Rheinberg: Rheinbergs Prinz strahlt, die Sonne lacht

Rheinberg: Rheinbergs Prinz strahlt, die Sonne lacht

Der Rosenmontagszug war spitze: 20 000 Menschen feiern ausgelassen Karneval und sehen schöne Motivwagen.

14 Uhr Ortszeit, zehn Grad Außentemperatur, jede Menge Sonnenschein und die Narrenkappe sitzt: Als Markus Geßmann auf der Fossastraße das Startzeichen gibt, setzt sich ein besonders schöner Rheinberger Rosenmontagszug in Bewegung. Fast vier Stunden lang rollt er durch Rheinbergs Straßen - und die knapp 1300 Aktiven auf den Motivwagen und in den Fußgruppen versetzen das Publikum in beste Feierlaune. Wohin man auch schaut: überall nur fröhliche Gesichter in bunten Kostümen. Die Rheinberger (und nicht nur die) haben sich als Biene Maja, als Pinguine, Piraten, Mexikaner, Super-Marios, Kängurus oder Rasta-Männer verkleidet. Ein Besucher macht auf Ghostbuster. Auf seinem Overall steht "Cashbuster - im Auftrag des Kämmerers unterwegs".

Keine Kohle, zu viel Frisöre und jede Menge Pizzerien: Die Rheinberger haben ihre Themen gefunden. Die Stadt in finanziellen Nöten, das regte die Phantasie der Wagenbauer an. Schon der Mottowagen der Rhinberkse Jonges gibt auf einer riesengroßen Narrenkappe unmissverständlich zu Protokoll: "De Stadtkass ös leck, doch wej bliewe geck". Ein anderer Wagen der Jonges transportiert eine riesengroße Registrierkasse - die Stadtkasse. Drüber kreisen die Pleitegeier. Gut, dass die "Budberger Winkelpinkler" dagegensteuern: In originellen Wikinger-Kostümen lautet ihre Devise: "Die Wikinger haben das Jammern satt, jetzt rauben sie für die Stadt."

Die Pumpennachbarschaft Orsoyer Tor nimmt eine andere Rheinberger Spezialität gekonnt aufs Korn: In der Innenstadt wimmelt es von Frisörläden und Pizzerien. Für die Nachbarschaft steht fest: "Rheinberg natürlich - schick und satt". Dazu dreht sich eine Riesenpizza mit einem Lockenwickler-Köpfchen obendrauf. Die passende Frage dazu: "Retten Italiener unsere städtischen Finanzen?" Wer weiß?! Auch die Nachbarschaft "Öm de 11 Hüser" begibt sich mit Kochmützen frisch-fromm-fröhlich-frei auf die "Pizzameile" und hat die Lacher auf ihrer Seite.

So überzeugend hat schon lange kein Rheinberger Karnevalsprinz mehr gestrahlt: Prinz Markus Becker erlebte gestern beim Rosenmontagszug die schönsten Stunden seiner Regentschaft. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Als der "Club der pinken Frisösen" vorbeiflaniert, muss man sich die Augen reiben. Das Pink ihrer Perücken ist mehr als schrill. "In Rheinberg geht Vieles platt, nur Friseure haben wir satt!", konstatieren sie. Wohl wahr!

Auch andere Beiträgen versprühen viel Lokalkolorit. Genial etwa die Nachbarschaft Rio Tinto, deren Mitglieder sich Brillen aus Teesieben gebaut haben. Sie sind der Überzeugung: "Das Fossawasser is jut, die Kriebelmücke saugt Blut." Unterdessen erinnert die Nachbarschaft Vallan an das Schicksal des Rheinberger Wappenbaums: "Baumdoktoren haben versagt, Berkas Kastanien kommen in den Sarg." Der Freundeskreis Bernhard Meyer sorgt sich um die Zukunft der Schwimmbäder: "Rhinberk ohne Bad? Watt wär denn datt?"

Bitte kein Glas! Babette Heimes (re.) und Christian Nickenig von der Stadt schauen genau in die Taschen. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Ausgesprochen schöne Wagen haben sich in den Zug eingereiht: der mit vielen Blumen geschmückte Nachbarschaftswagen etwa, auf den die echte Holzmarktpumpe als Symbol für 80 Jahre Nachbarschaftsverein geschraubt wurde. Toll! Ein echter Hingucker auch das schicke Piratenschiff der "Wallacher Pistenraudis". Einen Extras-Applaus und ein dreifaches "Rheinberg Helau!" haben sich die zahlreichen Spielmannszüge und Tambourcorps verdient, bei denen die Musik noch mit der Hand gemacht wird. Ebenso die "Berkas", die auf einem eigenen Wagen rollen. Frank Borgers und Günter Birk singen live.

Vorsicht, Kriebelmücken! Dieses freundliche Exemplar stammt aus der Nachbarschaft Rio Tinto. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Und die Tollitäten? Der Borther Prinz Martin, der Ossenberger Prinz Harald, das Millinger Prinzenpaar Petra und Mario - sie alle strahlen von ihren hohen Wagen um die Wette. Aber sie alle werden übertrumpft vom Star des Zugs: Der Rheinberger Prinz Markus II. sieht so glücklich aus, als wolle er die ganze Welt umarmen. Anstatt "der Aufbauende" könnte er jetzt auch "der Schaufelnde" heißen: Mit vollen Händen wirft er Strüssche, Kamelle und kleine Tütchen ins Volk. Ein schönes Bild in einem wunderschönen Rosenmontagszug. Helau!

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rheinberg und Veen feiern Rosenmontag

(RP)
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