Rheinberg: Viel Power beim Jazz im Rathaus mit Günter „Baby“ Sommer

Jazz im Rathaus : Ohne Noten, aber mit viel Power

Beim zweiten Konzert der Reihe „Jazz an besonderen Orten“ sorgten die Improvisationskünstler Günter „Baby“ Sommer, Steffen Roth und Bruno Angeloni für eine mitreißende Show.

Am Dienstagabend hat der Verein „Kulturprojekte Niederrhein“ zum zweiten von insgesamt vier Konzerten der Reihe „Jazz an besonderen Orten“ geladen. Zu den drei Improvisationskünstlern im Alten Rathaus zählte auch der international profilierte Schlagzeuger und Perkussionist Günter „Baby“
Sommer.

Ob die St.-Peter-Kirche oder der Underberg-Palais – geschichtsträchtige Orte gibt es in Rheinberg zur Genüge. Mit dem Ratssaal fiel die Wahl der Organisatoren dann aber doch eher auf einen recht ungewöhnlichen Platz zum Musizieren. Dort, wo sonst standesamtlich geheiratet wird, schallten ab 20 Uhr laute Klänge diverser Drums und Percussions durch den Raum. Bevor die rund 40 musikbegeisterten Zuschauer im ausverkauften Haus „ins kalte Wasser der Improvisation“ eintauchen durften, wie es Günter „Baby“ Sommer einleitend ankündigte, stellte Rüdiger Eichholtz vom Kulturverein die drei Künstler näher vor.

Der junge Steffen Roth, ebenfalls Drummer, lernte den 75-jährigen pensionierten Professor Sommer während seines Musikstudiums in Dresden kennen. Seit geraumer Zeit treten beide gemeinsam auf. Komplettiert wurde das Trio durch den italienischen Saxophonisten Bruno Angeloni.

Es war eine Uraufführung in dieser Kombination. „Man kennt sich gut, was auch wichtig ist. Improvisation klappt nicht mit jedem. Alles muss aufeinander abgestimmt sein“, sagte Roth, der mit Angeloni zudem das Duo „Spirale“ gegründet hat. Der knapp einstündige Auftritt bot viel Abwechslung. So sorgte nicht nur das breite Instrumentenschlagwerk für gute Stimmung. Teil des Sets war auch eine Kombination aus Mundharmonika und lauten Stimmrufen. Rhythmik, Melodik und laute Geräusche – die Künstler brachten ihre Gefühle mit lebendiger Gestik zum Ausdruck.

Die Begeisterung im Publikum war groß. Unter stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus dankten die mitfiebernden Zuhörer den Interpreten für deren etwas andere Musikkunst. Zwischen den Übergangen sorgte vor allem „Baby“ Sommer für viele lachende Gesichter. „Wenn die Leute nachher fragen, wo die Noten sind oder wie lange wir geübt haben, dann war es eine gute Improvisation“, scherzte der 75-Jährige. Der gebürtige Dresdner zählt zu den ersten Free-Jazz-Musikern der europäischen Generation.

Rüdiger Eichholtz dankte vor allem der Sparkasse und dem Trägerverein Altes Rathaus, vertreten durch Susanne Grimm, für die Förderung und Möglichmachung der gesamten Serie. Am Ende war es auch der menschliche Aspekt, der den Veranstalter besonders stolz machte. „Musiker und Publikum kommen oft intensiv zusammen“, sagte Eichholtz, der Günter Sommer nach dem Konzert als „Jazz-Lexikon“ bezeichnete. Es war also nicht nur die Improvisationskunst, die die Zuschauer beeindruckte, sondern gleichzeitig auch die humorvolle, erzählerische Moderation aus dem ereignisreichen Leben von Schlagzeuger „Baby“ Sommer.

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