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Rheinberg: Whisky-Genuss mit Humor und Hintergrund

Im To Hoop in Alpsray : Whisky-Genuss mit Humor und Hintergrund

Im To Hoop in Alpsray fand ein Tasting mit William G. Robertson sttat. Er ist Experte für die Spirituose aus Schottland. Schon seit 1997 führt der Schotte deutsche Feinschmecker an das Kult-Getränk heran.

Whisky ist die große Leidenschaft und das Lebenselixier zugleich von William G. Robertson. Seine Erlebnisse und Erfahrungen in zahlreichen Whisky-Destillerien in Schottland sowie das Interesse an der Kulturgeschichte seiner Heimat bilden ein schier unerschöpfliches Repertoire für Whisky-Tastings. Jetzt war der gebürtige Schotte in der Alpsrayer Gaststätte „To Hoop“ im Bürgerzentrum Alpsray zu Gast, im Gepäck hatte er fünf Flaschen Independent Single Malts aus seiner Heimat.

Whisky-Probierabende erfreuen sich hierzulande seit Jahren steigender Beliebtheit. Und es war Robertson, der die betreute Whisky-Verkostung in Deutschland etabliert hat. Er erinnert sich an die Skepsis, die ihm damals entgegengebracht wurde: „Als ich 1997 das erste Whisky-Tasting in Deutschland anbieten wollte, hieß es: Die Leute hier trinken Bier, Wein und Schnaps, aber doch keinen Whisky. Das ist ein Getränk für alte Männer.“

Die Einschätzung sollte sich als grundlegend falsch herausstellen, Robertson tourt längst als anerkannter Whisky-Botschafter quer durch die Republik. Ein Erfolgsgeheimnis von Whisky-Tastings lautet: Learning by doing. Das weiß natürlich auch Robertson und ließ als erste Aufgabe einen zehn Jahre gereiften Glen Deveron servieren. „Der stammt aus der MacDuff-Destillerie im äußersten Osten der Speyside gegenüber von Banff am Fluss Deveron“, erzählte der Experte und räumte zunächst mal mit einem gängigen Vorurteil auf: „Man sieht immer wieder diese riesigen Whiskygläser. Ein halbes Kilo Bleikristall, in dem ein See Whisky schwimmt mit einer Oberfläche halb so groß wie ein Fußballfeld. Ein Whiskyglas muss gerade so groß sein, dass es die Nasenöffnung umschließt.“

Einen Whisky zu trinken, pardon, zu genießen, bedeutet, alle Sinne mit einzubeziehen. Das beginnt damit, das Glas langsam und stetig zu schwenken. „Der Whisky muss erst auf eine Temperatur von 16 bis 20 Grad gebracht werden. Das Schwenken bringt nebenbei Sauerstoff ins Glas, dadurch kann sich das Aroma entfalten“, erläutert Robertson. Das kann eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Robertson nimmt es mit Humor: „Dieser Whisky hat zehn Jahre gelagert, da kommt es auf zwei bis drei Minuten mehr auch nicht an.“

Zur Verblüffung der 25 Teilnehmer steckte William G. Robertson dann einen Finger in den edlen Tropfen. „Reiben Sie einen kleinen Tropfen auf ihre Haut. Bei Körpertemperatur entfaltet sich der ganze Geschmack des Whiskys.“ Wenn die Temperatur stimmt und die Geruchszellen erhöhte Vorfreude vermelden, heißt es: Slàinte Mhath. Begleitet vom traditionellen schottischen Trinkspruch wird das erste Schlückchen zwar genommen, verbleibt aber zunächst einige Sekunden auf der Zunge. Erst wenn der Whisky am Gaumen vorbeigeflossen ist, zeigt sich die wahre Qualität, sagt Robertson: „Wichtig sind Dauer und Tiefe des Abgangs.“ Robertson schwört auf Whiskys, die in einem spanischen Cherryfass gelagert wurden, nur dann würden sie die typisch rotbraune Färbung und das besondere Aroma erhalten. Vorsicht sei geboten, wenn auf dem Etikett das Wort „Refill“ steht. „Wenn das Cherryfass ein zweites Mal mit Whisky gefüllt wird, verliert er an Farbe und schmeckt fade“, erzählt Robertson, der zugibt, bereits als Kind auf den Geschmack.