Zaman: „Die Frau will allerdings auf keinen Fall dorthin. Sie hat hier inzwischen Kontakte und ist dabei, sich zu integrieren.“

Das Problem: Der Vater reise mehrmals im Jahr nach Rheinberg, um seine Familie zu besuchen. Ganz legal, denn er ist als Flüchtling anerkannt. Bilgenur Zaman vernimmt aber, dass er der Frau das Leben schwer mache. So habe er Zugriff auf ihr Konto und erwarte, dass sie ihm Geld gebe, dass sie für sich und die Kinder benötige. Zaman: „Das ist belastend. Die Mutter möchte, dass wir das Geld für sie verwalten, aber das dürfen wir natürlich nicht.“

Ebenso belastend ist die Krebserkrankung des achtjährigen Sohnes. Erfreulicherweise verlaufe die Genesung des Jungen positiv. „Die Begleitung einer solchen Familie ist sehr zeitaufwendig und bindet viel Kraft“, schilderte Bilgenur Zaman, die auch noch viele andere Menschen in Rheinberg betreut.

Im zurückliegenden Jahr, so erzählte Bilgenur Zaman im Ausschuss, habe sie 358 Flüchtlinge beraten. Jedes Beratungsgespräch habe Folgetermine nach sich gezogen. Meistens mehrere. Und jeder Fall sei anders gelagert.

Im ersten halben Jahr nach der Ankunft kümmere sie sich intensiv um die Menschen, begleite sie zu Ärzten, Behörden, zur Kindertagesstätte oder zur Schule der Kinder. Die Awo-Mitarbeiterin: „Erst danach kommen die Menschen richtig an, erst dann beginnt die eigentliche Integrationsaufgabe.“

Eine Herkulesaufgabe. Und mit 19,5 Arbeitsstunden pro Woche vermutlich kaum zu bewältigen.

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