Rheinberg: Solvay wird klimafreundlich

Chemische Industrie : Solvay wird klimafreundlich

Der 1000-seitige Genehmigungsantrag für das Holzkraftwerk liegt bereits bei der Bezirksregierung Düsseldorf.

Der Genehmigungsantrag liegt bereits bei der Bezirksregierung Düsseldorf, das Verfahren läuft, die Vorbereitungen für den von Solvay geplanten Neubau eines Kraftwerk-Kessels zur Prozessdampf- und Stromerzeugung mit Holz als Rohstoff laufen auf Hochtouren. Die neue Anlage soll an der Ecke Xantener Straße/Zollstraße in der Nachbarschaft der beiden Gasturbinen entstehen. Geplant ist, dass das Gebäude eine Höhe von 40 Metern und eine Grundfläche von 35 mal 20 Meter hat. Hinzu kommt ein 50 Meter hoher Schornstein (zum Vergleich: Der bestehende misst 112 Meter) sowie rund 8000 Quadratmeter Hallen für die Holzaufarbeitungsanlage, die das Gocher Unternehmen AVG Baustoffe betreiben wird.

Im bestehenden Kraftwerk werden pro Jahr ca. 200.000 Tonnen Kohle verbrannt. Der produzierte Dampf geht in die Soda-Produktion. Soda wird in der Glasindustrie und auch für die Herstellung von Waschmitteln gebraucht. „Unser Ziel ist es, den Einsatz von Kohle um 25 Prozent zu reduzieren und damit die CO2-Emissionen deutlich zu verringern“, sagt Solvay-Werkleiter Norbert Mülders. „Damit finden fast 20 Prozent der gesamten Reduktion der Solvay-Gruppe in Rheinberg statt.“

Werkleiter Norbert Mülders in seinem Büro. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Im neuen Kessel, der rund um die Uhr in Betrieb sein soll, sollen – so der Plan – ab Mitte 2021 pro Jahr 200.000 Tonnen Altholz der Kategorien A1 bis A4 verfeuert werden. Kein Naturholz, sondern Paletten, Bauholz und Restprodukten aus holzverarbeitenden Betrieben.

Dazu müssen künftig von montags bis freitags tagsüber (optional auch samstags) etwa 60 Lkw pro Tag Holz anliefern. „Wir werden uns strikt an die gewünschte Verkehrsführung über die L 137 halten“, so Norbert Mülders, der sagt: „Das ist ein langfristiges Projekt für 30 Jahre. Solvay investiert hier einen hohen zweistelligen Millionenbetrag und bekennt sich damit auch zum Standort Rheinberg.“

Im Werk arbeiten rund 400 Frauen und Männer plus 200 bis 250 Mitarbeiter von Partnerfirmen. Genehmigt die Bezirksregierung Düsseldorf die Kraftwerks-Modernisierung und wird alles nach Plan gebaut, kommen bald noch zehn bis zwölf AVG-Mitarbeiter dazu, die sich an der Zollstraße in zwei Schichten um die Aufarbeitung des Altholzes kümmern. Die Holzschnitzel werden wie bei einer Holzpelletsheizung über eine Transportschnecke aus dem Lager in den Kessel transportiert und dort verbrannt. Neben dem Dampf, der über die bestehende Brücke ins Soda-Werk gebracht wird, fallen pro Jahr 15 Megawatt Strom ab. „Die speisen wir ins Netz ein“, sagte Norbert Mülders.

Verschiedene Fachbehörden, die Stadt Rheinberg und der Kreis Wesel sind in das Verfahren eingebunden. Ebenso 20 bis 25 der Rheinberger Solvay-Mitarbeiter, die viel zu schreiben hatten, wie Norbert Mülders berichtet: „Der Genehmigungsantrag hat einen Umfang von 1000 Seiten.“

Nach der vierwöchigen Offenlage einer Kurzfassung der Antragsunterlagen (rund 35 Seiten) folgt der öffentliche Erörterungstermin der Bezirksregierung. Mülders hofft, dass das Kraftwerk 2021 in Betrieb gehen kann. Er versichert: „Es ist uns sehr wichtig, die Rheinberger bei diesem Projekt mitzunehmen. Ihre Anregungen gehen in unsere Planungen mit ein.“ In der nächsten Sitzung des Rheinberger Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt will Solvay das Konzept der Politik vorstellen.

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