Rheinberg: Von Liebe und Freiheit in der Kunst

Kultuirinitiative Schwarzer Adler : Von Liebe und Freiheit in der Kunst

Claudia Sper und Manfred „Palle“ Kassel stellen bis Ende des Jahres im Schwarzen Adler in Vierbaum aus.

Viele Kunstinteressierte und Freunde waren in den Schwarzen Adler gekommen, um die Kunst von Claudia Sper und Manfred „Palle“ Kassel zu betrachten. Denn der Bildhauer und Keramiker und die Objektkünstlerin haben mit ihrer jahrzehntelangen Arbeit viele Freunde gewonnen, hatten bereits in der Vergangenheit in der Kultkneipe an der Baerler Straße mehrfach ausstellen dürfen.

Und sie waren zu einem Zeitpunkt von Inhaber Ernst Barten eingeladen worden, zu dem absehbar erschien, dass sie die letzten Künstler in dessen Ära sein würden, die dort vor dem Ende der Kultkneipe nochmal ausstellen könnten. „Das, was sie ausstellen, passt eigentlich ganz gut zur Entwicklung, die im Adler zur Zeit stattfindet“, meinte Barten. Die Arbeiten beider Künstler seien ihm ans Herz gewachsen. Fasziniert sei er vor allem von dem Werk der „Erdkreis II“ von Sper. „Das ist eine tolle kreisförmige Tonarbeit, da ist nicht sicher, bricht es auf oder fällt es zusammen?“, so Barten.

Der 1947 in Essen geborene Kassel trug einen Zettel bei sich, auf dem er die Essenz seiner Arbeiten beschrieb: „Ich betrachte Kunst nicht als Intellektueller, aber auch nicht als flache Kunst. Mein Anspruch ist, Liebe zu spiegeln.“ Der heute in Moers lebende Künstler zeigt insgesamt 14 abstrakte, teilweise menschlich wirkende Skulpturen – Wandobjekte, die überwiegend aus Stahl, Blei, Holz und Ton gefertigt worden sind. „Ich bin eigentlich Bildhauer“, machte er die Besonderheit der Collagenarbeit deutlich. „Das ist eine Ehrerbietung für mich und für Ernst“, meinte der 72-Jährige, der sich seit Jahren mit „Kopf-Körpern“ befasst.

Parallel zu seinen Arbeiten finden sich bis zum 30. Dezember im Adler auch die Werke von Sper, die im Atelierhaus in Baerl lebt und arbeitet und seit gut 20 Jahren künstlerisch kreativ ist. „Ich versuche das so zu verwerten, wie es der inneren Gefühlslage entspricht“, beschrieb die 59-Jährige ihren Ansatz, aus Fundstücken aller Art – ob aus Holz am Rhein, Plastik oder anderen Materialien – Assemblagen, Collagen und Objekte im Verbund mit anderen Materialien zu gestalten. „So kann alles im Leben Kunst sein – auch die Abfälle der Gesellschaft“, verdeutlichte Sper die kritische Note dahinter. „Da steckt auch Tiefe und Anschauung drin“, ergänzte sie.

Unter den 22 ausgestellten Arbeiten finden sich einige Vogelmotive – woher diese Faszination kommt, konnte Sper nicht genau erklären. „Eine Ausnahme sind auch die Aktfotos“, verwies sie auf eine kleine Transparent-Fotoserie an der Wand, die in einer intensiven Phase vor gut zehn Jahren entstand. „Die sind kombiniert mit vorgefertigtem Material“, was dem Betrachter einen neuen Blick auf die Arbeit verschaffe.

Wahrscheinlich erscheint, dass die Ausstellung nicht die letzte sein wird, die von Barten im Schwarzen Adler mit organisiert wird. Er verwies in seiner offiziellen Begrüßungsrede auch auf die derzeit mögliche Gründung einer Genossenschaft zum Erhalt der Kultstätte. „Wir werden das als Verein weiter begleiten und mitmachen“, verdeutlichte er. Ob das als Verein im Auftrag der Genossenschaft geschehe oder umgekehrt, sei noch offen. „Gesucht sind ja auch neue Ideen“, so Barten. „Es geht auch darum, dass sich die Genossenschaftler einbringen und das Programm des Adlers durch ihre Beteiligung noch spannender und vielfältiger machen.“

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