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Rheinberger Germanist Thomas Höffgen veröffentlicht sein drittes Buch

Buchveröffentlichung : Woher die Grimmschen Märchen stammen

Der aus Rheinberg stammende Germanist Thomas Höffgen veröffentlicht mit „Volkspoesie“ sein drittes Buch.

Thomas Höffgen, promovierter Germanist aus Alpsray, hat ein neues Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel „Volkspoesie“, bildet auf dem Cover die Gebrüder Grimm ab und fällt in den Fachbereich der Märchenforschung. Im Kern geht es um die umstrittene Frage nach dem Ursprung und dem Alter der grimmschen Kinder- und Hausmärchen, die als Unesco-Weltkulturerbe eingestuft sind. Der Autor: „In der jüngeren Forschung wurde oft behauptet, dass die Grimms die Texte selbst geschrieben hätten. Man hat sie des Betrugs bezichtigt. Tatsächlich aber führen zahlreiche Motive in die germanische Antike, etwa Frau Holle und Dornröschen. Manche Märchen wurden schon in proto-indoeuropäischer Ur-Sprache überliefert und sind 6000 Jahre alt.“

Höffgen distanziert sich von der vorherrschenden Lehrmeinung und fordert eine Rückbesinnung auf die romantische Perspektive der Ur-Germanisten: „Aufzuzeigen, dass die literarische Folklore tatsächlich aus einer Zeit stammt, die einmal war, ist das Anliegen meines neuen Buches“. Das Werk geht ursprünglich zurück auf ein von Höffgen an der Ruhr-Universität Bochum geleitetes Seminar. Dennoch ist es auch für Laien leicht verständlich: „Ich mag es nicht, wenn wissenschaftliche Arbeiten so verklausuliert und fachsprachlich ausfallen, dass sie niemand mehr versteht. Jedenfalls sind meine Bücher nicht nur für Akademiker geschrieben, sondern für Jedermann und -frau“, so der Germanist. Auch etwas Magie hat es sich erhalten. Höffgen:  „Volkspoesie hat etwas Mystisches an sich. Man betritt eine von Naturgeistern bevölkerte Wunderwelt, in der Tiere, Pflanzen und Steine sprechen können.“ Alles bloßer Aberglaube? Wahrscheinlicher sei, dass sich in den volkstümlichen Überlieferungen die Erinnerung erhalten habe an die schamanisch-animistische Weltanschauung und kognitive Lebenswirklichkeit der alten europäischen Naturvölker – dass sie also eine alte Wirklichkeit abbilden.

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Aber auch mit einem tragischen Missverständnis räumt der Märchenforscher, der sein Abitur am Amplonius-Gymnasium „gebaut“ hat,  auf. Dass Volkspoesie gleich völkisch sei: „Das Wunderbare an der Volkspoesie ist doch, dass sie ein internationales und interkulturelles Phänomen ist. Märchen kennen keine Grenzen. Märchen sind ein Menschheitserbe. Deshalb haben schon die ersten Germanisten nicht nur deutsche Folklore gesammelt, sondern genauso britische, skandinavische, baltische und slawische sowie indische, afrikanische und amerikanische – man sprach von ‚Stimmen der Völker in Liedern‘.“

Thomas Höffgen studierte Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Uni Bochum, war Lehrbeauftragter und promovierte über Goethes Walpurgisnacht-Trilogie.  Seit 15 Jahren erkundet er die Mythen und Mysterien der Menschheitsgeschichte.

(up)