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Rheinberg: Uwe Klein, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Orsoy, geht in den Ruhestand.

Evangelische Kirche : Er spielt weiter die Tuba in Orsoy

Uwe Klein geht mit 63 Jahren in den Ruhestand. 15 Jahre lang war er Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde.

Eines weiß Uwe Klein: Sollte er irgendwann gefragt werden, was ihm zuerst einfalle, wenn er „Orsoy“ höre, werde er sagen: „Die Kirche. Die Kirche mit ihrem Turm, der den Menschen wie ein Fingerzeig sagt: Hier ist eure Lebensmitte. Und die Kirchsanierung. Zehn Jahre Arbeit und Einsatz für dieses Gebäude, das hat mich geprägt.“

Nächste Woche verabschiedet sich Klein aus Orsoy. 15 Jahre war er Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde. Er feierte Gottesdienste, er unterstützte Jugendliche im Konfirmandenunterricht dabei, die Botschaft von Gottes unbedingter Liebe zu verstehen. Er stand den Menschen als Seelsorger in schwierigen und traurigen Situation ebenso zur Seite wie er die glücklichen Augenblicke mit ihnen teilte, bei kirchlichen Hochzeiten oder Taufen. Zudem organisierte er ein Kulturprogramm, kümmerte sich um die aufwändige Renovierung der Kirche, war anfangs noch Geschäftsführer des Evangelischen Altenpflegeheims. „Die Aufgaben in Orsoy waren immens und am Anfang hätte ich mir das nicht träumen lassen“, sagt er. „Gleichwohl – ich bin dem lieben Gott unendlich dankbar, dass ich diese Aufgaben meistern durfte und in meiner Zeit auch hoffentlich zur Zufriedenheit der meisten bewältigen konnte.“

Uwe Klein war 15 Jahre lang Pfarrer in Orsoy. Foto: Uwe Plien

63 Jahre alt ist er. Der richtige Zeitpunkt, um in den Ruhestand zu gehen, findet der gebürtige Essener, der in Oermten aufwuchs und in Geldern zur Schule ging. Umgezogen ist er bereits vor einem Jahr. Mit seiner Frau Karin hat er sich ein Haus in Uedemerbruch gekauft. Die beiden sind dort schnell heimisch geworden. „Meine Frau spielt Posaune, ich Tuba, und so sind wir im örtlichen Musikverein gelandet. Das ist toll. Ich bin da nicht mehr der Herr Pastor, sondern der Herr Klein oder der Uwe.“ Der Abschied auf Raten sei die richtige Entscheidung gewesen; so habe er schon ein wenig Abstand gewonnen. Orsoy wird er aber nicht den Rücken zukehren. „Wir bleiben Mitglieder des Orsoy Ensembles“, so der Pfarrer.

Die Gemeinde Orsoy mit noch rund 1500 Gemeindegliedern wird weiter eigenständig bleiben. Allerdings ist eine Kooperation mit der etwa gleich großen Nachbargemeinde Budberg beschlossene Sache. Pfarrer Heiner Augustin ist dann für beide Gemeinden zuständig. Klein: „Heiner Augustin hat auf dem Feld, das ich ihm übergebe, richtig viel zu tun. Aber die Pflöcke sind eingeschlagen. Er kann gut arbeiten.“ So ist das Evangelische Altenpflegeheim Orsoy 2019 endgültig an den Träger Evangelische Altenhilfe Duisburg verkauft worden. Klein: „Ich bin froh, dass es in guten Händen ist. Wir hätten es als Solitäreinrichtung nicht mehr alleine führen können.“ Vorbereitet ist auch die Zukunft des Kindergartens. Die Stadt übernimmt zum 1. August die Trägerschaft. Stadt und Gemeinde suchen nach einer Lösung. Es soll eine städtische Einrichtung werden, in der es eine evangelische Ausrichtung als Angebot gibt. „Das heißt: Die Stadt hat den Hut auf und wir sind mit im Boot.“

Glücklich ist Uwe Klein auch über die guten Beziehungen zur katholischen St.-Peter-Gemeinde. Geplant ist, die evangelische Kirche als Simultaneum für beide Konfessionen zu nutzen, weil die katholische Kirche St. Nikolaus in Orsoy baufällig ist. Das Bistum habe dem schon grundsätzlich zugestimmt. Eine Kirche und ein Gemeindehaus für zwei Gemeinden – davon profitieren beide“, so Kleins Überzeugung.

Nicht zuletzt erwähnt er die langwierige und teure Sanierung des Kirchgebäudes. Rund 2,5 Millionen Euro hat es gekostet, das Gotteshaus trocken zu legen und wieder auf Vordermann zu bringen. „Das wäre heute wohl nicht mehr zu finanzieren“, glaubt der Pfarrer. Und der Prozess sei nicht zu Ende. Nach der Kirchsanierung ist vor der Kirchsanierung.

Letztendlich wünscht sich Uwe Klein, dass seine Orsoyer Kirchengemeinde offen für alle bleibt. Für Flüchtlinge aus der ZUE etwa. Insbesondere iranische Christen haben dort Heimat gefunden. Deshalb entschied der Pfarrer schon vor zwei Jahren, Gottesdienst auf Deutsch und Englisch zu halten. Offenheit herrscht in Orsoy auch kulturell. Klein hat ein festes Kulturprogramm etabliert. Dessen Organisation liegt jetzt in den Händen von Thorsten Waschkau und Simone Döring.

Uwe Klein kommt aus einem Elternhaus, in dem Glaube sehr bewusst gelebt wurde: Die Mutter war katholisch und konvertierte zum evangelischen Glauben im Alter von 60 Jahren. Der Vater, Ingenieur, war evangelisch und lange Jahre Vorsitzender im Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Sevelen. Schon früh wuchs in ihm der Berufswunsch „Pfarrer“. Er studierte Theologie in Münster und Bonn. Nach Orsoy kam er 1985 als Vikar und Pastor im Hilfsdienst. 1990 wurde er Pfarrer in Eick. 15 Jahre später kam er nach Orsoy. Weit über die Orsoyer Gemeinde hinaus betraute er auch den Dienst als Notfallseelsorger.

„Ich bin dankbar für die Zeit, die ich in Orsoy hatte, die vielen guten Begegnungen und Freundschaften, die entstanden sind. Ich gehe reich beschenkt aus meiner Arbeitsstelle.“ Der Kirche bleibt Uwe Klein übrigens treu. Künftig wird er vertretungsweise in der Kirchengemeinde Sonsbeck predigen.