Rheinberg: Zwischen Jahrmarkt und Melodram

Rheinberger Abendmusik : Zwischen Jahrmarkt und Melodram

Der Organist Christoph Bartusek entführte die Zuhörer in die Klangwelt Italiens.

Nach England, der Iberischen Halbinsel, Frankreich und der deutsch-jüdischen Musiktradition machte die „Rheinberger Abendmusik“ auf der Reise durch „Länder, Stile, und Traditionen“ am Sonntag im sonnigen Süden Station. Diesmal war es dem Kirchenmusiker von St. Peter und künstlerischem Leiter der „Abendmusik“, Christoph Bartusek, solo vorbehalten, knappe 70 Minuten lang für eine unterhaltsame Zeit zu sorgen. Er hatte sich dafür die Orgelmusik Italiens ausgewählt.

Und Bartusek gelang es, aus dieser Musik den ganz besonderen und eigenständigen Klangcharakter herauszuarbeiten und damit das Publikum am Ende zu langanhaltendem Beifall zu bewegen. Schon mit der Einstiegskomposition „Communione“ von Luigi Ferdinando Casamorata gelang es Bartusek, diese typische Mischung aus Leichtigkeit, Heiterkeit, Drama und Leidenschaft auf die Tasten seines Instrumentes zu übertragen.

Ähnliches durften die Zuhörer bei Rossinis berühmter Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ erleben – ein opulent-dramatisches, temperamentvolles, tänzelnd beschwingtes, meisterhaft dargebotenes Stück Musik. Auch Polibio Fumagallis „Ascetica Musicale op.235“ enthielt wie die „Aspirazione“ oder die „Scherzevale“ diese wunderbare Mischung aus hymnisch-heiterem, beschwingt tänzelndem und anmutig-würdevollem Klang.

Etwas differenzierter, rhythmisch und melodisch zurückgenommener stellte sich dagegen die „Fantasie“ über „Veni Creator Spiritus“ vin Filippo Capocci dar. Und mit ernsterem Ausdruck zeigte Bartusek mit Gaetano Valeris „Sobata I (Caprocio) und dessen „Largo per Voce Umana“, was noch in der italienischen Orgelmusik steckt.

In Vincenzo Antonio Petralis „Sonata finale“ fand sich dann nochmals die Symbiose aus wuchtigem, dramatischem Melodram und ausschweifend-heiterer, lebensbejahender Melodie wieder. Der „kleine Puccini-Marsch“, den Bartusek dem Publikum als Zugabe gönnte, war als Klang-Humoreske mit Drehorgel-Touch das passende Tüpfelchen auf dem i.

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