Rheinberg: Trotz Lähmung vom Hals an geht Kevin Nisius beruflich seinen Weg

Berufliche Integration : Techniker-Ausbildung im Rollstuhl

Kevin Nisius ist vom Hals an gelähmt. Die Esco hat ihm eine Chance gegeben.

Bis vor sechs Jahren verlief das Leben von Kevin Nisius völlig planmäßig. Die Ausbildung zum Elektroniker beim Esco-Salzwerk Borth war bestanden, es folgte ein zunächst befristeter Vertrag. Dann warf ihn ein Freizeitunfall aus der Bahn. Der inzwischen 28-Jährige ist seitdem halsabwärts gelähmt. Die Reaktion seines Arbeitgebers: Wir gehen da gemeinsam durch.

Nisius erhielt einen Festvertrag. Kollegen richteten ihm einen vorläufigen Arbeitsplatz in einem Pausenraum ein. Das sollte es allerdings nicht gewesen sein, sagt Esco-Produktionsleiter Dirk Heinrich: „Wir wollten ihn nicht nur beschäftigen, sondern ihm einen beruflichen Lebensinhalt geben. Damit war klar, wenn wir diesen Weg weitergehen, steht die Weiterbildung zum Techniker an.“ Die Idee dahinter: Dinge, die Nisius motorisch nicht mehr erledigen kann, soll er künftig mit Köpfchen angehen. Heinrich: „Ein Techniker sagt anderen, wie es funktioniert. Kevin Nisius wird dadurch von seinen Händen unabhängig.“

Hans-Gerd van Bentum, im Werk für berufliche Eingliederung zuständig, wandte sich an das Moerser Berufskolleg und fragte nach, ob eine eine Weiterbildung im Rollstuhl überhaupt machbar sei. „Für uns war das völliges Neuland, aber wir sind die Sache positiv angegangen“, erklärt Holger Lembken, zuständig für den Bereich Elektro- und Informationstechnik. Als erstes musste eine Integrationskraft gefunden werden, die alles zu Papier bringt. Denn Kevin Nisius kann seine Finger nicht mehr bewegen. Lembken: „Da ist mir klargeworden, wie schwer es ist, einer Krankenschwester elektrotechnische Formeln zu buchstabieren.“

Zudem mussten technische Hilfsmittel beschafft werden mit einem Zuschuss vom LVR. Die Initiative integratives Leben (INI) aus Sonsbeck hat sie besorgt. Ein Rad griff ins andere. Das war kein Zufall. „Es gibt rund 215 Fördertöpfe in Deutschland, wer kennt die schon alle? Deshalb ist es sinnvoll, dass sich einer dem Thema annimmt und ein Netzwerk der Hilfsmöglichkeiten knüpft“, erklärt van Bentum, der diese Rolle übernahm.

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker hat Nisius im Juni abgeschlossen, seine Karriere ist nach Ansicht von Produktionsleiter Heinrich damit aber keineswegs beendet: „Wir benötigen demnächst einen Energiemanager im Unternehmen, da sehe ich für Kevin Möglichkeiten.“

Für das Werk ist die erfolgreiche Integration ein Beispiel, das Schule machen sollte. „Ich kann nur jeden Betrieb in einem solchen Fall auffordern, alle vorhandenen Möglichkeiten nutzen. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt, die wir gerne weitergeben“, so van Bentum.

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