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Rheinberg: Weitere Auskiesungen in Budberg geplant

Regionalplanentwurf : Noch mehr Kiesflächen in Budberg

Zusätzliche 100 Hektar sollen in den neuen Regionalplan aufgenommen werden. Gegenüber der Diskothek Aratta an der Straße Im Winkel geht es um 53 Hektar. Politik und Verwaltung sprechen sich klar dagegen aus. Fast 20 Prozent des Stadtgebietes sind jetzt schon Abbaufläche.

Kaum eine andere Kommune in Nordrhein-Westfalen ist so stark vom Kiesabbau betroffen wie Rheinberg. Fast 20 Prozent der gesamten Fläche der Stadt sind Auskiesungsgebiete. Allein der Kiesabbau im Rheinvorland in Höhe des Milchplatzes bei Orsoy und Eversael hat gewaltige Dimensionen; ebenso das Rheinvorland zwischen der Momm bei Ossenberg über Wallach bis hin nach Büderich. Nach wie vor wird auch an der Alten Landstraße zwischen Moerser Straße (L137) und Bahnhofstraße ausgebaggert.

Und dann Budberg: Schaut man von oben auf den Stadtteil, fühlt man sich an einen Schweizer Käse erinnert. Ein Baggersee neben dem anderen. „Budberger Seenplatte“ heißt das im Volksmund. Im Bereich Wolfskuhlenallee laufen die Maschinen heiß und fördern das niederrheinische Gold.

Und bald könnten noch deutlich mehr Flächen hinzu kommen. Wer einen Blick in den Entwurf des neuen Regionalplans wirft, stellt fest: Es sind rund 100 Hektar zusätzliche Auskiesungsfläche im Stadtgebiet vorgesehen. Das entspricht einer Größe von rund 200 Fußballplätzen. Nur ungefähr ein Viertel davon – etwa 25 Hektar – liegen in Millingen nordöstlich der Römerstraße, angrenzend an die Drüpter Fläche. Das entspreche etwa dem dort festgelegten Sondierungsbereich der 51. Gebietsentwicklungsplan-Änderung. Der GEP ist der Vorgänger des Regionalplans, er wurde zuletzt 1999 aufgelegt, die 51. Änderung erfolgte 2008. Gleiches gilt für ein 22 Hektar großes Areal östlich der Straße Hoher Weg in Budberg. Wenig bekannt ist eine potenzielle Auskiesungsfläche, die ebenfalls in Budberg liegt,und zwar südlich der Straße Im Winkel (Richtung Moers). Sie ist allein mit 53 Hektar angegeben. Die Straße Im Winkel (siehe Foto) beginnt ungefähr in Höhe der Diskothek Aratta auf der gegenüberliegenden Seite der Rheinberger Straße (L137). Dieses Areal tauchte bisher nicht im Gebietsentwicklungsplan auf, ist also ganz neu.

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Erstaunlich ist, dass – abgesehen von Millingen, wo die Drüpter Kiesgegner Alarm geschlagen haben – keinerlei Protest zu vernehmen ist. „Die Situation in Rheinberg ist allerdings auch eine ganz andere als in Alpen“, beschreibt Dieter Paus, Technischer Beigeordneter der Stadt Rheinberg. „In Rheinberg gibt es schon seit langem ein immer wieder bekräftigtes ganz klares Bekenntnis, das besagt: Politik und Verwaltung wollen, dass kein einziger Quadratmeter Kies mehr abgebaut wird.“ Er könne alle Bürger nur auffordern und ihnen raten, sich einzumischen und eine Stellungnahme abzugeben. Bis zum 28. Februar ist dies im Stadthaus möglich.

Die 53 Hektar an der Straße Im Winkel schmerzen die Rheinberger durchaus. Denn es handele sich um eine der letzten Flächen in der Stadt, für die es keine Restriktionen gebe. Dieter Paus: „Die wären natürlich perspektivisch wichtig für die Entwicklung der Stadt.“ Die Verwaltung lasse bereits ein rechtliches Vorgehen gegen den Landesentwicklungsplan prüfen. Im Landesentwicklungsplan sind die Laufzeiten für die Auskiesungsflächen von bisher 20 auf künftig 25 Jahre verlängert worden.

Demzufolge wird ein größerer Bedarf an Kiesmengen ausgewiesen. Das bedeutet: Es werden auch deutlich mehr Auskiesungsflächen aufgenommen.