Rheinbergs erste Bürgermeisterin wird 70

Ute Schreyer : Rheinbergs erste Bürgermeisterin wird 70

Ute Schreyer bezeichnet ihre fünfjährige Amtszeit als Verwaltungschefin als bedeutendste Phase in ihrem Leben.

Plötzlich steht sie da, die Sieben. „Ich kann kaum glauben, dass ich am Sonntag 70 werde“, sagt Ute Schreyer. „Aber was wollen Sie machen?“ Von einer Ziffer möchte sie sich nicht vorschreiben lassen, wie jung oder alt sie sich fühlt. „Mir geht es gut“, betont die Rheinbergerin. „Mein Mann und ich, wir sind sehr zufrieden, es gibt keinen Grund zu klagen.“

In Rheinberg gibt es nicht viele Menschen, die Ute Schreyer nicht kennen. Sie war die erste und ist bis heute die einzige hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt. Und war die erste, die direkt von den Bürgern in dieses Amt gewählt worden ist. 1999 war das. Ihr Gegenkandidat war Klaus Bechstein. Und lange sah es so aus, als gebe es an dessen Wiederwahl nichts zu rütteln. Doch es kam anders, und am Abend der Stichwahl riss Ute Schreyer in der Stadthalle jubelnd die Arme in die Luft. „Klaus Bechstein hat mir damals leid getan“, sagt sie heute.

Plötzlich war sie nicht mehr die engagierte Lehrerin an der Hauptschule wie seit 1973, sondern saß in Stadthaus im Chefsessel. „Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Arbeitstag erinnern“, so Ute Schreyer. „Da sah ich die dicke Mappe mit den ganzen Unterlagen zur Unterschrift und dachte: Was hast du dir da bloß angetan.“

Doch Schreyer stürzte sich in die Arbeit, wollte es wissen. Fünf Jahre lang gab sie Vollgas. „Sie hatte damals nicht selten 18-Stunden-Tage“, erinnert sich ihr Mann Wolfgang Dröttboom. Die beiden sind seit 1977 verheiratet. In ihrer Amtszeit passierte einiges. Das Bürgerbüro bekam neue Räume und wurde aufgewertet, die jährlichen „Wir machen unsere Stadt sauber“-Aktionen wurden eingeführt, ein umgebautes Wohnmobil fuhr als Bürgermobil in die Ortsteile, die 1000-Jahr-Feier wurde 2003 mit einem Riesen-Spektakel gefeiert. „Ich glaube, dass ich meine Arbeit ganz gut gemacht habe“, sagt Ute Schreyer, die insbesondere Jürgen van Impel dankt. Der habe zunächst als Co-Dezernent und später als Beigeordneter immer loyal an ihrer Seite gestanden. Als sie Bürgermeisterin wurde, war sie als CDU-Politikerin längst stadtbekannt. Nach dem Lehramtsstudium in ihrer Heimatstadt Bonn und dem Referendariat in Mönchengladbach kam sie als 24-jährige Lehrerin nach Rheinberg.

Sie unterrichtete Mathematik, Geschichte, Erdkunde, später auch Englisch und Informatik. In der Partei fand sie Freunde und Aufgaben. Ab 1979 saß sie im Rat. Bevor sie 1999 hauptamtliche Bürgermeisterin wurde, hatte sie bereits zehn Jahre in ehrenamtlicher Funktion hinter sich. 2004 ging es ihr dann so wie zuvor Klaus Bechstein: Sie unterlag ihrem Herausforderer Hans-Theo Mennicken und hatte schwer daran zu knappen. „Ich habe anderthalb Jahre gebraucht, bis ich mich davon erholt habe“, erzählt sie. „Von einem Tag auf den anderen war da nichts mehr.“ Zurück ins Parteiglied – das kam für sie nicht in Frage. Sechs Jahre lang führte sie ehrenamtlich das Kinderhilfswerk Gomel als Vorsitzende, dann war sie frei von allen Ämtern.

Seither genießt sie das Leben, spielt seit zehn Jahren (wie ihr Mann auch) begeistert Golf und hofft, noch lange gesund zu bleiben. „Alles andere ist nicht so wichtig“, unterstreicht sie. Ihren Geburtstag wird sie ganz ruhig verbringen. Gefeiert wird dann im Februar – mit Familie, Freunden und Weggefährten.