Rheinberg: Streetart-Künstler verschönern Schule beim 20. MAP-Festival

20. MAP-Festival In Rheinberg : Piraten machen Schule zum Kunsthaus

„Pirartlon“ heißt die Streetart-Aktion beim 20. MAP. An der Pulverturmschule werden parallel 80 Ferienkinder betreut. Ein Generationenprojekt.

Eine Schule, sechs Wände, sechs Hebebühnen, 250 Sprühdosen, 200 Liter Streichfarbe, neun Streetart-Künstler, 80 Grundschulkinder und zwei Dutzend Betreuer: Rund um das Schulgebäude am Pulverturm herrscht ein einziges Gewusel in diesen Tagen. Die Ferienbetreuung der Kinder ist wegen des Umzugs der Innenstadt-Grundschulen dorthin ausgelagert, das MAP-Team führt dort seine diesjährige Kunstaktion durch und beides greift ineinander.

Das scheinbare Chaos läuft unter der Überschrift „Heute ist das Morgen von gestern“. Denn, so die kluge Ergänzung dazu: „Gelebte Gegenwart ist erlebte Geschichte und entwirft Zukunft.“ „Wir sind froh, die Aktion diesmal an der Pulverturmschule durchführen zu können“, sagt Manuel Kutz. Er und sein Bruder Marco Kutz sind die Kunst-Männer im MAP-Team. Diesmal heißt die große Mal-Schule nicht „Artlon“ wie in den vergangenen Jahren, sondern „Pirartlon“. Devise: „Kind sein, wild sein, kreativ sein.“ Manuel Kutz: „Uns gefällt die Idee, aus der Schule ein Mehrgenerationen-Sozialhaus zu machen. Das haben wir thematisch aufgegriffen.“ So wirken erwachsenen Künstler und Grundschüler neben- und miteinander.

Weil die sechs etwa gleich großen Fassaden relativ weit auseinander liegen, wirken sie nicht wie ein bemaltes Haus, sondern wie eigenständige Gemälde an einem Haus. Den schwierigsten Part hat Javier Landa Blanca. Der Spanier aus Huarte bei Pamplona ist inzwischen ein halber Rheinberger geworden. Man kennt ihn in der Stadt und er kennt sich hier schon gut aus. Dass er fließend Deutsch spricht, kommt ihm dabei zugute. „Javi“ malt zusammen mit Jon Zabalegui, ebenfalls Spanier, dessen 95-jährigen Großvater Manolo auf die Fassade. „Er ist mein Held, ein toller Mann, und alle meine Freunde kennen ihn“, erzählt der Enkel über den Altvorderen. Eine Generationen-Geschichte, ohne Frage. Weil die Fassade schräg gegenüber des Denkmals Alte Kellnerei liegt, musste der Denkmalschutz das Motiv zuvor absegnen.

Wie Landa Blanco ist auch Malakkai ein alter Bekannter in Rheinberg. Der in Kopenhagen lebende Spanier sagt: „Ich liebe diese Stadt, ich komme immer gerne nach Rheinberg.“ Und so wie es aussieht, hinterlässt der Mann mit dem entspannten Spraydosen-Schwung auch diesmal wieder ein Super-Gemälde. Es wird auf der linken Seite des Eingangs an der Kurfürstenstraße auf eindrucksvolle Weise zeigen, dass alles auf dieser Welt in Balance bleiben muss. Zunächst sieht die Wand aber noch aus, wie von Kinderhand bekritzelt. Kreise, Linien, Plus-Zeichen und allerlei andere Formen sind da zu sehen. „Das sind Markierungen für mich. Damit ich weiß, wo ich was malen muss“, sagt Malakkai.

Raptuz, der Italiener, ist schon ein Stück weiter, auf seiner Wand kann man schon einen Mega-Mann mit Hut erkennen. Während zwei deutsche Akteure – Künstlernamen Neatful und Hoker – ein politisches Motiv gewählt haben. „Stand your ground in unity“ (übersetzt: „Stehe in Einheit“), steht da in großen Lettern. Und daneben eine riesige Hand, die mächtig Druck ausübt. Es könnte die von US-Präsident Donald Trump sein.

Gemalt, gerollt und gesprüht wird von morgens bis abends: Bis Samstag soll alles fertig und die Stadt ein Stück bunter und um einige bleibende Kunstwerke reicher sein. Unterdessen freuen sich die Leiterinnen des Offenen Ganztags Ute van Hauten (Grundschule Annaberg) und Monika van Briel (St. Peter), dass die Woche „top“ gelaufen sei. Jeden Tag von 7.30 bis 16 Uhr sind die Jungen und Mädchen kreativ, bemalen Taschen und Armbänder, arbeiten mit Speckstein oder gestalten 400 von der Ossenberger Schneiderin Eva-Maria Ritt genähte Wimpel, von denen viele schon an der Schule aufgereiht sind. Ein Kinder-Reporter-Team gibt es auch. Die Streetart-Profis Javier und Jon haben den Kindern gezeigt, wie man mit er Sprühflasche arbeitet. Die Ergebnisse – auf Bannern gebannt – hängen als sichtbare Zeichen dieses großen, friedlichen Mehrgenerationen-Pirartlon-Schiffes am Schulgebäude.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Streetart-Künstler machen aus einer Schule ein Kunstwerk

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