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Rheinberg: Wolfgang Jänicke aus Wallach reitet seit 1971 als Sankt Martin

Rheinberg : Sankt Martin „on tour“

Wolfgang Jänicke (71) aus Wallach reitet seit 1971 als Heiliger Mann. In diesem Jahr führt er acht Züge an. Bezahlen lässt er sich dafür nicht. Ein Weckmann und leuchtende Kinderaugen sind ihm Belohnung genug.

Seine Sankt-Martins-Kostümierung braucht Wolfgang Jänicke abends gar nicht erst in den Kleiderschrank zu packen – in diesen Tagen braucht der Wallacher sie jeden Tag. Seine diesjährige „Tournee“ in der Rolle des Heiligen Mannes begann er am Montag in der Kindertagesstätte in Duisburg-Neuenkamp, am Dienstag folgte die Kindertagesstätte der Awo an der Königsberger Straße in Rheinberg, bis Mittwoch nächster Woche folgen die Kita St. Anna an der Schulstraße in Rheinberg, die Awo-Kita in Wallach an der Gathstraße, der St.-Anna-Kindergarten an der Römerstraße, das Kardinal-von-Galen-Haus in Moers-Meerbeck, die Flohkiste des Deutschen Roten Kreuzes in Borth und der St.-Evermarus-Kindergarten, ebenfalls in Borth.

Schon seit 1971 reitet der 71-Jährige als Sankt Martin. Er hat das Amt gewissermaßen von seinem Vater Karl Jänicke geerbt; der stieg erstmals 1967 als römischer Soldat aufs Pferd – und gab fortan Jahr für Jahr den Sankt Martin, bis 1991. 1993 starb Karl Jänicke.

Seit 2006 sitzt auch Wolfgang Jänickes Sohn Frederik – er ist jetzt 40 Jahre alt – im Sattel. „Das ist bei uns Familientradition“, hebt Wolfgang Jänicke hervor. Seit 28 Jahren reitet der Wallacher Pferde von Aloys Schwekhorst aus Rees-Haldern. „Meistens bin ich auf Filou unterwegs“, sagt er.

„Mir ist es wichtig, der Sankt Martin zu sein“, unterstreicht der Wallacher. „Das ist ganz einfach eine tolle Aufgabe, die viel Freude macht. Und meinem Sohn geht es genauso. Als er 2006 zum ersten Mal geritten ist, haben ich ihm gesagt: Wenn du auf dem Pferd sitzt, an den Kindern mit ihren Laternen vorbeireitest und auf sie vorbeischaust, dann wird dir anders, das geht ans Herz. Er wollte das erst nicht glauben, hat mir aber nachher gesagt: Vater, du hattest recht.“

Geld verlangt Wolfgang Jänicke für seine Einsätze grundsätzlich nicht. „Meine Gage sind die leuchtenden Kinderaugen und die Freude der Eltern und Großeltern und vielleicht ein Weckmann“, erzählt er.

Unterstützt wird der erfahrene Wolfgang Jänicke nicht nur von seinem Sohn Frederik, sondern auch von Franz Trapp, Wolfgang Rutsch und Johann Böhmer. Sie schlüpfen in die Rolle des Bettlers.

Mitte nächster Woche wird der Wallacher seine Sankt-Martins-Utensilien dann wieder in den heimischen Kleiderschrank packen – um sie im nächsten Jahr für die nächsten Einsätze selbstverständlich  wieder herauszuholen. Tradition verpflichtet.