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Rheinberg: Vor zehn Jahren wurde die Stiftung Amplonius Novus gegründet

Stadtgeschichte in Rheinberg : Eine „Pforte zum Himmel“ für Begabte

Vor zehn Jahren ist die Stiftung Amplonius Novus gegründet worden. Sie geht auf den Rheinberger Arzt und Theologen Amplonius Rating de Berka zurück und unterstützt vielversprechende Abiturienten des Amplonius-Gymnasiums.

Es ist nicht viel bekannt über den Rheinberger Arzt und Theologen Amplonius Rating(k) de Berka. Man kennt weder sein Geburts-, noch seine Sterbedatum, man weiß nicht, wie er aussah, und es gibt keinen Hinweis darauf, wie der Universalgelehrte an sein Vermögen gekommen ist. Dennoch wirkt sein Lebenswerk bis heute nach:

Vor 610 Jahren – im Mai 1412 – vermacht Amplonius seine gesamte „Bibliotheca Amploniana“ – eine Sammlung von 633 Büchern – einer von ihm an der Universität Erfurt eingerichteten Studienstiftung, dem „Collegium Amplonianum“ oder „Collegium Porta Coeli“ (dt. Himmelspforte). Diese Stiftung ist ideeller Vorläufer der Amplonius Novus-Stiftung, die heute Amplonianer beim Studium unterstützt.

Amplonius öffnet seine „Himmelspforte“ begabten jungen Rheinbergern und ermöglicht ihnen ein Studium an der Universität Erfurt. Damit initiiert der Rheinberger Gelehrte eine beispielhafte Bildungsoffensive zugunsten seiner Heimatstadt und der dortigen Lateinschule. Darüber hinaus unterstützt er seine Geburtsstadt mit 300 Goldgulden. Mit dem Geld sollen der Fortbestand der Lateinschule gesichert und ein Rektor besoldet werden.

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Außerdem verfügt er, dass der Rektor der Lateinschule Magister aus dem „Collegium Amplonianum“ und gebürtiger Rheinberger sein soll. So existiert also in Rheinberg bereits früh eine weiterführende Schule, die mit einer Universität und einer funktionierenden Studienstiftung kooperiert und zahlreiche akademische Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

In der Tat: Zwischen 1438 und 1517 bekleiden zehn Rheinberger die Rektorwürde an der Universität Erfurt. Weitere Rheinberger sind in Erfurt Dekane verschiedener Fakultäten geworden, wiederum andere erhalten die Rektorwürde an anderen Universitäten. Als die Universität Erfurt 1816 schließt, verbleibt die „Bibliotheca Amploniana“ weiterhin in Erfurt.

Erst 1947 wird die Stiftung endgültig aufgelöst und geht in der „Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer“ auf. Der Stiftungsgedanke aber lebt im Rat der Stadt Rheinberg weiter, der Anfang der 1950er Jahre 30.000 D-Mark für das Wiederaufleben der Amplonianischen Stiftung zur Verfügung stellt. Bis 1988 ist das Vermögen auf etwa 133.000 D-Mark angewachsen. 1993 wird der Fonds aufgelöst, das Geld in verschiedene Projekte und einen „Archivfonds Amplonianische Stiftung“ gesteckt.

Im Rahmen des 100. Jubiläums des Amplonius-Gymnasiums wird 2003 der innerschulische „Amplonius-Fonds“ aufgelegt. Finanzieller Grundstein ist ein Restbetrag von 2.800 Euro aus dem „Archivfonds Amplonianische Stiftung“. Damit werden erste Unterstützungs- und Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler realisiert.

Im Jahr 2012 – zum 600. Jubiläum der Amplonianischen Stiftung – entsteht die Idee, die Stiftung in größerem Rahmen wieder aufleben zu lassen, um damit Absolventen des Amplonius-Gymnasiums – ganz im Sinne des Namensgebers – finanziell zu unterstützen. Zahlreiche Freundinnen und Freunde des Rheinberger Gymnasiums bringen sich in die neue Stiftung ein, so dass die neue Studienstiftung Amplonius Novus Ende 2013 mit einem Stiftungskapital von 50.003 Euro an den Start gehen kann.

Bis heute hat die Stiftung die exzellenten Schulleistungen von 41 Amplonianerinnen und Amplonianern gewürdigt und 3.400 Euro für den Erwerb von Büchern für das Studium zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wurden und werden vier Stipendien finanziert, wofür bis heute 18.000 Euro bereitgestellt worden sind.

(nmb)