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Rheinberg: SPD will neue Auskiesungen verhindern

Auswirkungen der Regionalplanung : Rheinberger SPD protestiert gegen neue Auskiesung

Aktuelle Karten weisen 550 Hektar potenzielle Abgrabungsfläche in Rheinberg, Kamp-Lintfort, Alpen und Neukirchen-Vluyn aus, der Großteil davon in Rheinberg. Es müsse sich jetzt Protest formieren, sagen die Sozialdemokraten.

In Rheinberg soll in Zukunft noch weiter ausgekiest werden, und zwar in ganz erheblichem Umfang – das will die SPD nicht unwidersprochen hinnehmen. „Politik und Verwaltung haben sich schon mehrfach sehr deutlich gegen weitere Auskiesungen in der Stadt positioniert“, konstatiert der Fraktionsvorsitzende Philipp Richter. „Es wird allerhöchste Zeit für eine Kehrtwende.“

Jetzt treffe es Rheinberg wieder „richtig dicke“, wie auf aktuellen Karten, die sich die SPD beschafft hat, zu sehen ist. Und nicht nur Rheinberg, auch in Alpen, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn soll weiterhin jede Menge Kies aus dem Boden geholt werden. „Über einen Zeitraum von 25 Jahren geht es in den vier Kommunen um eine Fläche von 550 Hektar, davon alleine 138 in Alpsray“, hat SPD-Ortsvereinschef Peter Tullius überschlagen.

Flächen, die in den neuen Regionalplan aufgenommen werden sollen, liegen in Alpsray und Saalhoff (etwa in Höhe des Flugplatzes), in Winterswick (Erweiterung der Fläche Gelinde), in Budberg (Erweiterung des Abbaugebietes Wolfskuhlen), zwischen Pelden und Eversael am Rüttgerssteg sowie in Millingen. Mit insgesamt neun Auskiesungsflächen sei Rheinberg der traurige Spitzenreiter am Niederrhein, so die Sozialdemokraten. Allein bei der Fläche zwischen Winterswick und Moers (ungefähr gegenüber der ehemaligen Diskothek Aratta beginnend) geht es um rund 50 Hektar.

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Philipp Richter: „Noch ist das nur ein erster Entwurf. Wenn das aber alles genehmigt werden sollte, verkommt Rheinberg vollends zu einer Seenplatte. Man muss sich das Stadtbild nur mal aus der Luft ansehen. Da sieht man schon jetzt, wie viele Baggerseen es gibt. Wir müssen jetzt ein klares Signal an die Landesregierung senden, dabei nachzuschärfen. Denn die Landesregierung erteilt dem Regionalverband Ruhr den Auftrag.“ Er hoffe, dass sich in den betroffenen Städten alsbald Protest rege und dass die Kommunen sich niederrheinweit zusammenschließen, um ganz klar zu sagen: Es reicht, wir wolle das nicht. Die altbekannte Argumentation der Bauindustrie, dass man auf Kies als wertvollen Rohstoff angewiesen sei, könne man nicht in alle Ewigkeit gelten lassen, betont Ratsmitglied Peter Tullius. „Man muss nur mal in die Niederlande schauen, dort wird zunehmend auf Recycling gesetzt. Da haben wir hier noch viel Nachholbedarf.“ Stattdessen werde viel Kies vom Niederrhein exportiert, etwa nach Dubai.

Die SPD will nun versuchen, an detaillierteres Kartenmaterial zu kommen, und will die Öffentlichkeit weiter auf dem Laufenden halten. Peter Tullius: „Wir müssen jetzt handeln, bevor der neue Regionalplan irgendwann beschlossen ist und es zu spät ist, noch auf die Entscheidungsträger einzuwirken.“ Am sinnvollsten sei es, einen interkommunalen Protest in Düsseldorf auszutragen.

Ihren Landtagskandidaten René Schneider hat die Rheinberger SPD bereits angespitzt. Philipp Richter: „Er ist inzwischen umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion und will auf jeden Fall etwas unternehmen.“ Eine Chance sehen die Rheinberger auch darin, dass im nächsten Jahr ein neuer Landtag gewählt wird; da lasse sich das Thema im Wahlkampf gut platzieren.

Peter Tullius: „Der Rheinberger Rat hat ja schon vor längerer Zeit eine Resolution gegen weitere Auskiesungen verabschiedet. Aber dieses Votum scheint offenbar niemanden zu interessieren. Es wird einfach immer weiter geplant.“ Erst am Dienstag sei im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Mobilität über die Wasserrahmenrichtlinie gesprochen worden, so Tullius. „In dem Zusammenhang ist gesagt worden, dass wir derzeit eine ganz gute Grundwasserqualität haben. Wenn aber in dem Maße weiter Kies abgegraben wird wie geplant, wird das nicht mehr haltbar sein.“

Schon jetzt gebe es Probleme mit Kies-Unternehmen, die verpflichtet seien, nach Abschluss ihrer Grabungen die Flächen zu renaturieren. Richter: „Wir kennen ja die Bilder, wie das nachher geht: Dann haben wir ein Baggerloch und später einen Zaun darum. Und die Unternehmen sind mitunter nicht mehr zu greifen.“