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Rheinberg: Theatergenuss unter Corona-Bedingungen

Theatersaison eröffnet : Ein Theaterstück, das in Zeiten von Corona spielt

Mit dem Boulevardstück „Ich hasse dich – heirate mich“ hat die neue Rheinberger Theatersaison begonnen. Auf Abstand und unter Corona-Bedingungen.

Theater und Corona, das funktioniert in Rheinberg ganz gut, wie die Besucher des Stücks „Ich hasse dich – heirate mich!“ jetzt erleben konnten. Das Rheinberger Theaterprogramm ist mit dieser turbulenten Komödie in die Saison gestartet. Das Besondere: Das Stück handelt vom Leben in Corona-Zeiten, gespielt in Corona-Zeiten. Die Autoren Florian Battermann und Jan Bodinus haben beim Schreiben zu Zeiten des Shutdowns Tempo vorgelegt und erreichen ihr Publikum gerade und mittig in diesem Pandemie-Umfeld.

Theater und Corona, wie funktioniert das? Die Spielstätte wurde sozusagen neu erschlossen. Vor dem Betreten der Stadthalle erhielten die Besucher die Aufforderung, sich die Hände zu desinfizieren und den Mundschutz anzulegen. Weitere Maßnahmen wurden kurz vor Spielbeginn erläutert. Statt der üblichen 650 Theaterbesucher war die Stadthalle diesmal für maximal 450 Gäste auf Abstand eingerichtet. Aufgrund der genauen Markierung der Sitzplätze inklusive eines Kontaktformulars wird nun ein Belegplan erstellt, um, wenn nötig, die detaillierte Rückverfolgung zu ermöglichen. Verzichtet wurde in Rheinberg auf die Abendkasse wie die Pause mit der üblichen Verpflegung durch das Team der Alten Apotheke um Wirt Oliver Prophet.

Das Publikum verließ ab 21.40 Uhr die Stadthalle geordnet, nach Sitzreihe und Aufruf. Auch wenn Theatervergnügen ein enges Corona-Korsett trägt, spürte man die Freude des Publikums unter ihrem Mundschutz und ihre Begeisterung, endlich wieder Theaterluft zu schnuppern. Mit strengen Auflagen eine Art Befreiungsschlag wie der Erfahrung, Kultur hat wieder Perspektive. Szenenapplaus und entspanntes Lachen begleiteten die Schauspieler in diesem turbulenten Drei-Personenstück. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.

Abstand, Budenkoller, Maske, Angst vor Isolation – Corona bestimmt das Leben von Tanzlehrerin Kerstin Schröder (Sarah Matberg), die nunmehr im Home-Office Tanzkurse etwa für Polka anbietet. Sachbuchautor Felix Schwarz (Florian Battermann), der unter ihr wohnt, rastet bei so viel Lärm aus. Sein Ratgeber „Tanzen für Tölpel“ steht vor dem Abschluss und verspricht dem Leser sichere Tanzschritte ohne den lästigen Tanzschulenbesuch. Während sich Kerstin und Felix mit Schutzvisier und Handschuhen näher kommen, schafft es die quirlige, immer neugierige Nachbarin, Frau Otto (Manon Straché), zu allen passenden und unpassenden Augenblicken in bekannter Boulevardtradition die Wohnung zu betreten. Also genügend Stoff für ein Happy End, wenn da nicht Kerstins schlechte Beziehungserfahrungen wären. Ihr Motto: Liebe macht alles kaputt. Nur mit einem nervigen Vollidioten, ohne Gefühlswelt, könnte Zweisamkeit klappen. Trennungen schmerzen dann nicht so. Von wegen, Amor hat sein Werk längst vollendet. Kerstin und Felix haben sich gesucht und gefunden. Das gefühlvolle Happy End zu Zeiten von Hygienekonzepten müssen sich die Rheinberger aber denken, wie Frau Otto empfiehlt. „Den Schluss überlassen wir dem Publikum. Küssen Sie Ihren Nachbarn jetzt oder zu Hause. Aber küssen Sie die Richtigen.“ Tanzszenen, Tempo, Charme und Witz in beinahe authentischen Lebenswelten bestimmten den Abend. Anderthalb Stunden Theatergenuss reichten, den Alltag zu vergessen. Mehr davon.