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Rheinberg: Stadtwanderung mit historischem Beiwerk

Herbstspaziergang durch Rheinberg : Stadtwanderung als Geschichtsstunde

Wir wandern wieder. Diesmal mitten durch Rheinberg – durch den Stadtpark und über die Wallanlagen.

„Wandern“ hört sich so hochtrabend an. Sagen wir mal: Wir machen einen schönen Herbstspaziergang. Mitten in Rheinberg. Devise: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Und Werner Kehrmann kommt mit. Nicht ganz zufällig: Als profunder Rheinberg-Kenner soll der Stadtführer ein paar Erläuterungen zu dem geben, was man am Wegesrand sehen oder eben auch nicht sehen kann. Startpunkt ist vor dem Underberg-Freibad, das es seit den 50er Jahren gibt und das noch heute ein tolles Familienbad ist. Man erreicht es von der Bahnhofstraße aus. Gegenüber der Sparkasse führt ein schnurgerader Alleenweg direkt auf das Bad zu. Und dort findet man als auswärtiger Besucher auch einen von mächtigen Platanen gesäumten Parkplatz.

Wir laufen los, links am Freibad vorbei auf dem gepflasterten Weg. Links die erste Sehenswürdigkeit: der Spanische Vallan. „Ein Gartenhäuschen, 1764 von Stadtkommandant Baron von Kleist gebaut“, sagt Werner Kehrmann. Später diente das Türmchen dem einen oder anderen Nutzer als Liebesnest. Wie romantisch. Vergessen solle man auf dem Weg zum Freibad nicht, einen Blick auf das Hegerbecken im Stadtpark zu werfen, schiebt Kehrmann noch nach. Das einstige Feuerlöschbecken ist nach Gottfried Heger benannt, dem „Schöpfer“ des Parks.

Hinter den Freibad-Liegewiesen passieren wir die Unterführung der Niag-Bahnstrecke (ehemalige Kreisbahn), dort kommt man in den „neuen“, deutlich dichter bewaldeten Teil des Stadtparks. Die Geräusche der Stadt lässt man dort hinter sich, stattdessen plätschert der Moersbach. Wer dem folgt, erreicht bald einen markanten Punkt: die rostig-metallische, kreisförmig angelegte Stadt-Silhouette. Die säumte ursprünglich den Kreisverkehr an Römerstraße/Alte Landstraße/Bahnhofstraße (der mit der „Flasche“). Weil die Spitzen und Kanten aber zu viel Unfallgefahr bargen, versetzte man das Kunstwerk ins Grüne.

Ein Zeugnis der Rheinberger Geschichte: der Pulverturm. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Hinter der Silhouette gehen wir links Richtung Thekla-Altenheim. Im Stadtpark finden sich schöne Sitzbänke, die zu einer Verschnaufpause einladen. Vorbei am Haupteingang der Altenheims überqueren wir an einem Fußgängerüberweg die Bahnlinie und kommen in die Straße Zu den Löthwiesen mit ihren ansehnlichen Wohnhäusern. Weiter geht es über die Löthstraße bis zur Schmiede (Metallbau) Geßmann. Von dort aus gelangt, wer das möchte, über die Vallanstraße wieder zurück in den Stadtpark. Wir laufen um diesen Handwerksbetrieb herum, werfen einen Blick auf Lujas bunte  „Drei Geher“  im von Paul van Holt stets gepflegten Kreisel Moerser Straße und laufen ein Stückchen Richtung Innenstadt. Vor dem Gebäude mit der Aufschrift „Berka-Bräu“ (bis vor rund 100 Jahren wurde dort Bier gebraut) und hinter der Pumpe der Nachbarschaft „Orsoyer Tor“ lädt eine Steintreppe dazu ein, den Kattewall parallel zum alten Stadtgraben kennenzulernen. Schnell erreicht man eine höher gelegene Aussichtsplattform. „Die Hooge Kat“, erklärt Werner Kehrmann. „Zu deutsch: die hohe Katze. Katzen waren Verteidigungsanlagen. Weil es Kat heißt, müsste der danach benannte Kattewall eigentlich auch nur mit einem K geschrieben werden.“ Die „Hooge Kat“ wurde um 1580 errichtet, über eine Rampe wurden die Kanonen dort auf den Wall befördert. Der Blick Richtung Budberg war frei. Noch heute hat man dort eine schöne Aussicht.

Wunderschön ist der von alten Bäumen gesäumte Weg über den Wall. Rechts zu sehen: das „Tor der Toten“, von Architekt Toni Hermanns entworfen und 1964 zu Ehren der Toten errichtet. „Leider ist die Anlage oft zugemüllt“, sagt Werner Kehrmann. Gleich gegenüber erhebt sich die St.-Peter Kirche. Wer in ihre Richtung abzweigt, erreicht schnell den Großen Markt und die Innenstadt.

Doch wir bleiben auf dem Kattewall, wechseln am Ende auf die Alte Rheinstraße und biegen nach rechts ab, wo wir ins Herz der alten Stadt geraten. Unter der Erde liegen noch die Mauerreste der alten Rheinberger Festung mit Schloss. Unübersehbar ist der Pulverturm mit seinen bis zu vier Meter dicken Mauern. 1598 flog er zum ersten Mal in die Luft, 1634 zum zweiten. 23 Meter war er ursprünglich hoch, acht Meter davon sind geblieben.

Vorbei an der Alten Kellnerei mit ihrem gotischen Giebel; als Wirtschaftsgebäude und Wohnsitz des Bischofs lag das Haus einst außerhalb der Burg. Heute ist dort  das Stadtarchiv untergebracht. Ein kleines Stück wandern wir nun weiter auf dem Innenwall, bevor wir Anschluss finden an die Wallanlagen. Unter stattlichen Kastanienbäumen – der Rheinberger Wappenbaum leidet leider unter dem Bakterium Pseudomonas syringae – schlendert man bis zur Bahnhofstraße, wo rechts liegend wieder der Eingang zum Freibad zu sehen ist.

Hinter uns liegt ein Rundgang durchs Grün der Stadt. Der empfiehlt  sich nicht nur im Goldenen Herbst.  Und wenn man einen Kenner wie Werner Kehrmann dabei hat, macht das Laufen doppelt Spaß.