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Rheinberger Mundart-Verein hat plattdeutsches Liederbuch herausgebracht

Mundart in Rheinberg : Buch mit 100 Liedjes in Rhinberkse Platt

Rolf Kuhlmann und Bernhard Evers vom Rheinberger Sprookverein Ohmen Hendrek haben ein Mundart-Liederbuch herausgebracht. Die Melodien sind oft bekannt, die plattdeutschen Texte so bearbeitet, dass sie leicht zu singen sind.

Da kann ich dir ein Lied von singen. So drückt sich einer aus, der im Thema ist und zum Ausdruck bringen möchte, dass ihm dazu eine ganze Menge einfällt. Und auf den Mund gefallen sind die Damen und Herren vom „Rhinberkse Sprookverein Ohmen Hendrek“ nun wahrlich nicht. Und wollen es weiter so halten, auch wenn die Pandemie die Mundartfreunde und -freudinnen über Monate hinweg stumm gemacht hat. Weitgehend jedenfalls. Treffen und Auftritte mit Publikum gar waren nicht möglich. Doch echte Mundartfreunde lassen sich so leicht nicht unterkriegen.

Rolf Kuhlmann und Bernhard Evers haben die Krise genutzt und mit Fleiß und viel Liebe zur Mundart ein ganz neues Feld beackert, um Rhinberkse Platt mal ganz anders zum Klingen zu bringen. Die beiden Vorsitzenden des Sprookvereins haben ein Liederbuch herausgebracht mit 100 Liedjes – allesamt mit bekannten, zumindest eingängigen Melodien und selbstverständlich auf Platt. Der Titel ist Programm: „Dor kann eck ow en Liedje van senge“.

Singen habe bei Ohmen Hendrek eine lange Tradition, sagt Kuhlmann, ein pensionierter Grundschullehrer, der oft und gern auch Musik unterrichtet hat. Wann immer die Plattsprecher zusammenhocken, so ist es üblich, wird auch gesungen – aus Freude am Rheinberger Platt und aus Freude an bekannten und auch weniger bekannten Melodien. „Da ist mir irgendwann die Idee gekommen, die Lieder mal zu sammeln und Ausschau nach anderen zu halten“, sagt Sprookvereinsvorsitzender Kuhlmann.

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Ein intensiver Blick in die närrische Vergangenheit etwa hat sich da als wahre Fundgrube erwiesen, berichtet Kuhlmann. Denn in der Bütt wurde und wird viel Platt gesprochen. So sei er beispielsweise auf das Gedicht des Ossenbergers Josef Lamers gestoßen, der über die Folgen reimt, wenn man als Kind zu heiß gebadet wird („As Blag tu hett gebajd“). Dazu hat Kuhlmann eine eigene Melodie komponiert und so auch Noten geschrieben für andere Texte, damit man die auch singen kann. Bei anderen Liedern haben berühmte Männer die Noten kreiert, wie ein gewisser Herr Mozart, und Rolf Kulmann hat den Text dazu gedichtet: „Bliww ömmer brav on sinn ma treu“ statt „Üb immer Treu und Redlichkeit“ – on datt din Lääwe lang“.

Kuhlmann hat sich auch in Rheinbergs Umgebung umgetan und dann, wenn er was gefunden hat, die Texte „gar niet bang“ in dichterischer Freiheit auf Rhinberkse Platt „umfrisiert“. Klar doch. Überhaupt hat er an Versen häufig feilen müssen, um sie auf Maß zu bringen und die Kanten abzurunden, damit man beim Singen nicht hängen bleibt. Das war gerade bei bekannten Volksweisen wie „Hoch op de gääle Wagen“, mit dem der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel einst in die Hitparade gefahren ist, nicht so ganz einfach. Auch nicht bei „Lösteg öss et Zigeunerlääwe“.

Ein wenig einfacher war’s bei Liedern der Kategorie „en bettje schuddereg – etwas eigenartig zwar, aber schon ewig bekannt und recht beliebt in Rheinberg. Hier weiß man von altersher „Datt Vader beij Moder schlöpp. Vader in de Önderbocks on Moder in et Hemp.“ In diese Schublade passt auch ein altes Wiegenlied aus der Zeit, als die Zuständigkeit für Kindererziehung noch festen Rollenzuschreibungen folgte: „Moder komm heropp, datt kend mott kacke!“

100 Exemplare hat Bernhard Evers drucken lassen mit 100 Liedjes fein nach Themen geordnet und am Ende noch mal alphabetisch aufgelistet. In den Verkauf geht das Liederbuch nicht. Es ist für die 56 Mitglieder des Sprookvereins, eins für jeden und jede, der Rest wird ausgelegt und immer dann hervorgeholt, wenn man sich trifft, um Rhinberkse Platt zu sprechen und zu singen. Das soll bald schon wieder der Fall sein – am Kirmesmontag, 2. August, in der Alten Apotheke. Das Volksfest fällt zwar noch der Pandemie zum Opfer. Aber der Sprookverein Ohmen Hendrek will sich das Singen nicht länger verbieten lassen. Nur einen Sicherheitsabstand, den will er dabei schon noch einhalten.

(bp)