Rheinberg: Stadt kauft den Kita-Container nicht

Kinderbetreuung : Stadt kauft den Kita-Container nicht

Ernüchterung am Montagabend in der Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses: Das Angebot einer mobilen Anlage für eine Notgruppe erwies sich nach Begutachtung in Bonn als nicht akzeptabel.

Die Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses am Montagabend im Stadthaus war nur zu einem einzigen Zweck angesetzt worden: um zu beschließen, dass die Stadt eine gebrauchte Containeranlage zum Preis von günstigen 32.000 Euro kaufen kann. Der Plan war, sie auf dem Schulhof der ehemaligen Ossenberger Grundschule aufzustellen – angegliedert an die DRK-Kita Wolkenblick im Altbau der alten Schule. Und gedacht als Notgruppe für viele der 34 Kinder, denen die Stadt keinen Kita-Platz anbieten kann, die aber einen gesetzlichen Anspruch darauf haben.

Alles musste schnell gehen. Das Container-Angebot war so kurzfristig bei der Stadt eingegangen, dass Sozialdezernentin Rosemarie Kaltenbach erst in der Ratssitzung vor einer Woche darüber berichten konnte. Nur mit viel Drücken und Schieben gelang es, die Sondersitzung anzuberaumen, denn das Angebot für eine eingruppige mobile Kindertagesstätte gilt nur bis Mittwoch dieser Woche.

Den Schulhof der alten Grundschule Ossenberg sähe die Stadt gerne als Standort für einen Kita-Container – nicht zuletzt wegen der Nähe zur DRK-Kita Wolkenblick. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Wie gesagt: Alles musste schnell gehen. Und genau so schnell löste sich die ganze Geschichte auch wieder in Luft auf. Denn am Montag reisten die Fachbereichsleiter Monika Giesen (Jugend und Soziales) und Ralf Chowanietz (Immobilienwirtschaft) sowie Stadtarchitekt Nils Bollen nach Bonn, um sich dort den Container anzuschauen. Das Ergebnis war niederschmetternd. Monika Giesen fasste es in der Sondersitzung zusammen: „Von außen sah die Anlage schlicht aus, von innen verwahrlost. Es herrscht ein Renovierungsstau.“ Es gebe keine Betriebserlaubnis vom Landschaftsverband, der Brandschutz sei nicht gewährleistet, es liege keine Baugenehmigung vor und die Unfallkasse sei nicht eingebunden. Zudem habe es in den Räumen übel gerochen. Kurzum: Die Stadt wird die Containeranlage nicht kaufen. Rosemarie Kaltenbach: „Das ist sehr ernüchternd.“ Alle Bemühungen, kurzfristig zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen, stehen wieder auf Null.

Im Ausschuss herrschte Frust. Warum man denn nicht die Kita St. Theresia in Millingen über die Pfarrgemeinde St. Ulrich Alpen angefragt habe, wollte CDU-Frau Karin Ricking wissen: „Die war mal dreigruppig.“ Mit dem leitenden Pfarrer Dietmar Heshe habe noch niemand gesprochen.

Friedhelm Kung (SPD) zeigte sich „etwas ungehalten über die gesamte Situation“. Das sei alles nicht im Sinne der Kinder und alles nur Flickwerk. Er verwies auf das Pfarrheim Altes Zollhaus in Orsoy, das schon während des Neubau der Kita St. Nikolaus als Notunterkunft gute Dienste geleistet habe: „Was ist damit?“ Auch Ralf Vogel (FDP) werte die ganze Situation als „unbefriedigend“.

Unterdessen rückte Erich Weisser (CDU) einmal mehr den Altbau der alten Ossenberger Schule in den Fokus und will die Kosten für einen Umbau schnell ermitteln lassen. Oder die Stadt solle nach anderen Containern suchen. Oder Beigeordnete Kaltenbach solle mit St.-Peter-Pfarrer Martin Ahls sprechen. Und auch über die Schule am Pulverturm wurde noch einmal nachgedacht. Alles Ideen, die schon geprüft worden seien, sagte Kaltenbach. Und überall gebe es Gründe dagegen. Dass der Container in Bonn nicht gut sei, habe die Stadt nicht wissen können, weil sich der zuständige Mitarbeiter beim Landschaftsverband in Urlaub befinde. Man müsse schauen, wie man eine kurzfristige Lösung hinbekomme. Ossenberg sieht sie dabei als die wahrscheinlichste. Auch die alte Kita St. Anna an der Kirche scheidet aus. Sie steht leer, ist aber offenbar für eine Tagespflegeeinrichtung des Caritasverbandes gebucht.

Jetzt lautet die Devise: Bitte alles noch mal von vorne.

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