Rheinberger Einrichtung für Reptilien Terrazoo leidet unter Besucherschwund

Rheinberg · Die private Einrichtung für Reptilien existiert seit 20 Jahren in Rheinberg. Doch Corona setzt den Betreibern stark zu: Statt 100.000 Besucher wie in den Jahren vor der Pandemie kamen 2021 nur knapp 10.000 Gäste in den Terrazoo.

Terrazoo in Rheinberg: Diese Tiere leben dort
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Diese Tiere leben im Terrazoo in Rheinberg

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Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Nahezu regungslos liegen die riesigen Schlangen in ihrem Terrarium zwischen Glasscheibe und einem Baumstamm. Die beeindruckend kräftigen Körper sind derart ineinander verschlungen, dass man schon gute Augen benötigt, um zu erkennen, um wie viele Schlangen es sich überhaupt handelt. „Es sind drei Stück“, informiert Niklas Schumacher, Auszubildender zum Tierpfleger im Rheinberger Terrazoo am Melkweg. Würgeschlangen – groß und Respekt einflößend, aber nicht giftig.

Da gibt es im privaten Reptilienhaus ganz andere Kaliber. Nur wenige Meter neben den dösenden Würgeschlangen hat der Inlandtaipan sein Domizil. Die Schlange ruht in einem hohlen Ast, lediglich der Kopf schaut heraus. Das Reptil, das aus kleinen, schwarzen Knopfaugen seine Umgebung mustert, gilt als die giftigste Landschlange der Welt. Allerdings sei der Inlandtaipan ein eher „ruhiger Vertreter“, im Gegensatz zu den Schwarzen Mambas. „Diese Schlangen sind von Natur aus nervöser, ängstlicher und unfassbar schnell“, erläutert der 24-Jährige. Das erfordere ganz besondere Sicherheitsvorkehrungen; Arbeiten werden hier nur zu Dritt ausgeführt. Der 24-Jährige ist mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr, kann aber bereits mit den Gefahrtierscheinen Eins bis Drei spezielle Sachkundenachweise erbringen. Unfälle habe es noch nicht gegeben.

Seit 2001 – also seit genau 20 Jahren – ist das Reptilienhaus am Melkweg in Rheinberg ansässig, verfügt hier zudem über ein Außengelände, wo Waschbären, Erdmännchen, Ziegen und Kängurus „zu Hause“ sind. Insgesamt rund 400 Tiere 120 verschiedener Tierarten können die Besucher im Terrazoo bestaunen. Darunter Schlangen und Echsen sowie Krokodile und Schildkröten. Aber auch Frösche und Spinnen sind zu sehen.

Nicht alle sind giftig oder gefährlich, aber alle strahlen eine große Faszination auf die Besucher aus. Allerdings müssen sie Zeit und Geduld mitbringen, denn nicht immer geben sich die Tiere zu erkennen. Die etwa 60 Terrarien sind dem natürlichen Habitat der jeweiligen tierischen Bewohner nachempfunden. Die Nutzung unter anderem von Holz, Steinen, Sand und echten Pflanzen lässt bei entsprechender Temperatur und Luftfeuchte ein Mikroklima entstehen, dass dem ihres Lebensraumes in freier Natur entspricht. Die vielen Pflanzen stammen übrigens nicht allein aus dem Gartenmarkt. „Wir erhalten auch viele Spenden, zum Beispiel weil Unternehmen umziehen und ihre Pflanzen abgeben müssen“, freut sich Schumacher. Er selbst ist mittlerweile Hobby-Pflanzenzüchter und sorgt auch auf diese Weise für grünen Nachschub.

Der Terrazoo ist nicht nur beliebtes Ausflugsziel für Familien, Kitas, Schulen und Interessierte, oft ist auch die Expertise der Fachleute gefragt. „Aus der Beschlagnahmung einer Wohnung in Hagen kamen jüngst 52 Giftschlangen zu uns“, berichtet Niklas Schumacher aus dem Alltag. Doch nicht immer kommen die Tiere von offizieller Stelle. Nicht selten geben private Reptilienhalter ihre Tiere in der Auffangstation des Terrazoos ab. Allein der Quarantänebereich verfüge über etwa 90 Becken, so der 24-jährige Tierpfleger in Ausbildung.

Die größte Faszination auf die großen und kleinen Besucher üben aktuell die Königskobra und die Nil-Krokodile aus. Letztere verschlingen, anders als ihr massiver Körper vermuten lässt, „nur“ zwei Hühner pro Woche. Insgesamt verfüttert der Terrazoo etwa 40 Kilogramm Fleisch pro Woche, hinzukommen zehn Kilogramm Möhren, 25 Salatköpfe sowie Obst und Gemüse. Dabei ist das Tierfutter nicht der größte Kostenfaktor für den privaten Reptilienzoo, der sich vor allem über Spenden und Eintrittsgelder finanziert. Vor allem Strom und Heizen belasten das Budget. Kosten, die nicht minimiert werden können. „Selbst im Lockdown hatten wir monatlich etwa 24.000 Euro Kosten“, berichtet Niklas Schumacher. Ohne Einnahmen auf der Gegenseite schwer zu stemmen. Konsequenz: Trotz Eigenkapital, das der Chef „reingeschossen“ habe, seien auch die Rücklagen geschmolzen. So stark, dass ein Spendenaufruf gestartet werden musste. Die Resonanz sei überwältigend gewesen. Allein: „An dieser Stelle stehen wir jetzt fast wieder, sollte erneut ein Lockdown kommen“, befürchtet Schumacher.

 Zu den bekanntesten kleinbleibenden Waranarten zählt der Stachelschwanzwaran. Die agilen Tiere sind in Australien weit verbreitet.

Zu den bekanntesten kleinbleibenden Waranarten zählt der Stachelschwanzwaran. Die agilen Tiere sind in Australien weit verbreitet.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)
 Der Netzpython ist eine der größten Schlangen der Welt. Netzpythons leben in den Tropen Südostasiens.

Der Netzpython ist eine der größten Schlangen der Welt. Netzpythons leben in den Tropen Südostasiens.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)
 Dieser Grüne Leguan, eins von 400 Tieren im Rheinberger Terrazoo, hat sich zum Aufwärmen unter eine Rotlichtlampe gesetzt.

Dieser Grüne Leguan, eins von 400 Tieren im Rheinberger Terrazoo, hat sich zum Aufwärmen unter eine Rotlichtlampe gesetzt.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)
 Ein Grüner Waran: Die Warane (lateinisch Varanus) bilden eine über 80 Arten umfassende Gattung der Schuppenkriechtiere.

Ein Grüner Waran: Die Warane (lateinisch Varanus) bilden eine über 80 Arten umfassende Gattung der Schuppenkriechtiere.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)
 Der Pfeilgiftfrosch gilt als eines der giftigsten Tiere.

Der Pfeilgiftfrosch gilt als eines der giftigsten Tiere.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Seit die Virus-Mutante Omikron erstmals auftauchte, mache sich ein deutlicher Besucherrückgang bemerkbar. Man komme auf kaum zehn Prozent der üblichen Auslastung. Vor Corona besuchten pro Jahr etwa 100.000 Interessierte und Reptilienfreunde den Terrazoo. Davon sei man nun meilenweit entfernt. Aufgrund des geringen Besucheraufkommens benötigt es derzeit noch nicht mal eine Anmeldung. „Wir haben jetzt einige Kindergeburtstage im Kalender und hoffen, dass wir sie durchführen und ohne Lockdown ins nächste Jahr starten können“, so Schumacher.

(up)
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